VonGeorg Leppertschließen
Derart heftige Auseinandersetzungen zwischen Fans und der Polizei hat es im Frankfurter Waldstadion schon sehr lange nicht mehr gegeben.
Was am Samstagabend vor dem Bundesligaspiel der Frankfurter Eintracht gegen den VfB Stuttgart (1:2) zu der wilden Prügelei hinter der Nordwestkurve geführt hat, darüber gehen die Schilderungen von Fans und Polizei extrem weit auseinander. Fest steht: Nach der heftigsten Randale, die es in den vergangenen Jahrzehnten im Frankfurter Stadion gab, mussten viele Opfer der Auseinandersetzung behandelt werden - teils sogar im Krankenhaus.
| Eintracht Frankfurt | |
|---|---|
| Gründung: | 8. März 1899 |
| Farben: | Rot-Schwarz-Weiß |
| Trainer: | Dino Toppmöller |
| Stadion: | Deutsche Bank Park |
Eintracht Frankfurt: Fans werfen Absperrgitter
Die Polizei richtete noch in der Nacht eine Sonderkommission ein und bittet um Fotos und Videoaufnahmen der Ausschreitunen.. Die Fans sammeln unterdessen Beweismittel gegen die Einsatzkräfte.
Rund 20 Minuten vor dem Anpfiff der Partie berichtete die Polizei auf der Plattform X (vormals Twitter) von Angriffen gegen die Einsatzkräfte. Vorangegangen sei eine Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Fans. Doch diese Information erwies sich später offenbar als falsch. Weder in der Frankfurter noch in der Stuttgarter Fanszene ist etwas von größeren Reibereien bekannt. Auch in der Pressemitteilung, die die Polizei in der Nacht auf Sonntag veröffentlichte, ist davon nicht mehr die Rede.
Polizei setzt Schlagstöcke und Pfefferspray ein
Ausgangspunkt des Polizeieinsatzes war offenbar vielmehr eine Auseinandersetzung zwischen Fans und dem Ordnungsdienst hinter Block 40, in dem die treuesten Eintracht-Anhänger stehen. Die Fans hätten auch Rettungskräfte angegriffen, hieß es von der Polizei. Als die Beamtinnen und Beamten einschritten, „solidarisierte sich spontan eine große Zahl von Angehörigen der Frankfurter Risikofanszene und attackierte massiv die Einsatzkräfte“. Dabei seien Flaschen, Pyrotechnik und Absperrgitter geworfen worden. Auf Videos in den sozialen Medien ist das zum Teil auch zu sehen.
Die Polizei habe Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Fans eingesetzt, teilte die Pressestelle der Behörde mit. Durch Unterstützung von Beamt:innen aus rheinland-pfälzischen Einheiten und der Bundespolizei sei es gelungen, die Randale zu beenden.
Auch Unbeteiligte unter den Verletzten
Die Fans äußerten sich über die Initiative „Der 13. Mann“, die den Eintracht-Anhang unter anderem bei rechtlichen Fragen unterstützt. Am Block 40 habe eine „zivil gekleidete Person“ versucht, einen Fan festzunehmen. Offenbar habe er nicht die richtige Eintrittskarte für den Block gehabt. Wenige Sekunden später sei die Polizei mit starken Kräften - unter anderem einer Einheit zur Videodokumentation - eingeschritten. „Die Einheiten müssen also für diesen Einsatz bereits parat gestanden haben“, schlussfolgern die Fans.
Anschließend sei die Polizei mit großer Brutalität vorgegangen. Eine halbe Stunde lang habe es Schlagstock- und Reizgaseinsätze gegeben. Dabei sei die Polizei auch gegen Unbeteiligte vorgegangen, die auf dem Weg zu ihren Plätzen waren. In der Tat gibt es etwa bei X entsprechende Berichte. Der Frankfurter Strafverteidiger Kristian Lossner schrieb: „Es ist ein Skandal, was die Polizei heute abgezogen hat. Tränengas in die Menge, mindestens ein mir bekanntes verletztes Kind.“ Die Eintracht-Fanszene erhebt ebenso schwere Vorwürfe gegen die Polizei.
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SGE-Fans verzichten auf Anfeuerung im Stadion
Die Fans vermuten, die Polizei habe es am Samstagabend auf Eskalation angelegt. Deshalb sei auch Verstärkung aus anderen Bundesländern vor Ort gewesen. Die Auseinandersetzung stehe in einer Reihe mit Polizeieinsätzen beim FC St. Pauli und beim VfL Bochum. „Mit diesem Gewaltexzess wollte man vor der EM 2024 die Muskeln spielen lassen“, hieß es vom „13. Mann“.
70 Anhängerinnen und Anhänger seien verletzt worden, sieben davon schwer, teilten die Fans mit. Reizgas sei auch während des Spiels ins Stadion gezogen. Die Polizei berichtete von „einer mittleren zweistelligen Anzahl“ an Verletzten in ihren Reihen. Vier Beamt:innen hätten sich im Krankenhaus behandeln lassen. Mehrere Gewalttäter seien festgenommen worden.
Polizeipräsident Stefan Müller zeigte sich von den Ereignissen und der Zahl der Verletzten „sehr betroffen“. Die Sonderkommission werde am Sonntag ihre Arbeit aufnehmen. Auch sogenannte Super-Recogniser gehören der Einheit an. Sie haben ein stark ausgeprägtes fotografisches Gedächtnis und können Tatverdächtige auf Videos besonders gut identifizieren. Wegen des Polizeieinsatzes verzichtete die aktive Fanszene während des Spiels auf Anfeuerungsrufe. Im Stadion zu hören war fast nur die Anhängerschaft des VfB Stuttgart.
Rubriklistenbild: © Arne Dedert

