Handgepäck im Fokus

„Airport Tray Aesthetic“ sorgt am Flughafen für Unmut: Das hat es mit dem TikTok-Trend auf sich

Bei der Handgepäckskontrolle am Flughafen geht es sehr hektisch zu. Ein Social-Media-Trend führt zu zusätzlichem Stillstand an den Schleusen.

Der Flughafen: ein Ort, der für viele Menschen mit Stress, Hektik und langen Wartezeiten verbunden ist. Vor allem bei der Sicherheitskontrolle geht es oft drunter und drüber. Zu Stoßzeiten rückt die Schlange nur im Schneckentempo voran. Die meisten Passagiere sind gedanklich schon am Gate und werfen ihre Gegenstände achtlos in die Sicherheitswannen. Doch ein Social-Media-Trend nutzt den hektischen Moment am Flughafen für sorgfältig inszenierte Fotos. Das steckt hinter der sogenannten „Airport Tray Aesthetic“.

Vor der Sicherheitsschleuse müssen Tablet, Laptop und oft auch Schuhe in eine Plastikwanne.

Ästhetisch arrangiertes Handgepäck: Neuer Trend erobert die sozialen Medien

Egal ob Instagram oder TikTok: Die sozialen Medien machen immer wieder mit ungewöhnlichen Trends auf sich aufmerksam. Kürzlich wurde die sogenannte „Airport Tray Aesthetic“ gehypt. Auf Deutsch übersetzt heißt das so viel wie „Sicherheitswannen-Ästhetik“. Flugpassagiere nehmen sich die Zeit, um ihre persönlichen Gegenstände stillvoll in den Boxen zu drapieren. Das ganze wird fotografiert und auf Social Media geteilt.

Das Ergebnis gleicht einem akribisch konzipiertem Stillleben. Zu sehen sind meist farblich aufeinander abgestimmte Accessoires, Schuhe, Kopfhörer, Fotoapparate, Flugticket, Reisepass und sogar Bücher. Bei weiblichen Usern liegen zusätzlich Make-up und Parfüm in der Wanne. Auffällig oft handelt es sich um teure und exklusive Markenartikel.

Die Grafikdesignerin Piper Taich gehört zu den TikTik-Usern, die sich dem „Airport Tray Aesthetic“-Trend angeschlossen haben. In einem Beitrag zeigt sie vier verschieden gefüllte Sicherheitswannen. Der Inhalt erinnert an sorgfältig konzipierte Outfits. Gegenüber der Zeitung The Guardian sagt Taich, dass es bei dem Trend darum gehe, „sich selbst auszudrücken und Spaß zu haben“. Ihr Video wurde mittlerweile schon über 74.000 Mal angeklickt.

„Airport Tray Aesthetic“ geht auf TikTok viral

Doch die Designerin ist nur eine von vielen: Laut der Zeitung New York Post wurden bis Ende August über 16 Millionen TikTok-Posts zu dem Thema geteilt. Mittlerweile sind auch Marken auf den Zug aufgesprungen. Der britische Verlag Faber & Faber warb auf Instagram mit entsprechenden Bildern für seine Bücher. Auch die Taschenmarke August Noa nutzte die „Airport Tray Aesthetic“ für Eigenwerbung.

Doch wieso ist der Social-Media-Trend eigentlich so erfolgreich? Laut der Trendanalystin J‘Nae Philips stellt er „die neueste Form des digitalen Flexen“ dar. Das Phänomen sei eine „Weiterentwicklung von #foodstagram und ästhetisch ansprechenden Foodie-Bildern“. Auf diese Weise könnten Nutzer „einen bestimmten Lebensstil“ nach außen kommunizieren. Die „Airport Tray Aesthetic“ kombiniere den Nervenkitzel des Reisens mit auffälligem Konsum und sei daher sehr ansprechend.

