Ex-Bayern-Profi im Interview

Babbel packt aus: „War kurz davor, Hoeneß eine zu verpassen“

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Babbel beharrt auf seiner kritischen Haltung gegenüber Hoeneß. Mit dem Bayern-Patron hatte er schon in den 90ern eine heftige Auseinandersetzung.

München – Der ehemalige Bayern-Profi Markus Babbel legt im exklusiven Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, mit seiner Kritik gegen Ehrenpräsident Uli Hoeneß nach. Babbel enthüllt außerdem eine legendäre Kabinen-Konfrontation mit Hoeneß.

Markus Babbel übt Kritik an Uli Hoeneß und erzählt eine Anekdote aus den 1990er-Jahren.

Daneben spricht Babbel über die Transferpolitik und Nachwuchsförderung des FC Bayern, verurteilt die Aktion des Bellingham-Vaters bei Borussia Dortmund und schwärmt von Eintracht Frankfurt.

Herr Babbel, hat sich Uli Hoeneß nach Ihrer jüngsten Kritik persönlich bei Ihnen gemeldet?
Nein, hat er nicht, muss er auch nicht (lacht). Es ist relativ simpel: Ich habe mir lange überlegt, ob ich den Weg des Experten gehe oder nicht. Ich dachte mir: Wenn ich ihn gehe, muss ich ihn auch richtig gehen, dann ist es auch egal, ob es meine Ex-Klubs betrifft. Ich muss das sagen, was ich sehe und beobachte. Es sind einfach Sachen beim FC Bayern passiert, die mir nicht gefallen. Uli Hoeneß gibt Interviews beziehungsweise Aussagen von sich, mit denen er seine eigenen Leute schwächt. Bevor ich wieder einen Shitstorm bekomme: Es geht nicht darum, dass Uli Hoeneß nicht Unfassbares geleistet hat. Er hat ein Lebenswerk hinterlassen. Aber Uli Hoeneß ist nicht der FC Bayern. Der FC Bayern steht noch über ihm.
Was stört Sie konkret an seinem Auftreten?
Das Problem ist, dass ich das Gefühl habe, er meint, er ist der FC Bayern und keiner ist mehr gut genug. Jeder muss öffentlich gemaßregelt werden. Das kannst du intern alles tun, aber bei Uli Hoeneß ist es immer Wild West – es wird aus der Hüfte geschossen. Er merkt nicht, dass er seine Top-Angestellten dadurch schwächt, ob es Max Eberl, Christoph Freund oder Jan-Christian Dreesen ist.
Da lobe ich mir Karl-Heinz Rummenigge, der Interviews immer mit Bedacht gibt, mit tollen Aussagen und Anstößen. Bei Hoeneß heißt es schlussendlich: „Es wird nach wie vor vom Tegernsee regiert.“ Er hat sich früher über Franz Beckenbauer aufgeregt, wenn der aus Kitzbühel etwas gesagt hat – jetzt macht er nichts anderes und schadet dadurch dem Verein.

Weltmeister, Manager-Legende, Haft – Flugzeugabsturz beendete Leben von Uli Hoeneß beinahe schon 1982

