Wie Pferde menschliche Berührungen empfinden und Besitzer erkennen was missfällt
VonLara-Sabrina Kiehl
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Berührungen erzeugen eine Verbindung zwischen Mensch und Pferd, aber was fühlen die Tiere wirklich? Forschungen liefern aufschlussreiche Ergebnisse.
Berührungen spielen eine zentrale Rolle im Umgang mit Pferden, vor allem in der pferdegestützten Therapie. Sie schaffen Nähe und unterstützen Menschen bei der Bewältigung unterschiedlicher Herausforderungen. Doch wie nehmen Pferde diese menschlichen Berührungen selbst wahr? Eine Studie hat untersucht, wie Therapiepferde darauf reagieren – und die Ergebnisse sind aufschlussreich.
Zärtliche Momente oder Stressfaktor?
Für viele Menschen ist es intuitiv ein Pferd zu tätscheln, zu streicheln oder zu kraulen, um Zuneigung oder Lob auszudrücken. Insbesondere im therapeutischen Kontext sind Berührungen ein essenzieller Bestandteil der Interaktion. Doch ob Pferde diese als angenehm empfinden, hängt stark von der Situation ab.
Forscher von der Universität Guelph in Kanada haben in ihrer Studie „Evaluating the Effect of Touch in Human-Horse Interactions“ untersucht, wie Therapiepferde auf Berührungen reagieren. Ein Augenmerk legten sie dabei auf die Art der Berührung, wie Kraulen und Streicheln, und auf die Berührung an bestimmten Stellen wie Hals oder Hinterhand. Dabei wurden zwei Szenarien verglichen:
Nicht freiwillige Berührung: Das Pferd war angebunden, während ein Mensch es am Hals, Rumpf und der Hinterhand berührte.
Freiwillige Berührung: Das Pferd konnte sich in einem Roundpen frei bewegen, und der Mensch durfte es nur berühren, wenn es von selbst in Reichweite kam.
Die Ergebnisse zeigen, dass Pferde Berührungen nicht per se als angenehm empfinden. Besonders wenn sie keine Wahl haben, reagieren sie häufiger mit Stresssignalen wie Maulbewegungen, Schweifschlagen und erhöhter Unruhe. Interessanterweise spielte es kaum eine Rolle, ob das Pferd getätschelt, gestreichelt oder gekrault wurde und wo es berührt wurde – die Reaktion hing vielmehr davon ab, ob das Tier die Interaktion selbst steuern konnte.
Im Gegensatz dazu fand eine Studie der Nottingham Trent University heraus, dass die Art des Berührens sehr wohl eine Rolle auf das Wohlbefinden des Pferdes spielt: Streicheln und Kraulen am Widerrist wirken als Belohnung effektiver als das Klopfen auf Hals oder Schulter. Der Grund dafür liegt in der natürlichen Sozialpflege unter Pferden, bei der sie bevorzugt an dieser Stelle kraulen. Klopfen hingegen ist kein Verhalten, das Pferde untereinander zeigen, und wird daher weniger positiv wahrgenommen.
Das sanfte Kraulen am Widerrist stärkt darüber hinaus die Bindung zwischen Mensch und Pferd, sorgt für Entspannung und ist ein Zeichen von Freundschaft und Vertrauen – ähnlich wie unter Artgenossen in einer Herde.
Stresssignale erkennen
Was das Pferd am Ende wirklich als angenehm empfindet, ist höchst individuell, schließlich hat jedes Pferd seine eigenen Vorlieben. Anhand von Stresssignalen können Pferdebesitzer erkennen, ob eine Berührung dem Pferd missfällt. Anzeichen von Stress sind unter anderem:
Schnelle Atmung und erhöhte Herzfrequenz
Erhöhte Körperspannung
Eingeklemmter oder schlagender Schweif
aufgerissene Augen, geblähte Nüstern und hochgerissener Kopf
Stampfen, Steigen oder Fluchtreaktionen
Schnappen oder Treten
Angelegte Ohren
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Wie eine weitere Studie zeigt, verraten vor allem die Ohren eines Pferdes viel über seinen Gemütszustand. Seitlich hängende Ohren signalisieren Entspannung, während nach vorne gerichtete Ohren Aufmerksamkeit oder Interesse zeigen. Eng nach hinten gelegte Ohren sind ein deutliches Zeichen für Stress, Angst oder Aggression. Dabei gilt: Je enger die Ohren angelegt sind, desto intensiver ist die Emotion.