Reservierungspflicht: Viele Sehenswürdigkeiten Spaniens nur noch mit Voranmeldung
VonFranziska Kaindl
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Der Massentourismus zwingt Spanien zur Reservierungspflicht für Attraktionen. Das erschwert spontane Urlaubsfreuden.
Spanien verzeichnete 2024 mit knapp 94 Millionen internationalen Gästen einen neuen Tourismusrekord, wie aus Angaben der Statistikbehörde INE hervorgeht. Damit hat die Reisebranche der spanischen Wirtschaft zu einem Wachstum von mehr als drei Prozent verholfen – und das bei einem EU-Durchschnitt von 0,9 Prozent. Im Jahr 2025 könnten sich die Besucherzahlen Prognosen zufolge sogar der 100 Millionen Marke nähern. Diese Entwicklung bringt aber nicht nur Vorteile mit sich. Nicht nur, dass immer mehr Einheimische sich über die steigenden Lebenshaltungskosten und die zunehmende Wohnungsnot – verstärkt durch touristische Kurzzeitvermietungen – beklagen.
Die schiere Zahl an Touristen setzt die Infrastruktur und Naturressourcen des Landes unter erheblichen Druck. Vielerorts sehen sich die Verantwortlichen beliebter Attraktionen gezwungen, strikte Besucherlimits und Zeit-Slots für Urlauber einzuführen, um die Menschenmassen zu bewältigen – und die bedeutenden (Natur)-Denkmäler des Landes zu schützen.
Spanische Sehenswürdigkeiten kaum noch ohne Zugangsbeschränkungen
Diese Praxis zwingt Urlauber, ihre Reise im Voraus minutiös zu planen. Die spontane Entscheidung, eine Sehenswürdigkeit zu besuchen, wird zunehmend unmöglich. Ein Beispiel hierfür ist die Alhambra in Granada. Die Tickets sind teilweise schon Monate im Voraus ausgebucht – wer spontan erscheint, geht dann mit leeren Händen aus. Auch die Sagrada Família in Barcelona kann nur im Rahmen von Zeit-Slots besucht werden. Besucher werden darauf hingewiesen, unbedingt pünktlich zu erscheinen, um ihren Einlass zu garantieren.
Besondere Aufmerksamkeit hat in den vergangenen Jahren auch die alte Seefahrerkapelle San Juan de Gaztelugatxe im Baskenland erhalten. Sie befindet sich auf einer felsigen Insel und ist über eine Steinwallbrücke mit dem Festland verbunden – diese erlangte internationale Bekanntheit als Drehort der HBO-Serie „Game of Thrones“. Seither sind die Besucherzahlen drastisch angestiegen. Mittlerweile ist der Zutritt nur noch mit einem Ticket erlaubt – immerhin kostenlos.
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Es können noch weitere Attraktionen aufgezählt werden, die schon lange nicht mehr einfach spontan aufgesucht werden können. Der Teide-Gipfel auf Teneriffa ist ein Paradebeispiel: Hier sind die Kontingente auf vier Zeitfenster pro Tag beschränkt, und viele Besucher finden sich ohne Chance auf einen Aufstieg wieder, wenn sie nicht rechtzeitig buchen.
Vor dem mittelalterlichen Königspalast Real Alcázar in Sevilla – übrigens auch Schauplatz in der Serie „Game of Thrones“ – bilden sich gerade in der Hochsaison meterlange Schlangen. Wer nicht stundenlang, vielleicht umsonst, warten möchte, muss im Voraus ein Ticket buchen. Eine Reservierung, am besten Wochen zuvor, ist auch für den Caminito del Rey empfehlenswert, einem spektakulären Wanderweg in der Nähe von Málaga. Eine Buchung vor Ort ist nicht möglich, der Zutritt muss online erworben werden.
Und hier tut sich die nächste Hürde für Urlauber auf. Die offziellen Buchungswebseiten für die spanischen Attraktionen sind oft gar nicht so leicht zu finden. Hinzu kommen sprachliche Hürden, da die Portale oft nur auf Spanisch, vielleicht noch auf Englisch, Informationen bieten. Zusätzlich müssen zahlreiche persönliche Daten preisgegeben werden, um Zugang zu erhalten. Das betrifft nicht nur den Namen, sondern auch Ausweisnummern, Wohnsitz und Kontaktinformationen.
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Angesichts der aktuellen Prognose, dass die Touristenzahlen in Spanien 2025 wohl noch weiter steigen werden, ist zu erwarten, dass noch mehr Sehenswürdigkeiten in Zukunft Reservierungen erfordern. Die Begrenzung der Besucherzahlen an sich zwar ist eine sinnvolle Maßnahme zum Schutz des kulturellen Erbes – sie macht es Spanien-Urlaubern allerdings schwer, ihren Aufenhalt spontan zu planen. Stattdessen wird es immer wichtiger, sich rechtzeitig über die Zugänglichkeit von Sehenswürdigkeiten zu informieren, um vor Ort nicht enttäuscht zu werden.