Drei Zinnen

Touristenflut in den Dolomiten: Region zieht Zugangsbeschränkungen in Betracht

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Die Region um die Drei Zinnen in den Dolomiten sieht sich mit einem Ansturm von Touristen konfrontiert. Jetzt könnten Zugangsbeschränkungen die Situation verbessern.

Der Naturpark Drei Zinnen in den Dolomiten gehört zusammen mit anderen Dolomitengipfeln seit 2009 zum Unesco-Welterbe und ist eine der beliebtesten Wanderregionen in Südtirol. Jedes Jahr zieht sie Tausende von Besuchern an – in den Sommermonaten sind es sogar bis zu 14.000 am Tag, wie Untersuchungen aus dem Pustertal laut dem Corriere delle Alpi ergeben haben. Das hat erhebliche Belastungen für das lokale Ökosystem und die Infrastruktur zur Folge: Vollgestopfte Straßen, überfüllte Wanderwege und unkontrolliertes Parken sind nur einige der Probleme, die durch den Massentourismus verursacht werden.

Massentourismus schadet der Region um die Drei Zinnen zunehmend

Die Drei Zinnen sind ein beliebtes Fotomotiv für Touristen.

Das geht auch an den Einheimischen nicht spurlos vorbei: „Die aktuelle Situation schadet allen, den Besuchern, die einen unberührten Ort erwarten, und der einheimischen Bevölkerung, die dem Massentourismus immer abgeneigter gegenübersteht“, sagte Martin Rienzner, Bürgermeister von Toblach, einer Gemeinde an den Drei Zinnen laut dem Online-Portal Il Nord Est. Erst im vergangenen Jahr entdeckte ein Bergsteiger eine Schmiererei auf einem Stein am Südhang der Drei Zinnen, die lautete „Touristen, geht heim“.

Die Südtiroler Gemeinden fürchten Konsequenzen, wenn sie die Besucherströme nicht besser in den Griff bekommen. „Das Besuchererlebnis wird durch überfüllte Wege und chaotische Situationen beeinträchtigt. Die Gefahr könnte nicht nur vor Ort spürbar sein, sondern auch politische und imagebezogene Auswirkungen haben“, heißt es in einem Beschluss des Gemeinderats von Innichen im Südtirol. „Es besteht die ernsthafte Gefahr, dass der Unesco-Welterbestatus langfristig Schaden nimmt oder im schlimmsten Fall sogar aufgehoben wird.“ Aus diesem Grund wollen die Tourismusverbände im Pustertal und die Gemeindeverwaltungen von Innichen, Toblach, Sexten, Niederdorf und Prags sich nun der Angelegenheit annehmen und den Tourismus besser regulieren.

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Zugangsbeschränkungen, Reservierungssysteme, höhere Preise: Was auf Touristen zukommen könnte

Aktuell prüfen die Gemeinden verschiedene Maßnahmen, die bereits in an deren Tourismusregionen erfolgreich angewandt werden, so Dolomiti.it. Dazu gehört die Einführung von Zugangsbeschränkungen im Sommer, ähnlich denen am Pragser Wildsee. Auch eine Erhöhung der Preise steht im Raum, beispielsweise für die mautpflichtige Straße der Gemeinde Auronzo zu den Drei Zinnen. Schon jetzt müssen Besucher 30 Euro für die Maut- und Parkplatzgebühren hinblättern, wie das Online-Portal Reisereporter berichtet. Auf diese Weise soll der unbliebsame „Hit-and-Run“-Tourismus unterbunden werden, bei dem Besucher nur für ein schnelles Foto bleiben und dann wieder verschwinden.

