Verbraucherzentrale kritisiert Energiepreisbremse: „Vielfach ist das Gegenteil eingetreten“
VonKilian Bäuml
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Strom- und Gaspreisbremse sollten die Bevölkerung entlasten, doch das klappt offenbar nicht immer. Die Chefin der Verbraucherzentralen übt scharfe Kritik.
Kassel – In den vergangenen Jahren hatte die Bevölkerung gleich mit mehreren Krisen zu kämpfen. Die immer weiter steigenden Preise sind den meisten Menschen sicher gut im Gedächtnis geblieben. Direkt spürbar waren die höheren Preise besonders beim Einkaufen im Discounter und Supermarkt. Um die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten, beschloss die Regierung drei Entlastungspakete. Auch die staatlichen Energiepreisbremsen waren Teil davon, doch was bringen sie wirklich? Laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen oft nicht genug.
Kritik der Verbraucherzentrale an der Energiepreisbremse – Rückfragen landen in der Warteschleife
„Die Energiepreisbremsen sollen die Menschen unbürokratisch entlasten. Vielfach ist das Gegenteil eingetreten“, sagte Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV) der Funke Mediengruppe. Der VZBV fordert deshalb Verbesserungen in der praktischen Umsetzung. Über die Hälfte der unzufriedenen Kunden würden sich über zu hohe Abschläge der Energieversorger beklagen. Zahlreiche andere Nutzende seien schlecht informiert oder sie „landeten bei Rückfragen in Hotline-Warteschleifen“, kritisierte Pop weiter. Bereits im März, als die Energiepreisbremsen eingeführt wurde, stand die Frage im Raum, ob die Maßnahme noch zeitgemäß ist.
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Schon im Februar hatte die Verbraucherzentrale einen Aufruf gestartet, da sie wissen wollte, welche Probleme es bei der Umsetzung der Entlastungspakete gibt, die rückwirkend bereits zum 1. Januar in Kraft getreten sind. Innerhalb der folgenden drei Monate, bis zum 1. Juni, erhielt die Verbraucherzentrale fast 1350 Antworten. Hunderte weitere meldeten sich beim sogenannten Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentrale und berichteten über Probleme bei der Energiepreisbremse.
Verbraucherzentrale kritisiert Energiepreisbremse: „Das Gesetz nachbessern und eindeutiger formulieren“
Aus den eingegangenen Antworten leitet die Chefin der Verbraucherzentralen ab, die Bundesregierung müsse „das Gesetz nachbessern und eindeutiger formulieren, damit die gewünschte Entlastung bei allen Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt“. Durch die Strom- und Gaspreisbremse wird der Preis für den Großteil des Verbrauchs der privaten Haushalte gedeckelt. Der Strompreis ist auf 40 Cent pro Kilowattstunde, der Gaspreis auf 12 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. Mittlerweile werden jedoch auch wieder Verträge mit niedrigeren Tarifen angeboten. Die Angebote sind oft sogar unter der Energiepreisbremse, sodass diese wirkungslos ist.
Die Ergebnisse aus dem Aufruf der Verbraucherzentrale sagen jedoch nichts darüber aus, wie viele Personen insgesamt mit den Entlastungen zufrieden oder unzufrieden sind, da ausschließlich nach den Problemen der Hilfen gefragt wurde. (kiba/dpa)