Wahr oder falsch? Die zehn größten Mythen rund ums Fliegen

Tomatensaft in Plastikbecher im Flugzeug
Mythos 1: Tomatensaft schmeckt im Flugzeug besser. Aufklärung: Tatsächlich haben Forscher am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen nachgewiesen, dass Tomatensaft im Flugzeug anders schmeckt. Aufgrund des Luftdrucks und der niedrigen Luftfeuchtigkeit kommt demzufolge das fruchtige Aroma und die Süße des Tomatensafts besser hervor. © Depositphotos/Imago
Toilettensymbol im Flugzeug
Mythos 2: Flugzeugklos werden in der Luft entleert. Aufklärung: Die Vorstellung, am Boden unbedarft seinen Erledigungen nachzugehen und plötzlich vom Inhalt einer Flugzeugtoilette getroffen zu werden, scheint viele Menschen zu beschäftigen. So sehr zumindest, dass der Mythos besteht, Flugzeuge würden ihre Klos über den Wolken entleeren. Das ist jedoch völliger Humbug. Die Fäkalien kommen an Bord in einen geschlossenen Behälter und werden nach der Landung entsorgt. © Pond5 Images/Imago
Frau tippt im Flugzeug auf Handy
Mythos 3: Handys sind für den Flugverkehr gefährlich. Aufklärung: Vor jedem Abflug werden Passagiere per Durchsage aufgefordert, ihre elektronischen Geräte auszuschalten oder den Flugmodus zu aktivieren. Das liegt aber nicht daran, dass Smartphones und Co. für Störungen der Bordelektronik sorgen – dazu ist die Technik mittlerweile viel zu ausgereift. Viel eher ist es möglich, dass die Geräte für leichte Störsignale auf den Kopfhörern der Piloten sorgen. Würde aber ein wirkliches Sicherheitsproblem von Handys ausgehen, würden die Geräte vor jedem Flug eingesammelt werden, wie der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg einst gegenüber dem Nachrichtenportal Welt erklärte. Für einen Absturz kann die Nutzung eines Smartphones an Bord nicht sorgen. © Maria Maar/Imago
Pilot und Co-Pilot im Cockpit
Mythos 4: Pilot und Co-Pilot dürfen an Bord nicht dasselbe essen. Aufklärung: In der Tat dürfen Pilot und Co-Pilot während eines Fluges nicht dieselbe Mahlzeit zu sich nehmen. Sollte nämlich ein Gericht verdorben sein, wäre noch einer übrig, um das Flugzeug zu steuern. „Keine andere Krankheit kann eine ganze Crew so schnell lahmlegen, wie eine Lebensmittelvergiftung”, bestätigte vor einiger Zeit ein Linienpilot laut dem Branchenportal Aerotelegraph. Daher dürften Piloten auch während des Aufenthalts am Reiseziel nicht dasselbe Gericht essen. © Panthermedia/Imago
Ein Glas mit Rotwein im Flugzeug
Mythos 5: Im Flugzeug wird man schneller betrunken. Aufklärung: Fehlanzeige. Der Höhenunterschied hat keinen Einfluss auf den Blutalkoholspiegel, welcher maßgeblich für den Rausch ist. Lediglich der etwas niedrigere Sauerstoffgehalt im Flugzeug könnte dafür sorgen, dass Passagiere sich schneller beschwipst fühlen. © Depositphotos/Imago
Flugzeug startet auf dem Konrad Adenauer Flughafen Köln-Bonn bei düsterem und wolkigem Himmel.
Mythos 6: Blitzeinschläge in das Flugzeug sind gefährlich. Aufklärung: Es ist gar nicht mal so selten, dass ein Flugzeug vom Blitz getroffen wird – im Schnitt circa einmal im Jahr, wie Luftfahrtexperte Cord Schellenberg im NDR Fernsehen berichtete. Dass die Maschine dadurch abstürzt, ist aber “äußerst selten und unwahrscheinlich”, erklärt das Luftfahrtbundesamt (LBA) laut dem Online-Portal Reisereporter. Flugzeuge sind nämlich dank ihrer Umhüllung sogenannte Faradaysche Käfige – genauso wie Autos. Der Blitz kann somit nicht ins Flugzeug eindringen und dort Schaden anrichten. Es kann jedoch passieren, dass die Systeme so beschädigt werden, dass ein Weiterflug nicht mehr möglich ist. Dann muss die Maschine umkehren oder zwischenlanden. In der Regel sind Piloten aber vor Unwettern gewarnt und umfliegen diese. © Eibner/Imago
Flugzeugtriebwerk
Mythos 7: Das Flugzeug stürzt ab, wenn ein Triebwerk ausfällt. Aufklärung: Diese Vorstellung ist wahrlich beängstigend: Eines der beiden Triebwerke erleidet nach dem Start einen Schaden – zum Beispiel durch Vogelschlag – und fällt plötzlich aus. Bedeutet das, dass es jetzt zum Flugzeugabsturz kommt? Die beruhigende Nachricht: Nein. Eine Maschine kann auch nur mit einem Triebwerk ohne Probleme fliegen. Das bestätigte Prof. Andreas Strohmayer vom Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart vor einiger Zeit laut Travelbook: „Der Ausfall eines Triebwerks ist mehr oder weniger harmlos.” Moderne Triebwerke sind nämlich so leistungsfähig, dass das verbliebene Triebwerk genug Schubkraft für die gesamte Maschine liefert, wie auch ein Linienpilot laut Aerotelegraph informiert.  © Panthermedia/Imago
Mann hält Hand einer ängstlichen Frau im Flugzeug.
Mythos 8: Turbulenzen können für einen Flugzeugabsturz sorgen. Aufklärung: Bei Turbulenzen werden Passagiere schon mal ziemlich durchgerüttelt, die Luftverwirbelungen sind aber in der Regel nicht gefährlich für die Maschine. „Moderne Flugzeuge können weitaus stärkeren Kräften widerstehen, als durch Turbulenzen entstehen können“, informiert ein Sprecher des Luftfahrtbundesamtes (LBA) laut dem Online-Portal Reisereporter. Gefährlich wird es für Fluggäste nur dann, wenn sie nicht angeschnallt sind. In diesem Fall können sie im Flugzeug herumgeschleudert werden und sich verletzen. Auch Gegenstände, die nicht gut verstaut sind, können ein Risiko darstellen. © Pond5 Images/Imago
Gepäckfächer im Flugzeug mit Nummerierung der Reihen – ohne Reihe 13
Mythos 9: Es gibt keine Sitzreihe 13 in vielen Flugzeugen. Aufklärung: Tatsächlich fehlt in manchen Flugzeugen die Sitzreihe mit der Nummer 13. Das bestätigte zum Beispiel vor Jahren ein Pressesprecher der Lufthansa gegenüber dem Nachrichtenportal Südkurier in Bezug auf die deutsche Airline. Grund sei der Aberglaube einiger Kunden. „Wir wollen unsere Gäste einfach nicht weiter stressen, was das angeht”, heißt es. Aus diesem Grund fehle bei den Flugzeugen auch die Reihe 17, weil diese Zahl in Italien und Brasilien mit Unglück in Verbindung gebracht wird. © blickwinkel/Imago
Flugzeug mit Fenstern und Notfallausgängen von außen
Mythos 10: Die Flugzeugtür kann während des Fluges geöffnet werden. Aufklärung: Manchmal ist von Vorfällen zu hören, bei denen Passagiere versucht haben, die Flugzeugtür während des Fluges zu öffnen. Darüber müssen sich Reisende jedoch keine Sorgen machen, wie der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt vor einiger Zeit laut dem Online-Portal Travelbook erklärte. Grund sei das extreme Druckgefälle innerhalb und außerhalb der Kabine. „Durch den heftigen Überdruck wird die Tür mit tonnenschwerer Kraft in ihre Öffnung gepresst – die kann ein Mensch nicht einfach öffnen.” © Depositphotos/Imago

