Vom Trendziel zum neuen Urlaubsklassiker? Albanien erlebt beispielloses Wachstum im internationalen Tourismus
VonFranziska Kaindl
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Mit einem Wachstum von 80 Prozent seit 2019 zieht Albanien immer mehr Touristen an. Doch der Boom bringt auch Herausforderungen mit sich.
Im Jahr 2024 hat sich der internationale Tourismus nahezu auf das Niveau vor der Pandemie erholt, mit weltweit 1,4 Milliarden Touristen. Besonders Europa bleibt die meistbesuchte Region mit 747 Millionen internationalen Ankünften, wie aus einem aktuellen Bericht der UN Tourism hervorgeht. Ein Land, das dabei besonders hervorsticht, ist Albanien. Mit einem bemerkenswerten Wachstum von 80 Prozent im Vergleich zu 2019 zieht das Land immer mehr Reisende an.
Albanien wird für Touristen immer attraktiver
Schon seit ein paar Jahren legt Albanien einen steilen Aufstieg hin. 2022 zählte das Balkanland laut UN noch 7,5 Millionen internationale Touristen – im Jahr 2023 waren es mit 10,1 Millionen schon rund 30 Prozent mehr. In Europa ist Albanien längst kein Geheimtipp mehr, viele Fluggesellschaften und Reiseveranstalter haben die Destination in ihr Programm mit aufgenommen.
Albanien gilt als günstige Alternative zu Urlaubsklassikern wie Griechenland, mit einer beeindruckende Vielfalt, die von idyllischen Stränden in Ksamil bis zu kulturellen Schätzen im Nationalpark Butrint reicht. Die albanischen Alpen im Norden laden zu abenteuerlichen Wanderungen ein, während die Hauptstadt Tirana mit einem Mix aus kommunistischen Bauten und modernen Einflüssen überrascht. Der Reiseboom bringt Albanien erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Das Wirtschaftswachstum von fünf Prozent im Jahr 2022 hängt laut UN signifikant mit den lukrativen Einnahmen aus dem Tourismus zusammen.
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Tourismusboom für Albanien: die Fallstricke des Erfolgs
Mit dem Wachstum kommen jedoch auch Herausforderungen. Dazu gehören „schlechte Straßen in abgelegenen Gebieten, fehlende Bahnverbindungen und Umweltprobleme durch Massentourismus“, wie die Krisenfrühwarnexperten von A3M informieren. Gerade der Übertourismus ist im vergangenen Jahr in vielen Ländern zu einem allgegenwärtigen Problem geworden, und auch in Albanien gibt es zunehmend Bedenken hinsichtlich des Naturschutzes. Der Bau eines neuen Flughafens in der Nähe des Vjosa-Flusses, einem der letzten unregulierten Flüsse Europas, sorgt für hitzige Diskussionen, scheint aber unausweichlich. Zu verlockend scheinen die wirtschaftlichen Vorteile eines wachsenden Touristenstroms, wie Albaniens Ministerpräsident Edi Rama gegenüber IPPEN.MEDIA anklingen ließ.
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Grundsätzlich habe Albanien großes Potenzial für einen nachhaltigen Tourismus, so A3M, zum Beispiel in den Bereichen Kulturtourismus, Agrotourismus und Ganzjahresangeboten. Das geht aber nicht, ohne zuerst ein paar Schwierigkeiten zu meistern: Das Balkanland sei anfällig für Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Erdrutsche, Dürren und Waldbrände – so wie viele Urlaubsländer in der Mittelmeer-Region. Um sich als führendes Reiseziel in Europa zu etablieren, seien Frühwarnsysteme, eine nachhaltige Landnutzung und Investitionen in Rettungskräfte notwendig.