Unbekannte Städte, Dörfer und Landschaften: Zehn Geheimtipps für den Italien-Urlaub

Stadt Urbino in der italienischen Region Marken
Im Italien-Urlaub verschlägt es viele Reisende zu den Touristenmagneten Rom, Venedig oder Florenz. Aber wie wäre es mit der Stadt Urbino in der italienischen Region Marken? Sie gilt als die “Wiege der Renaissance” und ist der Ort, an dem der berühmte Künstler Raffael das Licht der Welt erblickte. Sein Geburtshaus kann heute noch besichtigt werden. Aufgrund der imposanten Architektur zählt Urbino zudem zum Unesco-Weltkulturerbe. Das wohl beeindruckendste Bauwerk ist der Palazzo Ducale aus dem 15. Jahrhundert.  © Pond5 Images/Imago
Kanal Vena in der italienischen Stadt Chioggia
Wer keine Lust auf lange Schlangen und Gedränge in der Lagunenstadt Venedig hat, findet nur etwa eine Autostunde entfernt die “kleine Schwester” Chioggia – auch bekannt als “kleines Venedig”. Das malerische Fischerdorf mit seinen engen Gassen und bunten Häuschen zeigt das authentische Italien und lädt zu einem Spaziergang durch die Altstadt ein. Besonders an den insgesamt neun Brücken, die über den Canal Vena führen, fühlt man sich an die große Schwester nur 50 Kilometer entfernt erinnert.  © Pond5 Images/Imago
Civita di Bagnoregio in der italienischen Region Latium
Besonders ursprünglich ist das Dorf Civita di Bagnoregio in der Region Latium geblieben. Es wurde vor rund 2.500 Jahren von den Etruskern gegründet und drohte seither aufgrund von Erdrutschen schon mehrere Male auszusterben. Seine einzigartige Lage an der Spitze eines Gesteins macht den Ort jedoch zu einem perfekten Ausflugsziel: Er ist nur über eine 250 Meter lange Fußgängerbrücke zu erreichen, sodass Touristen und Einheimische schon immer vor Autolärm verschont geblieben sind. Eine wunderbare Gelegenheit für Besucher, entspannt durch die Gassen zu spazieren und sich in vergangene Zeiten entführen zu lassen. © Liubomir Paut/Imago
Panorama der zentralen Apenninen im Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga in den Abruzzen
Die Abruzzen zählen ebenfalls zu den eher weniger besuchten Regionen Italiens. Jedoch finden Aktivurlauber genug zu tun, denn mit dem Gebirgsmassiv Gran Sasso befindet sich hier einer der eindrucksvollsten Höhenzüge Italiens. Der Nationalpark verfügt über eine Vielzahl von gut ausgewiesenen Wanderwegen, die tolle Ausblicke auf die imposante Berglandschaft bieten. Da sich das Gebirge nur unweit der Adria-Küste befindet, lässt sich ein Wanderurlaub auch wunderbar mit einer Auszeit am Strand verbinden. © Pond5 Images/Imago
Hafen in Portovenere
Die Cinque Terre mit ihren fünf malerischen Küstendörfern gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen von Italien-Reisenden – daher wird es hier immer Sommer auch mal ganz schön voll. Wer es etwas ruhiger mag, findet nur unweit davon das vergleichsweise unbekannte Portovenere. Auch hier reihen sich bunte Fischerhäuschen aneinander, vor denen sich im Hafen kleine Boote tummeln. Einen Besuch ist außerdem die alte Ortskirche San Pietro wert, die sich vorgelagert auf einem steilen Felsen befindet, sowie die Burg Doria, welche auf einem hohen Felsmassiv thront.  © Pond5 Images/Imago
Sommerabend auf Panarea
Zu den eher unbekannteren Inseln Italiens zählt Panarea im Thyrrenischen Meer vor Sizilien. Beliebt ist sie vor allem bei Prominenten und Wohlhabenden, was sich auch an den Luxusyachten bemerkbar macht, die sich im Hafen befinden. Wer nicht auf dem Eiland übernachten möchte, kann einen Tagesausflug mit der Fähre von Milazzo aus unternehmen. Die Ostküste der Insel ist dicht besiedelt und kann somit wunderbar zu Fuß erkundet werden. Ein Highlight sind die Häuser im Ort San Pietro, die mit ihren weißen Fassaden und blauen Türen an griechische Dörfer erinnern. Wer etwas entspannen möchte, findet sich am Sandstrand Caletta di Zimmari ein.  © Alexander Rochau/Imago
Piazza del Comune Duomo di Santa Maria Assunta mit Torrazzo Baptisterium in Cremona
80 Kilometer südöstlich von Mailand liegt die Stadt Cremona, die für ihre Jahrhunderte alte Tradition des Geigenbaus bekannt ist – bekannte Meister wie Stradivari, Guaneri und Amati waren hier tätig. Einige der schönsten Instrumente werden im Rathaus, dem Palazzo del Comune, ausgestellt. Sehenswert sind zudem der eindrucksvolle Dom von Cremona sowie der benachbarte Glockenturm und das Baptisterium (siehe Bild). © Martin Jung/Imago
Hochebene von Castelluccio im Nationalpark Monti Sibillini
Die Region Marken gehört zu den am wenigsten besuchten Gebieten Italiens – dabei befindet sich hier mit dem Nationalpark Monti Sibillini ein wahres Paradies für Wanderer. Der höchste Gipfel des Gebirgsmassivs ist der Monte Vettore mit 2.476 Metern, an dessen Fuß sich der malerische Lago di Pilato befindet. Zu den beliebtesten Fotomotiven zählt jedoch die Hochebene von Castelluccio, die sich im Mai und Juni in ein buntes Blumenmeer mit Farben von ockergelb bis lila verwandelt.  © Maurizio Sartoretto/Imago
Matera in der italienischen Region Basilikata
Der Ort Matera in der italienischen Region Basilikata wurde 2019 mit dem Titel Kulturhauptstadt ausgezeichnet und im James-Bond-Film “Keine Zeit zu sterben” zur Kulisse einer rasanten Verfolgungsjagd. Dennoch halten sich die Touristenmassen in den verschlungenen Gassen, die sich an den kargen Hügeln entlang schlängeln, noch in Grenzen. Besonders beeindruckend an Matera sind die in den Fels geschlagenen Höhlenwohnungen, auch genannt Sassi, in denen bis in die 60 Jahre hinein noch Menschen lebten.  © Pond5 Images/Imago
Rocce Rosse in Arbatax auf Sardinien
Auf Sardinien konzentrieren sich viele Touristen auf die Regionen rund um Cagliari und Olbia. Dabei hat auch der Osten der Insel einiges zu bieten. Zu den atemberaubendsten Ausblicken zählt die Bucht Rocce Rosse bei Arbatax, einem Ortsteil der Stadt Tortoli. Die hohen roten Granitfelsen vor dem türkisfarbenen Meer sorgen für ein einzigartiges Schauspiel. Am Strand von Cea, wenige Kilometer entfernt, befinden sich mit “Is Scoglius Arrubius” zwei weitere beeindruckende rote Felsen.  © Vadym Lavra/Imago