Kritik: Behindert neuer Social­-Media-Trend die Sicherheitskontrolle am Flughafen?

Der Hype hat jedoch eine Kehrseite. An der Sicherheitskontrolle geht es sowieso sehr hektisch zu. Wer Ewigkeiten damit verbringt, ein möglichst stilvolles Bild seines Handgepäcks zu machen, hält die anderen Flugpassagiere unnötig auf. Im schlimmsten Falle ist man sogar dafür verantwortlich, dass jemand seinen Flug verpasst.

Der Betreiber des Flughafen Frankfurt sieht den TikTok-Trend äußerst kritisch. Das brauche an diesem geschäftigen Nadelöhr keiner. Bei den Kontrollen gehe es um die Sicherheit der Fluggäste und nicht um „eine fancy Sache“, so ein Fraport-Sprecher laut dpa. Die Wannen sollten nach der Benutzung schnell zurückgegeben werden, damit andere Passagiere sie verwenden können. Wer Fotos von den Boxen mache, müsse damit rechnen, vom Sicherheitspersonal angesprochen zu werden. Am Frankfurter Flughafen scheint der Trend aber noch nicht angekommen zu sein. „Das ist uns bislang gänzlich unbekannt“, fügte der Sprecher hinzu.

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Influencer kaufen sich die Sicherheitswannen selbst

Um andere Passagiere nicht zu verärgern, machen viele TikToker ihre Fotos erst nach der Sicherheitsschleuse. „Ich nehme die Wanne mit und lege meine Sachen in der Nähe der Bänke ab, wo die Leute ihre Schuhe wieder anziehen“, erzählt die New Yorker Influencerin Chelsea Henriquez gegenüber der New York Post. Auf diese Weise stehe sie niemandem im Weg.

Andere haben eine alternative Lösung gefunden und sich eine graue Plastikwanne nach Hause bestellt. So auch Youtuberin Alyssa Lenore. „Ich möchte nicht in einer Situation mit Menschen sein – vor allem nicht in einer Schlange, [wo] die Intensität bereits hoch ist, einige Leute sind spät dran – und ich möchte einfach ein gutes Foto machen. Also mache ich es zu Hause.“

Rubriklistenbild: © IMAGO

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