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Nach Weck-Gläsern steht die nächste deutsche Kultmarke vor dem Aus: Der Hersteller hinter dem millionenfach verkauften Römertopf geht in Insolvenz.
Hamm - Die Zahl deutscher Traditionsbetriebe in Finanznot wächst. Zuletzt meldete die mehr als 120 Jahre alte Firma Weck, bekannt für ihre Einmachgläser, Insolvenz an. Nun steht ein Unternehmen vor dem Aus, dessen bekanntestes Produkt mehr als 50 Millionen Mal verkauft wurde: die Römertopf Keramik GmbH & Co. KG.
| Wer? | Römertopf Keramik GmbH & Co. KG |
| Wo? | Ransbach-Baumbach (Rheinland-Pfalz) |
| Was? | Antrag auf Insolvenzverfahren |
Römertopf meldet Insolvenz an, Kultmarke steht vor dem Aus
Viele Deutsche kennen seine unverwechselbare ovale Form mit den Verzierungen und das raue Geräusch, wenn sich der Deckel über das Unterteil schiebt: der Römertopf. Noch viel mehr Menschen erinnern sich an das leckere Essen, das langsam in ihm zubereitet wurde, oft wurde und wird der Topf aus Ton für Festtagsmenüs in den Backofen geschoben.
Bald gibt es das zerbrechliche Kultprodukt im Original wohl nicht mehr neu zu kaufen. Hersteller Römertopf Keramik GmbH & Co KG mit Sitz im Westerwald hat am Donnerstag (22. Juni) einen Insolvenzantrag gestellt. Geschäftsführer Frank Gentejohann ging kurz nach Bekanntwerden des Antrags davon aus, dass die Produktion eingestellt wird: „Stand heute ist, wir werden den Standort Deutschland schließen.“
Im Werk in Ransbach-Baumbach (Rheinland-Pfalz) sind nach Unternehmensangaben 44 Mitarbeiter noch für drei Monate beschäftigt. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein Drittel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Der Umsatzrückgang betrug mehr als 40 Prozent.
Römertopf: Werk im Westerwald vor der Schließung
Nach sehr guten Entwicklungen von 2017 bis 2021 habe es mit Beginn des Krieges in der Ukraine einen starken Umsatzrückgang gegeben, teilte das Unternehmen mit. „Parallel dazu brachen die Erträge aufgrund der Kostenexplosionen bei Energie, Rohstoffen, Löhnen und Produktionsmitteln ein.“ Die Ankündigung des neuen Heizungsgesetzes (GEG) habe erneut einen „massiven Nachfrageeinbruch aufgrund der Verängstigung der Verbraucher“ verursacht, sagte Gentejohann.
Der Römertopf wurde 1967 auf der Hannover Messe vorgestellt. Er wurde in den 1970er Jahren populär und in mehrere Länder exportiert. Nach Angaben des Unternehmens wurde er mehr als 50 Millionen mal verkauft. Der Name wurde als Markenzeichen eingetragen und bezieht sich auf die Verwendung von Keramik in der Küche im Alten Rom.
Nicht nur die Beispiele Römertopf und Weck verdeutlichen, dass auch etablierte Kultmarken nicht vor dem wirtschaftlichen Niedergang gefeit sind. Auch der Plastikgeschirrhersteller Tupperware hat finanzielle Probleme. In der vergangenen Monate meldeten viele Unternehmen Insolvenz an. So drohte einem weiteren Schuhgroßhändler die Zahlungsunfähigkeit. 3000 Filialen waren davon betroffen. Nicht nur viele Kleidungsgeschäfte litten zuletzt unter schwierigen finanzellen Bedingungen. Auch ein Mineralwasser-Hersteller meldete nach über 100 Jahren Insolvenz an.
Rubriklistenbild: © Jochen Kratschmer/Römertopf/dpa/Archivbild