In diesem Zuge steht auch eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs im Raum. Ein erster Schritt könnte ein Reservierungssystem für Busse sein, während die Nutzung von Privatfahrzeugen auf den Straßen verringert werden soll. Die Gemeinde Auronzo habe laut Dolomiti.it bereits versucht, die Zufahrt zu der mautpflichtigen Straße zu den Drei Zinnen zu regulieren, um die Anzahl der Fahrzeuge zu begrenzen. Laut der stellvertretenden Bürgermeisterin Daniela Larese Filon könnte die Reservierung von Parkplätzen verpflichtend gemacht werden, um den Zugang besser zu organisieren und den Verkehr zu verringern. Weitere diskutierte Maßnahmen beinhalten die Reduzierung der Anzahl der Busse aus anderen Touristenorten und die Errichtung physischer Barrieren gegen unreguliertes Parken.

Martin Rienzner, der Bürgermeister von Toblach, betont laut Il Nord Est die Notwendigkeit, schnell Lösungen für das Problem des Overtourism zu finden – bevor es zu spät ist. Er warnt: „In der gegenwärtigen Situation sind wir alle die Verlierer. Die Verlierer sind die Besucher selbst, die aus aller Welt an einen symbolträchtigen Ort kommen und von einem chaotischen Erlebnis enttäuscht sind.“ Ob und wann die geplanten Maßnahmen umgesetzt werden, bleibt aber noch offen.

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