21.08.90 Hoeneß Eltern Paula und Erwin Deutschland, Ulm, 21.08.1990, Fussball, Bundesliga, Hoeneß Eltern
Uli Hoeneß kam zu Beginn des Jahres 1952 in Ulm, als Sohn von Metzgermeister Erwin Hoeneß und Ehefrau Paula zur Welt. © Pressefoto Rudel/Imago
Uli und Dieter Hoeneß
Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Dieter Hoeneß startete Ulis Fußballkarriere in der Jugendabteilung des VfB Ulm. © Pressefoto/Baumann
DFB-Schülerauswahl
Im Alter von 15 Jahren wird Uli Hoeneß (rechts neben dem Torwart im Bild) von der späteren Trainerlegende Udo Lattek zum Kapitän der DFB-Schülerauswahl ernannt. Dort stand er bereits mit seinem späteren Bayern-Buddy Paul Breitner auf dem Platz. Auf Lehrgängen teilten sich die beiden das Zimmer. © Fred Joch/Imago
Uli Hoeneß Ulm 1846 li gegen Hans Jürgen Wittfoth Stuttgart
Im Jahr 1967 wechselt Hoeneß vom VfB Ulm in die Jugendabteilung der TSG Ulm 1846 (heute SSV Ulm 1846), wo er schnell Fuß fasste und bereits mit 17 Jahren fester Bestandteil der Amateurliga-Mannschaft (damals dritthöchste deutsche Spielklasse) war. In der Saison 1969/70 war er mit 22 Treffern der beste Torschütze der Ulmer. Eine Empfehlung für höhere Aufgaben. © Sven Simon/Imago
FUSSBALL 1 BUNDESLIGA SAISON 1970 1971 1 SPIELTAG VfB Stuttgart 1 1 FC Bayern München 15 08 1970
Im Anschluss an diese torreiche Spielzeit klopfte der FC Bayern in Ulm an und Hoeneß unterschrieb bei den Münchnern einen Amateurvertrag. Bereits im ersten Spieltag der Bundesligasaison 1970/71 feierte der damals 18-Jährige sein Debüt gegen den VfB Stuttgart. Auch an der Isar etablierte er sich daraufhin schnell zum Stammspieler unter dem neuen Bayern-Coach – wer hätte es gedacht – Udo Lattek.  © WEREK/Imago
Hoeneß-Breitner-WG
Gemeinsam mit Hoeneß wechselte auch Breitner an die Isar. Zu Beginn ihrer Zeit in München lebten die Beiden in einer gemeinsamen WG. „Es klingt vielleicht blöd, aber der Uli und ich haben oft den Eindruck eines alten Ehepaars gemacht“, erzählte Breitner einige Jahre später. © Fred Joch/Imago
Uli Hoeneß and Gerd Müller Bayern Munich with the tyrophy European Cup Final
In München gewann Hoeneß alles, was es im Klub-Fußball zu gewinnen gab. An der Seite von Gerd Müller (links im Bild) wurde er dreimal Deutscher Meister und feierte einen Pokalsieg. Mit dem Bomber der Nation formte er eines der gefährlichsten Angriffsduos der Bundesligageschichte, das auch Europa – wortwörtlich im Sturm erobern sollte. Ganze dreimal in Folge holten sie den Europapokal der Landesmeister in die bayrische Landeshauptstadt. © Colorsport/Imago
Mannschaftsfoto BR Deutschland, Europameister 1972, hi.v.li.: Franz Beckenbauer, Bundestrainer Helmut Schön, Hans Georg
Nach seinem A-Nationalmannschafts-Debüt 1972 fuhr Hoeneß im selben Jahr auch mit zur Europameisterschaft in England. Im Finale des Turniers ließ die deutsche Mannschaft nichts anbrennen und sicherte sich mit einem 3:0-Sieg über die Sowjetunion den Titel. Hoeneß mitten drin. © Sven Simon/Imago
Weltmeister 1974 BR Deutschland
Nur zwei Jahre später folgt der größte Erfolg seiner Karriere. Bei der Heim-WM 1974 wird die Bundesrepublik zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister. Im Finale bezwang man die Niederlande mit 2:1 aus deutscher Sicht. © Horstmüller/Imago
Uli Hoeneß (hinten, BR Deutschland) verschießt gegen Torwart Ivo Viktor (CSSR) - der finale Fehlschuss im Elfmeterschießen
