Remis im Breisgau

Eintracht Frankfurt in der Freiburg-Achterbahn

  • schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Eintracht Frankfurt geht in einem phasenweise chaotischen Spiel dreimal in Führung, muss sich am Ende aber beim SC Freiburg mit einem 3:3 zufriedengeben.

Freiburg – Als auch der letzte Anfall dieses ziemlich verrückten Fußballspiels vorüber war, die zehnminütige Nachspielzeit, die alleine das Eintrittsgeld Wert war, wusste Ansgar Knauff nicht so richtig wohin mit sich und seinen Gefühlen. Aber irgendwas musste raus. Also schoss er den Ball, der in seiner Nähe lag, Richtung Spielertunnel, und dann ließ er sich auf den Rasen des Freiburger Stadions fallen und vergrub das Gesicht unter seinen Armen. 3:3 (2:2) beim SC Freiburg, einen direkten Konkurrenten um Platz sechs auf Abstand gehalten – klingt erst einmal nicht so schlecht. Aber das Wie spielt eben auch noch eine gewichtige Rolle.

Eintracht Frankfurt in der Freiburg-Achterbahn

Dreimal war die Eintracht im Breisgau in Führung gegangen, dreimal kamen die Freiburger zurück. „Leider wieder nur ein Punkt“, sagte Knauff, der Doppeltorschütze, der nicht wirklich wie ein Doppeltorschütze aussah nach dem Spiel. „Wir müssen daran arbeiten, dass wir die Gegner nicht immer wieder so leicht ins Spiel zurückkommen lassen.“ Markus Krösche fasst es so zusammen: „Vorne waren wir konsequent“, sagte der Frankfurter Sportvorstand (Freiburgs Trainer Christian Streich sprach gar von „brutaler Effizienz“ der Eintracht), „aber momentan ist eher das Thema, dass wir zu einfache Gegentore bekommen.“

Wobei dieses Momentum im Grunde schon die ganze Spielzeit über anhält. War am Sonntag ja beileibe nicht das erste Mal, dass Eintracht Frankfurt sich mit einfachen Fehlern selbst in die Bredouille bringt – und um Punkte. Am frischesten war natürlich noch der Eindruck vom Donnerstag, als die Frankfurter beim 2:2 in der Conference League bei Royal Union Saint-Gilloise einen 2:0-Vorsprung noch verspielten.

Gemischte Gefühle bei Kevin Trapp und seinen Eintracht-Kollegen.

Toppmöller und Knauff: „Einfach ärgerlich“

In Freiburg beschäftigte die Frankfurter vor allem der Gegentreffer zum 2:2 in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nachhaltig. Da hatte Mario Götze sich bemüßigt gefühlt, zum Zwecke des gepflegten Spielaufbaus den Ball hoch durch den eigenen Sechzehner zu befördern, von links nach rechts. Der Ball landete auf dem Kopf von Tuta, von dort allerdings nicht beim Adressaten Makoto Hasebe. Freiburgs Stürmer Lucas Höler spritzte dazwischen und wurde vom 40-jährigen Japaner, der zu seinem ersten Liga-Startelfeinsatz der Saison kam, am Fuß getroffen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Vincenzo Grifo.

„Einfach ärgerlich“ sei das gewesen, fand Knauff, und Trainer Dino Toppmöller befand später auf der Pressekonferenz, die Szene habe ihn „maßlos geärgert.“ Vor dem Spiel habe er ja noch angesprochen, dass „wir auch mal Situationen haben dürfen, in denen wir einen Abschlag lang spielen – gerade vor der Pause, wenn du 2:1 führst. Das war dann auch die Ansage in der Halbzeit: Weil ich da keine Lust mehr darauf hatte, hinten noch einmal so einen leichten Ballverlust zu haben.“ Ganz klar auch ein schöner Gruß in Richtung des eigenen Keepers Kevin Trapp.

Gemischte Gefühle bei Eintracht Frankfurt

Am Ende machte sich der Frankfurter Reisetross mit sehr gemischten Gefühlen wieder auf den Heimweg. Was auch am der Verletzung von Stürmer Sasa Kalajdzic lag. Der Österreicher vertrat sich schon früh das Bein (9.), musste ausgewechselt werden und sah schwer bedröppelt aus, als er in die Katakomben schlich. „Eine Kniethematik“, sagte Krösche, was so ziemlich das Letzte ist, was man bei einem Spieler hören will, dem schon zweimal das Kreuzband gerissen ist. „Er ist auf dem Weg ins Krankenhaus und wird dort eingehend untersucht“, berichtete Toppmöller. „Wir hoffen, dass nichts Negatives dabei herauskommt.“

Dass es ausgerechnet Knauff war, der spätere Doppeltorschütze zum 1:2 (35.) und 2:3 (72.) passte dann natürlich zu einem merkwürdigen Spiel, indem irgendwie nichts passiert, dafür aber ganz schön viel. Die Mannschaften näherten sich verhalten, fast schüchtern einander an, diese Partie war insgesamt so spannend wie die Unterbrechungen zu Beginn beider Halbzeiten, als von der Freiburger Fantribüne aus Protest gegen einen möglichen DFL-Investor Süßigkeiten en masse auf den Rasen flogen.

Aber dann stürzte der Freiburger Aushilfsverteidiger Yannick Keitel bei einer Hereingabe von Philipp Max am eigenen Sechzehner unvermittelt, wodurch Eintracht-Stürmer Omar Marmoush zur Führung (27.) treffen konnte. Und weiter, andere Seite: Eintracht-Keeper Kevin Trapp sah bei einem Schuss von Roland Sallai nicht sonderlich gut aus - statt zur Seite wehrte er den Ball halb nach vorne ab. Da kam Freiburgs Japaner Ritsu Doan angerannt und traf aus spitzem Winkel (30.). Wiederum nur fünf Minuten später bekamen die Freiburger Marmoush und Knauff nach einem wilden Befreiungsschlag nicht zu fassen, Marmoush bediente Knauff zum 1:2.

Gregoritsch trifft zum späten Ausgleich für Freiburg

Auf Sicherheit spielen, aber dennoch ausgekontert werden – eine programmatische Szene für dieses Spiel, das auch nach der Pause eine faszinierende Mischung aus Langeweile und spontanen Eruptionen zu bieten hatte.

Gipfelnd in der zehnminütigen Nachspielzeit, in der es drunter und drüber ging. Der eingewechselte Michael Gregoritsch hatte noch in der regulären Spielzeit das 3:3 per Kopf erzwungen gegen den in dieser Szene bemitleidenswerten, weil körperlich unterlegenen Hasebe (90.).

Es folgte ein wilder Schlagabtausch, die Freiburger klärten mit vereinten Kräften auf der Linie gegen den nach seiner Einwechselung starken Hugo Ekitiké, die Frankfurter hatten ihrerseits Glück, dass Gregoritsch nicht der Siegtreffer gelang, auch sein Schuss wurde auf der Linie geklärt.

„Das“, sagte Markus Krösche, „ist der nächste Schritt: Dass wir uns nicht so oft auf wilde Fahrt einlassen.“ So unterhaltsam das auch sein mag,

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare