Veränderungen ernst nehmen

Zungenkrebs: Welche Symptome Sie zum Arzt führen sollten und wie Sie Ihr Risiko enorm senken

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Knubbel an der Zunge? Beschwerden im Mundraum sind meist harmlos. Sie können aber schwere Krankheiten anzeigen. Wann Sie handeln sollten, erfahren Sie im Text.

Brust, Prostata, Gehirn und Herz: Bösartige Tumore können sich in jedem Teil des Körpers bilden. Wird eine Krebserkrankung frühzeitig erkannt, steigen die Überlebenschancen immens. Denn schreitet das Tumorwachstum ungehindert fort, bilden sich in der Regel Metastasen. Dabei handelt es sich um Tochtergeschwulste oder Krebsabsiedlungen eines bösartigen Tumors, die in die Lymphknoten oder in andere Organe gelangt sind. Hat der Krebs auf diese Weise im Körper gestreut, erschwert das die Therapie.

Auch Zungenkrebs zählt zu den potenziell tödlichen Krebsarten. Ein gesunder Lebensstil, Früherkennungsuntersuchungen und der Gang in die Arztpraxis bei Beschwerden sind die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Zungenkrebs.

Inhalt

Was ist Zungenkrebs und wie häufig kommt die Erkrankung vor?

Viele bösartige Tumore im Mundraum werden während zahnärztlicher Untersuchungen entdeckt.

Tumore der Zunge (Zungenkarzinome) kommen eher selten vor. Die bösartigen Zellwucherungen aus der Gruppe der Kopf-Hals-Tumore bilden sich meist am hinteren Drittel der Zunge, seltener im vorderen Zungenbereich. Auch die Unterseite der Zunge ist eher seltener befallen.

Im Krebsregister des Robert Koch-Instituts (RKI) ist ersichtlich, wie häufig Krebs in Mundhöhle und Rachen entsteht. Die aktuellsten Daten des Krebsregisters zeigen, dass im Jahr 2019 rund 4.500 Frauen und knapp 9.600 Männer von Tumoren in Mundhöhle und Rachen betroffen waren. Dazu zählen bösartige Wucherungen im Bereich der Zunge, des Mundrachens, der Mundhöhle und der Lippen.

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Welche Arten von Zungenkrebs gibt es?

Diagnostiziert ein Mediziner oder eine Medizinerin einen bösartigen Tumor im Kopf- und Halsbereich, handelt es sich meist um Plattenepithelkarzinome. Diese Krebsart entwickelt sich in den Zellen des Plattenepithels der Haut. Kennzeichnend sind hier schuppige und feste Wucherungen der Haut, die nicht abheilen.

Was ist ein Plattenepithel-Karzinom?

Bei dieser Art von Krebs geht der Tumor von der obersten Schicht der Schleimhaut aus.

Je nach Region, in welcher sich der Zungenkrebs bildet, sprechen Mediziner und Medizinerinnen von:

  • Zungenrandkarzinom,
  • Karzinom an der Zungenspitze,
  • Zungengrundkarzinom oder
  • Karzinom am Zungenrücken.

Zungenkrebs: Welche Symptome möglich sind

Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen zeigt der Körper auch bei Zungenkrebs häufig lange Zeit keine Symptome. Meist entwickeln sich erst im Verlauf der Krankheit Beschwerden. Unter anderem folgende Symptome können ein Hinweis auf krankhafte Veränderungen der Zunge sein:

  • Fremdkörpergefühl im Mund oder Rachen
  • Schluckbeschwerden
  • Brennendes Gefühl an der Zunge oder im Mundraum
  • Weißliche oder rötliche Flecken an der Zunge, die sich nicht abwischen lassen (Krebsvorstufen, die auch als Leukoplakie bezeichnet werden)
  • Knubbelartige Erhebungen auf der Zunge
  • Verstärkter Speichelfluss
  • Probleme beim Sprechen
  • Blutungen an der Unterseite der Zunge
  • Wunden an der Zunge, die nicht heilen
  • Halsschmerzen und gleichzeitiges Fehlen anderer Symptome, die auf einen viralen oder bakteriellen Infekt hindeuten
  • Vergrößerte Lymphknoten am Hals und am Unterkiefer

Zungen-Papillome sind meist gutartige Tumore

Zeigen sich Knubbel auf der Zunge hinten? Wenn sich derartige Veränderungen im Mund bilden, kann das auf ein Zungen-Papillom hindeuten. Dabei handelt es sich um einen Weichgewebetumor, der meist gutartig ist. Er entsteht durch eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV). Ein Papillom der Zunge zeigt sich häufig als blumenkohlartige, rund zehn Millimeter große Wucherung der Schleimhaut. Papillome können weiß sein, oft grenzen sie sich farblich allerdings nicht vom umliegenden Gewebe ab.

