Touristenflut in den Dolomiten: Region zieht Zugangsbeschränkungen in Betracht
VonFranziska Kaindl
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Die Region um die Drei Zinnen in den Dolomiten sieht sich mit einem Ansturm von Touristen konfrontiert. Jetzt könnten Zugangsbeschränkungen die Situation verbessern.
Der Naturpark Drei Zinnen in den Dolomiten gehört zusammen mit anderen Dolomitengipfeln seit 2009 zum Unesco-Welterbe und ist eine der beliebtesten Wanderregionen in Südtirol. Jedes Jahr zieht sie Tausende von Besuchern an – in den Sommermonaten sind es sogar bis zu 14.000 am Tag, wie Untersuchungen aus dem Pustertal laut dem Corriere delle Alpi ergeben haben. Das hat erhebliche Belastungen für das lokale Ökosystem und die Infrastruktur zur Folge: Vollgestopfte Straßen, überfüllte Wanderwege und unkontrolliertes Parken sind nur einige der Probleme, die durch den Massentourismus verursacht werden.
Massentourismus schadet der Region um die Drei Zinnen zunehmend
Das geht auch an den Einheimischen nicht spurlos vorbei: „Die aktuelle Situation schadet allen, den Besuchern, die einen unberührten Ort erwarten, und der einheimischen Bevölkerung, die dem Massentourismus immer abgeneigter gegenübersteht“, sagte Martin Rienzner, Bürgermeister von Toblach, einer Gemeinde an den Drei Zinnen laut dem Online-Portal Il Nord Est. Erst im vergangenen Jahr entdeckte ein Bergsteiger eine Schmiererei auf einem Stein am Südhang der Drei Zinnen, die lautete „Touristen, geht heim“.
Die Südtiroler Gemeinden fürchten Konsequenzen, wenn sie die Besucherströme nicht besser in den Griff bekommen. „Das Besuchererlebnis wird durch überfüllte Wege und chaotische Situationen beeinträchtigt. Die Gefahr könnte nicht nur vor Ort spürbar sein, sondern auch politische und imagebezogene Auswirkungen haben“, heißt es in einem Beschluss des Gemeinderats von Innichen im Südtirol. „Es besteht die ernsthafte Gefahr, dass der Unesco-Welterbestatus langfristig Schaden nimmt oder im schlimmsten Fall sogar aufgehoben wird.“ Aus diesem Grund wollen die Tourismusverbände im Pustertal und die Gemeindeverwaltungen von Innichen, Toblach, Sexten, Niederdorf und Prags sich nun der Angelegenheit annehmen und den Tourismus besser regulieren.
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Zugangsbeschränkungen, Reservierungssysteme, höhere Preise: Was auf Touristen zukommen könnte
Aktuell prüfen die Gemeinden verschiedene Maßnahmen, die bereits in an deren Tourismusregionen erfolgreich angewandt werden, so Dolomiti.it. Dazu gehört die Einführung von Zugangsbeschränkungen im Sommer, ähnlich denen am Pragser Wildsee. Auch eine Erhöhung der Preise steht im Raum, beispielsweise für die mautpflichtige Straße der Gemeinde Auronzo zu den Drei Zinnen. Schon jetzt müssen Besucher 30 Euro für die Maut- und Parkplatzgebühren hinblättern, wie das Online-Portal Reisereporter berichtet. Auf diese Weise soll der unbliebsame „Hit-and-Run“-Tourismus unterbunden werden, bei dem Besucher nur für ein schnelles Foto bleiben und dann wieder verschwinden.
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In diesem Zuge steht auch eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs im Raum. Ein erster Schritt könnte ein Reservierungssystem für Busse sein, während die Nutzung von Privatfahrzeugen auf den Straßen verringert werden soll. Die Gemeinde Auronzo habe laut Dolomiti.it bereits versucht, die Zufahrt zu der mautpflichtigen Straße zu den Drei Zinnen zu regulieren, um die Anzahl der Fahrzeuge zu begrenzen. Laut der stellvertretenden Bürgermeisterin Daniela Larese Filon könnte die Reservierung von Parkplätzen verpflichtend gemacht werden, um den Zugang besser zu organisieren und den Verkehr zu verringern. Weitere diskutierte Maßnahmen beinhalten die Reduzierung der Anzahl der Busse aus anderen Touristenorten und die Errichtung physischer Barrieren gegen unreguliertes Parken.
Martin Rienzner, der Bürgermeister von Toblach, betont laut Il Nord Est die Notwendigkeit, schnell Lösungen für das Problem des Overtourism zu finden – bevor es zu spät ist. Er warnt: „In der gegenwärtigen Situation sind wir alle die Verlierer. Die Verlierer sind die Besucher selbst, die aus aller Welt an einen symbolträchtigen Ort kommen und von einem chaotischen Erlebnis enttäuscht sind.“ Ob und wann die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden, bleibt aber noch offen.