Im Zeichen des Kaisers

„Gute Freunde kann niemand trennen“: Arena-Geflüster zum Beckenbauer-Abschied

  • schließen

Der FC Bayern siegt zum Jahresauftakt gegen Hoffenheim. Ansonsten ist aber an diesem Freitagabend nicht viel wie sonst. Das Arena-Geflüster.

München – Die Bundesliga ist zurück. So richtige Partystimmung wollte am Freitagabend aber dennoch nicht in der Allianz Arena aufkommen. Zu sehr stand der Pflichtspielauftakt des FC Bayern noch im Schatten von Franz Beckenbauer. Das eisige Wetter in den späten Abendstunden tat dann noch sein Übriges im Münchener Rund.

Ausgelassen Stimmung zum Jahresauftakt Fehlanzeige

Nachdem Fans und Journalisten so langsam ihre gefrorenen Plätze eingenommen hatten, warteten alle gespannt, was sie in den nächsten Stunden erwarten sollte. Die Stimmung in der Arena – das war schon nach wenigen Minuten klar – war auf jeden Fall schon mal ausgelassener.

Endgültig seltsam wurde es dann, als Stadionsprecher Stephan Lehmann die Aufstellungen verkündete. Normalerweise das Zeichen für das Münchener Publikum seine Stimmbänder das erste Mal zu proben. An diesem Freitag verzichtete die ‚Stimme der Allianz Arena‘ allerdings auf das enthusiastische Begrüßen der FCB-Stars und lies die Aufstellungen in ruhiger Stimme vor.

Schweigen zum Start, Würdigung vor Anpfiff

Lediglich die Südkurve ließ es sich nicht nehmen, ihre Mannschaft standesgemäß im neuen Jahr zu begrüßen. Der Rest der Arena schwieg; selbst bei der Bayern-Aufstellung. Auch als die Mannschaften dann endlich im Spieleroutfit den Rasen betraten, stand der Kaiser weiterhin im Fokus.

Der Kern der Bayern-Fans würdigte Beckenbauer mit einem Banner: „Die Lichtgestalt geht auf eine letzte Reise – Ruhe in Frieden, Kaiser!“, stand dort geschrieben, während sich die Spieler im Mittelkreis zur Schweigeminute versammelten. Gänsehaut!

„Die Lichtgestalt geht auf eine letzte Reise – Ruhe in Frieden, Kaiser!“ – Die Bayern-Fans würdigen Franz Beckenbauer.

„Gute Freunde kann niemand trennen“ – Tuchel und die Fans schon

Wer allerdings dachte, mit Anpfiff würde alles ein bisschen freudiger werden, sah sich zunächst getäuscht. Zum einen spielten die Tuchel-Männer in den ersten Minuten derartig ruhig, als würden sie ihrem Kaiser zeigen wollen: ‚Ohne dich macht’s eh kein Spaß!‘ und zum anderen tat die Süd mit ihrem fragwürdigen Stimmungsboykott das Übrige.

Starteten die hart gesonnenen Bayern-Fans die Partie noch mit ‚Gute Freunde kann niemand trennen‘, war die Arena in den nächsten elf Minuten mucksmäuschenstill – abgesehen von einigen verirrten Hoffenheim-Anhängern.

Weite Teile des Publikums fragte sich zu Beginn noch, ob die Südkurve ihren Franz vielleicht mit weiteren Schweigeminuten ehren wollte. Nach wenigen Minuten war aber klar: Nein, der Stimmungsboykott richtete sich wie schon vor der Winterpause gegen die DFL – nicht nur Thomas Tuchel war davon zumindest ein bisschen enttäuscht.

Eric Dier zeigt sich das erste Mal in der Allianz Arena

Fußball gespielt wurde an diesem Freitagabend dann auch noch: Und so ungewohnt der Rahmen war, so vertraut war das, was sich auf dem Rasen abspielte: Die Bayern hatten mit der TSG keine größeren Probleme und siegten am Ende 3:0.

Einer, der die Arena zum ersten Mal (zumindest in Diensten des FC Bayern) besuchte und von den Ereignissen durchaus irritiert sein könnte, war Neuzugang Eric Dier. Der Auftritt des Engländers war dabei aber ähnlich souverän, wie der seiner neuen Teamkollegen auf dem Platz.

Neuzuganng Eric Dier auf der Tribüne ohne Fehl und Tadel

Passend zum Anlass erschien der 29-Jährige ganz in schwarz und versteckte sein Gesicht tief eingemurmelt zwischen Mütze und Schal. Dass Dier zumindest schon Bruchstücke der deutschen Sprache versteht, bewies er, als die Südkurve ihr bekanntes ‚Steht auf, wenn ihr Bayern seid‘ immer wieder anstimmte. Dier und sein Tross erhob sich – wie auch bei den Toren – jedes Mal standesgemäß.

Kaum zu erkennen, aber er ist es: Eric Dier.

Als der erste Sieg des FC Bayern im neuen Jahr nach Treffern von Jamal Musiala (2x) und Harry Kane (wer sonst?) eingetütet wurde, verabschiedeten sich Mannschaft und Fans mit einem gemeinsamen Ständchen für Kaiser Franz. Denn: Gute Freunde kann niemand trennen.

Aus der Allianz Arena berichtete Korbinian Kothny.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon

Kommentare