Krebserregende Viren: Diese Erreger können Krebs auslösen

Herpesvirus
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) zählt zur Gruppe der Herpesviren. Dem Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) zufolge gilt als sicher, dass eine Infektion mit EBV zur Entstehung von B-Zell-Lymphomen beitragen kann, einer bösartigen Erkrankung von B-Lymphozyten. Mit Lymphom werden in der Medizin bösartige Tumoren des lymphatischen Systems bezeichnet. In Tumoren von T-Lymphozyten (T-Zell-Lymphome) konnte das Epstein-Barr-Virus ebenfalls nachgewiesen werden, so das dkfz. © Imago
Das Magenbakterium Helicobacter pylori
Das Magenbakterium Helicobacter pylori soll das Risiko in sich bergen, Magenkrebs zu fördern. Das Pikante daran: Etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung trägt es bereits in sich. Helicobacter soll Magengeschwüre begünstigen, welche sich dann zu Krebs ausweiten können. Allerdings ist eine Behandlung in den meisten Fällen mit einer Kombination aus Antibiotika und Magensäureblockern äußerst erfolgreich. © dpa
HIV: Eine Frau hat sich eine rote Schleife angeheftet
Die rote Schleife soll das Thema Aids und HIV in die Mitte der Gesellschaft rücken. Eine Infektion mit sogenannten HI-Viren (humane Immundefizienzviren) kann die Krankheit Aids auslösen. Menschen mit Aids sind häufiger von Krebs betroffen, vermutlich aufgrund ihres geschwächten Immunsystems, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert.  © Oliver Berg/dpa
Impfausweis
Hepatitis B fördert Leberentzündungen. Auch diese können sich zu Leberkrebs weiterentwickeln. Allerdings können Sie sich gegen diesen Hepatitis-Typ beim Hausarzt impfen lassen. © Martin Wagner/Imago
Hepatitis C Viren
Gegen Hepatitis-C-Viren gibt es unglücklicherweise (noch) keinen Impfstoff. Die aggressiven Erreger zählen zu den häufigsten Ursachen für Leberkrebs. Wie das Deutsche Krebsforschungszentrum informiert, werden Hepatitis-C-Viren inzwischen aber auch mit weiteren Tumorarten in Zusammenhang gebracht: Auch Krebs der Gallenwege sowie das Multiple Myelom könnten durch eine Infektion begünstigt werden, heißt es.  © CAVALLINI JAMES/Imago
HPV (Humane Papillomviren)
Humane Papillomviren (HPV) sind meist ungefährlich - doch es gibt Arten, die krebserregend wirken und Gebärmutterhalskrebs auslösen sollen. Zudem stehen sie im Verdacht, Anal- oder Peniskrebs zu begünstigen. Allerdings gibt es auch hier eine sehr effektive Schutzimpfung, die gegen alle HPV-Typen helfen soll. © CAVALLINI JAMES/Imago

Alter bis E-Zigarette: mögliche Ursachen von Zungenkrebs

Zwar können auch genetische Faktoren das Zungenkrebs-Risiko erhöhen. Meist führen Ärzte und Ärztinnen die Entstehung von Zungenkrebs allerdings auf übermäßigen Alkoholkonsum oder exzessives Rauchen zurück. Ein Überblick über mögliche Ursachen:

  • Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Genetische Veranlagung
  • Schlechte Mundhygiene
  • HPV-Infektion
  • Chronische Entzündungen im Mundraum

Prognose: Heilungschancen und Lebenserwartung bei Zungenkrebs

Dem Zentrum für Krebsregisterdaten zufolge sind im Jahr 2019 5.367 Menschen an einem Tumor in Mundhöhle und Rachen verstorben. Insgesamt erkrankt waren rund 14.100 Personen. Die 5-Jahres-Überlebensrate betrug bei Frauen 62 Prozent, bei Männern 52 Prozent, wie aus den Daten hervorgeht. Die 10-Jahres-Überlebensrate betrug 51 Prozent bei Frauen und 40 Prozent für Männer.

Detaillierte Zahlen zum Zungenkrebs liegen zwar nicht vor, allerdings gilt hier wie bei den meisten anderen Krebserkrankungen: Frühzeitig erkannt, steigen die Chancen auf Heilung immens. Im Fall einer erfolgreichen Behandlung müssen Betroffene nicht mit einer verkürzten Lebenserwartung rechnen.

Wie Zungenkrebs diagnostiziert wird

Häufig wird Zungenkrebs im Rahmen einer zahnärztlichen Untersuchung festgestellt. Um die Diagnose zu festigen, wird der behandelnde Allgemeinarzt den Mundraum gründlich untersuchen und gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen. Eine Gewebeprobe bringt erste wichtige Hinweise. Häufig wird außerdem eine endoskopische Untersuchung durchgeführt, die einen Einblick in die tieferen Abschnitte der oberen Atemwege gewährt. Gilt die Diagnose „Zungenkrebs“ als gesichert, können bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Computertomografie zum Einsatz kommen, um zu überprüfen, ob der Tumor im Körper gestreut hat.

OP bis Bestrahlung: Die Therapie von Zungenkrebs

Die Zungenkrebs-Therapie hängt stark vom Schweregrad der Krankheit ab. In frühen Stadien reicht oftmals das operative Entfernen des betroffenen Gewebes. Strahlentherapie und/oder Chemotherapie kommt zum Einsatz, wenn der Krebs ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat. Auch Krebsmedikamente können Wirkung zeigen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Zungenkrebs

Wie sieht Zungenkrebs aus?

Je nach Stadium der Erkrankung unterscheidet sich das Aussehen eines Zungenkarzinoms. Im Anfangsstadium kann es sich um eine leicht erhabene, weißliche Verfärbung an der Zunge handeln. Im Verlauf können sich größere und offene Wunden bilden, die nicht abheilen.

Ist Zungenkrebs heilbar?

Frühzeitig erkannt und richtig therapiert, sind die Heilungschancen gut.

Wie entsteht Zungenkrebs?

Zungenkrebs entsteht häufig als Folge von häufigem Alkoholkonsum. Auch Raucher sind weitaus häufiger betroffen als Nichtraucher.

Wie schnell wächst Zungenkrebs?

Meist handelt es sich bei Zungenkrebs um ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom. Dieses wächst über Monate oder Jahre. Insgesamt vergrößert es sich aber deutlich schneller als etwa ein Basalzellkarzinom.

Ist Zungenkrebs ansteckend?

Nein, Tumorzellen verhalten sich nicht wie Krankheitserreger. Sie sind nicht infektiös, wie der Krebsinformationsdienst informiert.

Quellen:

https://www.usz.ch/krankheit/metastasen/

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/krebs/hals-nasen-ohren/zungenkrebs.html

https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Mundhoehle_Rachenkrebs/mundhoehle_rachen_node.html

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/andere-krebsarten/kopf-hals-tumoren/definition-und-haeufigkeit.html

https://www.ukaachen.de/kliniken-institute/klinik-fuer-dermatologie-und-allergologie-hautklinik/klinik/operative-dermatologie/plattenepithelkarzinom-der-haut/

https://mhh-publikationsserver.gbv.de/servlets/MCRFileNodeServlet/mhh_derivate_00001054/diss-rublack_a.pdf

https://elearning.medizin.unibe.ch/dentosurf/zahnmedizin/stomatologie/benigne-laesionen/papillom-8

https://www.uniklinik-duesseldorf.de/patienten-besucher/klinikeninstitutezentren/klinik-fuer-mund-kiefer-und-plastische-gesichtschirurgie/behandlungsspektrum/mundhoehlenkarzinom

https://www.muenchen-klinik.de/krankenhaus/schwabing/hals-nasen-ohren/therapie-operation/rachenkrebs-zungenkrebs-kehlkopfkrebs

https://radio-strahlentherapie.de/hauttumore/plattenepithelkarzinom/

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

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