Franz Beckenbauer holte einst die WM nach Deutschland. Jahre später wird wegen angeblich schwarzer Kassen gegen ihn ermittelt – für Wegbegleiter „Heuchelei“.
Weltmeister als Spieler und Trainer, Europameister, zweifacher Europas Fußballer des Jahres, Deutschlands Fußballer des Jahrhunderts – die Erfolge und Auszeichnungen von Beckenbauer aufzuführen, würde ganze Tageszeitungen einnehmen. Lange Zeit galt in Deutschland: Was der Kaiser in die Hand nimmt, wird zu Gold.
Aber nicht nur auf dem Platz war Beckenbauer eine Lichtgestalt. Sein wohl größter Coup: Als Botschafter sorgte der Kaiser dafür, dass Deutschland 2006 sein Sommermärchen erleben durfte. Mit zahlreichen Reisen, viel Überzeugungsarbeit und seiner unvergleichlichen Kunst, Menschen für sich zu gewinnen, war Beckenbauer der Hauptgarant für die am Ende erfolgreiche WM-Bewerbung Deutschlands. Eins ist sicher: Ohne den Kaiser hätte es das Sommermärchen nicht gegeben.
Denkmal des Kaisers bröckelt – Gesundheit verschlechtert sich
Jahre später sollte Beckenbauer der vermeintlich größte Coup seines Lebens noch auf die Füße fallen. Im Oktober 2015, das Jahr in dem Beckenbauers Sohn Stephan verstarb, titelte der Spiegel: „Schwarze Kasse – Fußball-WM 2006 mutmaßlich gekauft“. Beckenbauer soll von dubiosen Zahlungen gewusst haben, später wurde ihm das Verfahren gemacht. Auch wenn dieses aufgrund von Verjährung eingestellt und Beckenbauer nie etwas nachgewiesen werden konnte; das Denkmal bröckelte.
Und damit auch der Gesundheitszustand des Kaisers? Beckenbauer soll unter den Vorwürfen enorm gelitten haben. Schon in der BR-Dokumentation „Beckenbauer“, die vor dem Tod des Kaisers produziert wurde, forderten zahlreiche Politiker Milde für die Lichtgestalt des deutschen Fußballs.
„Die Deutschen wollten die WM, inklusive mir selbst, und wir waren froh, dass wir einen Franz Beckenbauer hatten. Insofern ist es ein Stück weit auch Heuchelei. Wir müssten uns auch selbst bezichtigen“, sagte der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Die Grünen).
Auch Kult-Kommentator Marcel Reif, der Beckenbauer über mehrere Jahre begleitete, verurteilte die Vorwürfe an den Kaiser. „Die ganze Heuchelei um ihn herum hat er gespürt und von seinen Wegbegleitern gehört, die sich sehr gern in seinem Glanz gesonnt haben und dann ganz schnell in seinem Schatten verschwinden wollten“, kritisierte Reif bei Sky.
Franz Beckenbauer muss zweimal am Herzen operiert werden
„Das ist sehr deutsch, auch die Lust am Denkmal stürzen ist sehr deutsch. Und diese ganze Heuchelei hat ihn sehr, sehr getroffen. Wenn die Seele auf diese Art angeknackst und bespuckt wird, das hält kein Mensch aus“, berichtet der 74-Jährige weiter.
Nur kurz nach Bekanntwerden der Anschuldigungen musste der Kaiser 2016 und 2017 zweimal am Herzen operiert werden. Aufgrund seiner zunehmenden gesundheitlichen Probleme und wohl auch wegen der öffentlichen Verurteilung zog sich Beckenbauer immer mehr ins Private zurück. Im Rahmen des bayerischen Sportpreises 2018 sagte der Kaiser zu den Vorwürfen: „Ich habe nur den Leuten Auskunft gegeben, die es von mir verlangt haben und das habe ich getan. Alles andere ist mir mehr oder weniger wurst geworden.“