- VonMaksym Brikschließen
Zuletzt war häufiger von einer kommenden Wespenplage in Deutschland die Rede. Ob da etwas dran ist, erklärt der Imker Christian Monier. Er hat Zweifel.
Hamm - Der Hamburger Schädlingsbekämpfer Marco Haß sprach in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt von einem potenziell „guten Jahr für Wespen.“ Das regnerische Wetter begünstige Insekten, die den Wespen dann als Futter dienen könnten. „Die Königin baut jetzt im April die ersten Waben, im Mai schlüpfen die ersten sieben Arbeiterinnen. Danach wächst die Population rasant. Im August kann ein Nest bis zu 12.000 Tiere beherbergen.“ Haß erwarte daher zum Sommer hin eine große Population von Wespen. Kriegen wir also 2024 eine Wespenplage?
Kommt die Wespenplage? - Experte sagt: „Es ist reine Spekulation“
Der Arnsberger Imker Christian Monier sieht noch keinen konkreten Anlass zur Sorge: „Es ist einfach noch zu früh, um etwas Genaues vorherzusagen.“ Zumal selbst bei einem größeren Aufkommen von Wespen kein Grund zur Sorge bestehe: „Wir haben sowieso nur zwei Arten, die uns lästig werden, die deutsche und die gemeine Wespe“, und auch die seien in der Regel harmlos. Das feuchte Wetter bisher möge zwar Insekten begünstigt haben, die später Wespenfutter werden, doch Monier erklärt: „Wenn es weiter kalt und nass bleibt, dann können die Königinnen nicht fliegen, dann gibt es auch weniger Wespen.“
Für Monier bleiben jetzige Vorhersagen „reine Spekulation“. Einige Faktoren könnten sich zwar positiv auf die Vermehrung von Wespen auswirken, so hätten es etwa verhältnismäßig viele Königinnen durch den Winter geschafft. Andererseits gibt der Imker jedoch zu bedenken: „Von zehn Königinnen, die zurzeit herumfliegen, sterben sieben im Schnitt ab.“ Es gäbe also keine eindeutigen Anzeichen für ein Wespenjahr.
Harmlos, aber nichts für Laien - Wespennester den Experten überlassen
Grundsätzlich gilt, dass Wespen weitgehend harmlos sind. Wenn man nicht gerade allergisch auf die Tiere reagiert, hat man nichts zu befürchten. Provozieren sollte man sie aber auch nicht, erklärt Monier: „Das dümmste, was man machen kann, ist nach ihnen zu schlagen, dann wird man erst sichtbar. Stattdessen sollte man einfach ruhig bleiben.“
Manchen fällt es aber schwer, beim Anblick von Wespen ruhig zu bleiben, vor allem wenn es ein ganzes Wespennest am eigenen Haus oder der Wohnung ist. Trotzdem sollte man sich um einen klaren Kopf bemühen. Wespen stehen nämlich unter Naturschutz. Den Tieren ohne einen vernünftigen Grund Schaden zuzufügen, ist laut Monier verboten. Ein vernünftiger Grund könne etwa ein gesundheitliches Risiko, etwa durch eine Wespenallergie, die Nähe zu Kindern oder auch panische Angst vor den Insekten sein.
Aber auch mit einem guten Grund, die Wespen loswerden zu wollen, sollte von Eigeninitiative abgesehen werden. Stattdessen rät Monier einen Experten zu kontaktieren. Diese können dann einschätzen, ob sich das Nest erhalten lässt, ob es umgesiedelt oder ganz beseitigt werden muss. Auch kann ein Experte einschätzen, um welche Art es sich handelt. Insbesondere sollte man Wespen nicht mit der einheimischen Hornisse verwechseln, diese steht unter besonderem Schutz und ihre Nester dürfen nur mit Genehmigung einer Naturschutzbehörde beseitigt werden. Ebenso ist es auch mit der Asiatischen Hornisse, die sich gerade in NRW breit macht und vermutlich eine Gefahr für das Ökosystem darstellt.
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