Gesundheitsrisiko im Alltag

Zahnseide im Test: Experten finden giftige Rückstände – alarmierende Ergebnisse auch bei dm-Eigenmarke

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz hat Zahnseidenprodukte auf chemische Substanzen untersucht. Zwei von sieben enthalten die kritischen Stoffe. Ein dm-Produkt bereitet Sorgen.

Kassel – Pfannen, Backpapier und Kosmetika gehören zum Alltag vieler Menschen. Was die Verbraucherprodukte noch gemeinsam haben: Bei ihrer Herstellung werden oft Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) eingesetzt. Die Ewigkeitschemikalien sind wasser-, fett- und schmutzabweisend. In der Industrie macht sie das besonders beliebt. Dabei stehen die Stoffe seit geraumer Zeit unter Verdacht, krebserregend zu sein. Deshalb sollte man zum Beispiel auch Backfolie nicht zu oft wiederverwenden.

Zahnseide im PFAS-Test: Fünf von sieben Produkten kommen ohne die Chemikalien aus

Der Bund für Natur und Umweltschutz (BUND) hat untersucht, wie es um Zahnseide bestellt ist. Schließlich kommt man bei der Anwendung direkt mit ihr in Kontakt. Sieben Angebote wurden im Labor auf 61 PFAS getestet. Immer wieder werden Mundpflege-Produkte unter die Lupe genommen, Öko-Test untersuchte sensitive Zahnpasta. Die gute Nachricht für die Verbraucher: Fünf Zahnseiden kommen ohne die bedenklichen Stoffe aus. Es handelt sich um folgende Produkte:

  • Rewe Today Dent: Zahnseide, gewachst
  • Rossmann Prokudent: Zahnseide, gewachst
  • Oral-B: Essential Floss, gewachst
  • Elmex: Zahnseide gewachst, mit Aminfluorid
  • Happybrush: Superclean Zahnseide, gewachst
Mit Zahnseide kommt man bei der Anwendung direkt in Berührung, Symbolfoto.

Gesundheitsschädliche PFAS in Budni-Produkt und dm-Eigenmarke

Zwei Produkte wiesen im Labor Überreste des PFAS-Polymers Polytetrafluorethylen (PTFE) auf. Die chemische Verbindung ist auch als „Teflon“ bekannt. Von PTFE selbst geht kein direktes Gesundheitsrisiko aus. Allerdings kann es Rückstände von giftigen PFAS enthalten. Betroffen waren zwei Eigenmarken beliebter Drogerieketten:

  • dm: Dontodent Zahnband, extra gleitfähig
  • Budni: Diadent Zahnband, extra gleitfähig

Die Drogeriemarktkette dm hat BUND-Aussagen zufolge bereits eine Umstellung der Produktion in Aussicht gestellt. Darüber hinaus fanden die Experten beim Budni-Produkt Rück­stände der PFAS-Verbindung Perfluoroctansäure (PFOA). Diese gilt als gesundheitsschädlich, weshalb ihr Einsatz in der Europäischen Union seit Juli 2020 verboten ist. Weil die Ewigkeitschemikalien auch bei Skiwachs zum Einsatz kommen, wurden große Mengen von PFAS in Skigebieten nachgewiesen.

Mögliche Folgen von PFAS: Weniger Antikörper, höhere Cholesterinwerte und Krebsgefahr

Gelangen PFAS erst einmal in die Natur, bleiben sie dort. Deshalb ist auch oft die Rede von Ewigkeitschemikalien. Sie sind sehr langlebig und können nicht auf natürlichem Wege abgebaut werden. Die organischen Verbindungen aus Kohlenstoffketten werden seit den späten 1940er-Jahren eingesetzt. Laut dem Bundesumweltministerium war die PFAS-Belastung im Jahr 1986 am höchsten. In den letzten Jahrzehnten haben sie wieder deutlich abgenommen.

In der Europäischen Union gibt es Überlegungen, die Ewigkeitschemikalien zu verbieten. Die Folgen für Mensch und Natur sind weiterhin nicht abschließend geklärt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung zählt erhöhte Cholesterinwerte und eine verminderte Antikörper-Bildung nach Impfungen zu den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen. Bei Tierversuchen wirkten PFAS in hohen Dosierungen krebserregend. Wie hoch das Risiko beim Menschen ist, untersucht derzeit die Weltgesundheitsorganisation.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/Yuri Arcurs peopleimages.com

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