Unzufrieden mit Entlastungen

Verbraucherzentrale kritisiert Energiepreisbremse: „Vielfach ist das Gegenteil eingetreten“

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Strom- und Gaspreisbremse sollten die Bevölkerung entlasten, doch das klappt offenbar nicht immer. Die Chefin der Verbraucherzentralen übt scharfe Kritik.

Kassel – In den vergangenen Jahren hatte die Bevölkerung gleich mit mehreren Krisen zu kämpfen. Die immer weiter steigenden Preise sind den meisten Menschen sicher gut im Gedächtnis geblieben. Direkt spürbar waren die höheren Preise besonders beim Einkaufen im Discounter und Supermarkt. Um die Bürgerinnen und Bürger zu entlasten, beschloss die Regierung drei Entlastungspakete. Auch die staatlichen Energiepreisbremsen waren Teil davon, doch was bringen sie wirklich? Laut dem Bundesverband der Verbraucherzentralen oft nicht genug.

Einfach und unbürokratisch sollten sie sein, doch laut der Verbraucherzentrale ist oft das Gegenteil der Fall – Die Energiepreisbremsen. (Symbolbild)

Kritik der Verbraucherzentrale an der Energiepreisbremse – Rückfragen landen in der Warteschleife

„Die Energiepreisbremsen sollen die Menschen unbürokratisch entlasten. Vielfach ist das Gegenteil eingetreten“, sagte Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV) der Funke Mediengruppe. Der VZBV fordert deshalb Verbesserungen in der praktischen Umsetzung. Über die Hälfte der unzufriedenen Kunden würden sich über zu hohe Abschläge der Energieversorger beklagen. Zahlreiche andere Nutzende seien schlecht informiert oder sie „landeten bei Rückfragen in Hotline-Warteschleifen“, kritisierte Pop weiter. Bereits im März, als die Energiepreisbremsen eingeführt wurde, stand die Frage im Raum, ob die Maßnahme noch zeitgemäß ist.

