Maßnahmen gegen den Massentourismus: Capri will Besucherzahlen halbieren
VonFranziska Kaindl
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Die pittoreske Insel Capri ist jährlich das Ziel von Millionen von Reisenden. Jetzt sind jedoch Maßnahmen geplant, um den Tourismus besser zu steuern.
Die malerische Mittelmeerinsel Capri, bekannt für ihre atemberaubenden Landschaften und das kristallklare Wasser, sieht sich zunehmend mit den Herausforderungen des Massentourismus konfrontiert. Mit weniger als 15.000 ständigen Einwohnern begrüßte die Insel laut der Nachrichtenagentur dpa im vergangenen Jahr über 2,7 Millionen Besucher. Besonders in der Hauptsaison sind die Fähren, die im Zehn-Minuten-Takt vom Festland aus starten, überfüllt. Und selbst am vergangenen Herbst-Wochenende (19. und 20. Oktober) landeten mehr als 30.000 Touristen auf der Insel, heißt es in dem Bericht. Diese Situation führt zu erheblichen Belastungen für die Infrastruktur und die lokale Bevölkerung.
Capri will Anzahl der Touristen auf der Insel reduzieren
Um dem Ansturm nun endlich entgegenzuwirken, plant Capris Bürgermeister Paolo Falco, die Frequenz der Fähren vom italienischen Festland zu reduzieren. Ein Vorschlag sieht vor, die Ankünfte auf einen 20-minütigen Abstand zu erhöhen, um Staus im Hafen zu vermeiden. Noch ist unklar, ob die seit 1990 bestehende Regelung tatsächlich geändert wird, aber die Diskussionen sind in vollem Gange.
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Zur Veranschaulichung der Situation hat Falco auch eine Studie bei Antonio Preiti, einem Professor an der Universität Florenz, in Auftrag gegeben. Diese offenbart laut der italienischen Zeitung Corriere del Mezzogiorno, dass die Zahl der Ankünfte auf der Insel in den vergangenen Jahren um 24 Prozent gestiegen sind – genauer gesagt, von 2,06 Millionen im Jahr 2023 auf 2,7 Millionen im Jahr 2023. Außerdem läge Capri mit einer Touristendichte von 1.200 Personen pro Quadratkilometer in der Hochsaison weit über dem Schwellenwert von 1.000.
Besonders die Tagesausflügler machen Capri als Urlaubsziel immer mehr zu schaffen. 2014 lag ihre Zahl noch bei knapp 1,6 Millionen, im vergangenen Jahr waren es schon über 2 Millionen. 91 Prozent der Gesamtbesucherzahl seien demnach Tagestouristen, die nach einem kurzen Besuch wieder verschwinden.
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Im Rahmen eines Treffens, bei dem Vertreter einiger stark überlaufener Tourismusorte in Italien zugegen waren, forderte Falco ein neues Gesetz, das den Kommunen mehr Freiraum bei der Steuerung der Besucherströme gibt. „Wir müssen die Touristenströme besser regeln, damit die Besucher die Schönheit unserer Insel in vollen Zügen genießen können“, so Capris Bürgermeister laut der österreichischen Presseagentur APA.
Zustimmung erhielt er dort im Übrigen von Venedigs Bürgermeister, Luigi Brugnaro. In der Lagunenstadt testete man erst in diesem Jahr eine Eintrittsgebühr für Tagestouristen, um die Besuchermassen besser lenken zu können.