Bei der Europameisterschaft 1976 wird Hoeneß zum tragischen Helden. Im Finale steht es nach 120 Minuten 2:2 zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei. Elfmeterschießen. Hoeneß tritt nach drei verwandelten deutschen Elfmetern als vierter Schütze an – und versenkt den Ball statt im Tor im Nachthimmel von Belgrad. Deutschland verliert. © Sven Simon/Imago
Uli Hoeneß FCN
Nach einer schweren Meniskusverletzung war Hoeneß nicht mehr der Alte und verlor letztendlich seinen Stammplatz beim FC Bayern. 1978 wechselte er auf Leihbasis zum 1. FC Nürnberg, konnte dort jedoch auch nicht an vergangene Leistungen anknüpfen. Nach seiner Rückkehr nach München musste Hoeneß schließlich seine Karriere 1979 aufgrund von irreparablen Knorpelschäden im Knie beenden – im Alter von nur 27 Jahren.  © Kicker/Liedel/Imago
FUSSBALL 1 BUNDESLIGA SAISON 1979 1980 Manager Uli Hoeness FC Bayern Muenchen sitzt am 29 05 1979
Doch mit dem Ende seiner aktiven Karriere beim FC Bayern, ging seine Zeit bei den Münchnern eigentlich gerade erst los. Noch im selben Jahr stieg Hoeneß ins Management des Vereins ein und wurde damit zum jüngsten Manager der Bundesliga-Geschichte. © WEREK/Imago
Hannover Hoeneß war mit seinem Freund dem Verleger Helmut Simmler auf dem Weg zu einem Fußballspiel
Im Winter 1982 hätte für den damals 30-jährigen Hoeneß alles vorbei sein können. Gemeinsam mit drei Freunden stürzte er mit einem Propellerflugzeug ab und konnte das Unglück als einziger Insasse der Maschine überleben. Später sagte Hoeneß, sich an, kaum etwas von dem Unfall mehr erinnern zu können. © Iocalpic/Imago
Uli Hoeneß
Hoeneß formte in seinem neuen Amt den FC Bayern, zu dem Verein, wie wir ihn heute kennen. Er orientierte sich am professionellen Merchandising in den USA und erschloss neue Märkte für die Münchner. Dies führte zum wirtschaftlichen Aufschwung des Klubs und Millioneneinnahmen. © Frinke/Imago
FUSSBALL CHAMPIONSLEAGUE FINALE SAISON 2000 2001 23 05 2001 FC Bayern München FC Valencia 6 5 n E
Unter der Leitung von Hoeneß stieg der FC Bayern zum erfolgreichsten Klub in Deutschland auf. Zwischen 1980 und 2008 feierte man an der Isar 16 deutsche Meisterschaften, neun DFB-Pokal-Siege sowie den Gewinn des Henkelpotts im Jahr 2001. © Ulmer/Imago
Cottbuser Fans begrüßen Uli Hoeneß
Auch neben dem Platz wusste Hoeneß immer wieder für Schlagzeilen zu sorgen und seinen Einfluss im deutschen Fußball geltend zu machen. So spielte er beispielsweise eine entscheidende Rolle in der „Koks-Affäre“ um Christoph Daum, indem er den öffentlichen Druck auf den damaligen Leverkusen-Coach erhöhte. © Camera 4/Imago
Uli Hoeneß FC Bayern München mit Ehefrau Susi und Tochter Sabine nach deren Geburt im Krankenhaus
Seit 1973 ist Hoeneß mit seiner Frau Susanne verheiratet, welche ihm zwei Kinder schenkte – Florian und Sabine. Ein Paar sind Uli und Susi bereits seit seinem 15. Lebensjahr. „Ich weiß, dass ich das, was ich bin, nie ohne meine Frau geworden wäre“, gesteht Hoeneß gegenüber der Bunten. © Fred Joch/Imago
Uli Hoeness in der Allianz Arena beim Bau in der Allianz Arena beim Bau Allianz Arena Anzug
Im Jahr 2001 startete der Bau der Allianz Arena, für welchen sich Hoeneß sehr eingesetzt hatte. Das 2005 eröffnete Stadion ist nun seit über 20 Jahren die Heimat des deutschen Rekordmeister. © HJS/Imago
Hoeneß Präsident
Auf der Jahreshauptversammlung 2009 wurde Hoeneß schließlich mit über 99 Prozent zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. © MIS/Imago
Beckenbauer Hoeneß
Im Folgejahr übernahm Hoeneß auch das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden, welches zuvor Franz Beckenbauer innehatte. © Sven Simon/Imago