11 Mythen über das Energiesparen, auf die viele immer noch hereinfallen – Sie auch?

Strom verbraucht am meisten Energie im Haushalt? Falsch! Nur sechs Prozent beträgt der Stromverbrauch am Gesamtenergieverbrauch. Die Heizung dagegen macht stolze 75 Prozent aus.
Strom verbraucht am meisten Energie im Haushalt? Falsch! Nur sechs Prozent beträgt der Stromverbrauch am Gesamtenergieverbrauch. Die Heizung dagegen macht stolze 75 Prozent aus. © Fotostand/Imago
Der Backofen muss in der Regel nicht vorgeheizt werden, da er sich ohnehin schnell erwärmt. Lediglich bei empfindlichen Teigen, wie Pizza oder Soufflé, ist ein Vorheizen sinnvoll.
Der Backofen muss in der Regel nicht vorgeheizt werden, da er sich ohnehin schnell erwärmt. Lediglich bei empfindlichen Teigen, wie Pizza oder Soufflé, ist ein Vorheizen sinnvoll.  © Michael Bihlmayer/Imago
Bei der Mikrowelle kommt es laut GEO darauf an: Bei Gerichten bis zu einem halben Kilogramm lohnt es sich, diese in der Mikrowelle zu erhitzen. Bei größeren Speisen verbraucht die Erwärmung auf dem Herd weniger Energie.
Bei der Mikrowelle kommt es laut GEO darauf an: Bei Gerichten bis zu einem halben Kilogramm lohnt es sich, diese in der Mikrowelle zu erhitzen. Bei größeren Speisen verbraucht die Erwärmung auf dem Herd weniger Energie. © CHROMORANGE/Imago
Um das dreckige Geschirr nach dem Essen wieder sauber zu bekommen, ist der Geschirrspüler in der Regel die sparsamste Methode. Nur bei Single-Haushalten lohnt es sich, sein Geschirr per Hand zu spülen.
Um das dreckige Geschirr nach dem Essen wieder sauber zu bekommen, ist der Geschirrspüler in der Regel die sparsamste Methode. Nur bei Single-Haushalten lohnt es sich, sein Geschirr per Hand zu spülen. © Westend61/Imago
Ein Mann nimmt Wäsche aus der Waschmaschine heraus.
Das Kurzwaschprogramm der Waschmaschine verbraucht nicht weniger, sondern sogar mehr Strom als ein normaler Waschgang. Schließlich muss mehr Energie aufgebracht werden, um in kürzerer Zeit auf das Waschergebnis zu kommen.  © Shotshop/Imago
Wer einen Wärmepumpentrockner besitzt, kann seine Klamotten nach dem Waschgang getrost in den Trockner stecken. Im Vergleich zu früheren Kondensationstrocknern sparen diese 70 Prozent Energie – und sind schon lange keine Energiefresser mehr.
Wer einen Wärmepumpentrockner besitzt, kann seine Klamotten nach dem Waschgang getrost in den Trockner stecken. Im Vergleich zu früheren Kondensationstrocknern sparen diese 70 Prozent Energie – und sind schon lange keine Energiefresser mehr.  © YAY Images/Imago
Ein voller Kühlschrank verbraucht mehr Strom als ein leerer? Ebenfalls ein hartnäckiger Mythos, der sich immer noch hält. Je leerer der Innenraum ist, desto schneller entweicht sogar die gekühlte Luft, was wiederum den Energieverbrauch steigert.
Ein voller Kühlschrank verbraucht mehr Strom als ein leerer? Ebenfalls ein hartnäckiger Mythos, der sich immer noch hält. Je leerer der Innenraum ist, desto schneller entweicht sogar die gekühlte Luft, was wiederum den Energieverbrauch steigert. © Michael Gstettenbauer/Imago
Unterschätzt wird dagegen Eis im Gefrierschrank: eine dicke Eisschicht erhöht den Energieverbrauch laut Hersteller um bis zu 15 Prozent. Ab einem Zentimeter sollten Sie deshalb abtauen.
Unterschätzt wird dagegen Eis im Gefrierschrank: eine dicke Eisschicht erhöht den Energieverbrauch laut Hersteller um bis zu 15 Prozent. Ab einem Zentimeter sollten Sie deshalb abtauen. © CHROMORANGE/Imago
Altgeräte auszutauschen lohnt sich nicht, solange sie laufen? Ein Irrtum, der Sie bares Geld kostet. Alte Kühlschränke & Co. verbrauchen wesentlich mehr Energie als neue, weshalb ein Wechsel bereits nach zehn Jahren ratsam ist.
Altgeräte auszutauschen lohnt sich nicht, solange sie laufen? Ein Irrtum, der Sie bares Geld kostet. Alte Kühlschränke & Co. verbrauchen wesentlich mehr Energie als neue, weshalb ein Wechsel bereits nach zehn Jahren ratsam ist. © Gottfried Czepluch/Imago
Viele denken auch, dass Ladegeräte nur Strom ziehen, wenn sie am Handy angesteckt sind. Falsch! Deshalb immer den Stecker vom Netz nehmen, wenn Sie es nicht benötigen.
Viele denken auch, dass Ladegeräte nur Strom ziehen, wenn sie am Handy angesteckt sind. Falsch! Deshalb immer den Stecker vom Netz nehmen, wenn Sie es nicht benötigen. © MiS/Imago
Und auch unter der Dusche gilt: Wasser abdrehen, wenn Sie es nicht brauchen. Pro Minuten prasseln hier nämlich 15 Liter Wasser aus der Leitung. Duschen ist also nur dann sparsamer als ein Vollbad (100 Liter), wenn Sie weniger als sieben Minuten unter der laufenden Brause stehen.
Und auch unter der Dusche gilt: Wasser abdrehen, wenn Sie es nicht brauchen. Pro Minuten prasseln hier nämlich 15 Liter Wasser aus der Leitung. Duschen ist also nur dann sparsamer als ein Vollbad (100 Liter), wenn Sie weniger als sieben Minuten unter der laufenden Brause stehen. © Michael Bihlmayer/Imago

Schon im Februar hatte die Verbraucherzentrale einen Aufruf gestartet, da sie wissen wollte, welche Probleme es bei der Umsetzung der Entlastungspakete gibt, die rückwirkend bereits zum 1. Januar in Kraft getreten sind. Innerhalb der folgenden drei Monate, bis zum 1. Juni, erhielt die Verbraucherzentrale fast 1350 Antworten. Hunderte weitere meldeten sich beim sogenannten Frühwarnnetzwerk der Verbraucherzentrale und berichteten über Probleme bei der Energiepreisbremse.

Verbraucherzentrale kritisiert Energiepreisbremse: „Das Gesetz nachbessern und eindeutiger formulieren“

Aus den eingegangenen Antworten leitet die Chefin der Verbraucherzentralen ab, die Bundesregierung müsse „das Gesetz nachbessern und eindeutiger formulieren, damit die gewünschte Entlastung bei allen Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt“. Durch die Strom- und Gaspreisbremse wird der Preis für den Großteil des Verbrauchs der privaten Haushalte gedeckelt. Der Strompreis ist auf 40 Cent pro Kilowattstunde, der Gaspreis auf 12 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt. Mittlerweile werden jedoch auch wieder Verträge mit niedrigeren Tarifen angeboten. Die Angebote sind oft sogar unter der Energiepreisbremse, sodass diese wirkungslos ist.

Die Ergebnisse aus dem Aufruf der Verbraucherzentrale sagen jedoch nichts darüber aus, wie viele Personen insgesamt mit den Entlastungen zufrieden oder unzufrieden sind, da ausschließlich nach den Problemen der Hilfen gefragt wurde. (kiba/dpa)

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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