„Touristen, geht heim“: Vandalismus auf Stein mit Dinosaurierabdrücken
VonFranziska Kaindl
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Ein Stein im Naturpark Drei Zinnen, geprägt von Dinosaurierspuren, wurde mit dem Schriftzug „Touristen, geht heim“ beschmiert. Die Entdeckung erregt Aufsehen.
Nicht überall sind Touristen gerne gesehen, das ist in diesem Jahr deutlich geworden: Auf den Kanaren und auf Mallorca kam es zu Protesten durch die Einheimischen, die sich gegen die unkontrollierten Besuchermassen wehren wollten. Von den Einnahmen des Tourismus komme bei der Bevölkerung nur wenig an, lautete ein Kritikpunkt, außerdem gäbe es zunehmend Wohnungsnot, weil Eigentümer ihre Unterkünfte lieber gewinnbringend an Urlauber vermieten wollen. Im Ferienort Palm-Mar auf Teneriffa schmierten Einwohner gut sichtbar auf Wänden und Bänken verschiedene Graffiti mit Slogans wie „Meine Misere, ist euer Paradies“ oder „Touristen, geht nach Hause“. Auch andernorts hat man sich offenbar diese Methoden zu eigen gemacht. Auf einer Wanderung in Italien entdeckte ein Bergsteiger nämlich eine ähnliche Schmiererei – nur, dass die Unbekannten sich leider einen Stein dafür ausgesucht haben, auf dem sich Dinosaurier-Abdrücke befinden.
„Bitter“: Vandalen beschmieren Stein mit Dinosaurierspuren
Der Stein befindet sich der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge am Südhang der Drei Zinnen in der Provinz Belluno. Das betroffene Gebiet liegt auf halbem Weg zwischen der Auronzo-Hütte und der Lavaredo-Hütte. Öffentlich gemacht wurde der Vandalismus am 1. Oktober durch den Bergsteiger und paralympischen Athlet Moreno Pesce. In einem Video auf Facebook betonte er, dass es „für die Drei Zinnen kein schönes Erwachen“ sei. Es sei „bitter“, dass Naturdenkmäler auf diese Art verschandelt würden. Die auf dem Stein befindlichen Fußabdrücke stammen von einem Eubrontes, einem fleischfressenden Dinosaurier aus der Triaszeit.
Die Dolomiten, die 2009 zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt wurden, spielen eine entscheidende Rolle in der Erforschung der Erdgeschichte. Eine Studie, die 2018 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigte, dass die präzisen datierbaren Spurenfossilien in der Gebirgsgruppe helfen, die Ausbreitung der Dinosaurier besser zu verstehen. An mehreren Orten, wie der Bletterbachschlucht und den Lavini di Marco, können Besucher noch heute Dinosaurierspuren besichtigen und in die prähistorische Vergangenheit eintauchen.
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