Lastwagen vor der Firma HOWE Wurstwaren KG Manager Uli Hoeneß FC Bayern München
Auch Abseits des Fußballs trieb Hoeneß sein Unwesen. Gemeinsam mit Werner Weiß gründete er 1985 die heutige HoWe Wurstwaren. Das Unternehmen beliefert unter anderem das Oktoberfest-Zelt von Feinkost Käfer und wird mittlerweile von Hoeneß Kindern geleitet. © Bernd Müller/Imago
Uli Hoeness bei der Steuerhinterziehungsverhandlung gegen Uli Hoeneß vor der 5 Strafkammer des Land
Im Jahr 2013 scheint Hoeneß seine Vergangenheit einzuholen. Durch Recherchen von Stern Online geriet der Bayern-Präsident unter Druck und erstattete schließlich Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung. „Am 20. März änderte sich dann mein Leben, morgens um sieben“, sagte Hoeneß später gegenüber der Zeit. An diesem Tag wurde sein Haus am Tegernsee durchsucht und Hoeneß vorläufig festgenommen. © Future Image/Imago
leerer Gefängnisflur Zellengang Zellenflur Gefängnisgang Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech
Im März 2014 wurde Hoeneß in sieben Fällen der Steuerhinterziehung über 28,5 Millionen Euro für schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Doch bereits nach Verbüßung der halben Haftzeit durfte Hoeneß die JVA Landsberg 2016 auf Bewährung verlassen. © Sven Simon/Imago
Uli HOENESS haelt einen Blumenstrauss Jahres Hauptversammlung 2016 des FC Bayern Muenchen e V Wahl
Noch im Jahr seiner Entlassung aus der JVA wird Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung erneut zum Präsident des FC Bayern gewählt. Das Amt hatte er im Laufe des Prozesses abgelegt. Bald übernahm er auch wieder den Vorsitz des Aufsichtsrates. © Sven Simon/Imago
Fussball 1.Bundesliga, FC Bayern Muenchen - FSV Mainz 05
2019 legte er seine offiziellen Ämter beim FC Bayern nieder, doch noch heute ist Hoeneß als Ehrenpräsident Dauergast auf der Ehrentribüne des Rekordmeisters. © Jan Huebner/Imago
Meisterfeier FC Bayern Muenchen auf dem Marienplatz
Am Samstagabend (02.08.2025) wurde Hoeneß laut der Bild aufgrund einer geplatzten Ader ins Krankenhaus eingeliefert. Ihm soll es den Umständen entsprechend jedoch gut gehen. Der deutschen Presseagentur zufolge hat er das Krankenhaus bereits wieder verlassen. © Sven Simon/Imago
Eröffnung Alter Botanischer Garten
Hoeneß gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte des deutschen Fußballs und schuf einst das Fundament für die bis heute anhaltende Dominanz des FC Bayern. Sein Lebenswerk hat ihm bei den Fans den inoffiziellen Titel als Mr. FC Bayern eingebracht. © Ulrich Wagner/Imago
Haben Sie Mitleid mit Sportvorstand Max Eberl?
Mitleid habe ich keines, denn wenn du den Job beim FC Bayern machst, weißt du, dass du anstatt Lob viel öfter Feuer kriegst. Aber diese Begleitumstände machen seine Aufgabe nicht leichter. Wenn der Ehrenpräsident daherkommt und dir erzählt, was du zu tun hast, obwohl du das intern besprochen hast, kann ich mir vorstellen, dass er ab und zu die Faust in der Hosentasche ballen muss.
Die positiven Dinge werden nie erwähnt: Eberl kommt von den Gehaltskosten runter, holt Jonathan Tah und Tom Bischoff ablösefrei. Aber es werden immer nur die Negativsachen erwähnt. Sie rühmen sich mit ihrem Festgeldkonto – da ist aber scheinbar nicht mehr so viel übrig, weil sonst müssten sie nicht leihen, sondern könnten noch einkaufen.
Apropos Leihspieler: Welchen Spieler würden Sie in den letzten Transfertagen noch holen?
So genau weiß ich nicht, wer auf dem Markt verfügbar ist. Aber dass sie vorne was machen müssen, ist klar. Die Decke ist dünn, da darf nicht viel passieren. Im Mittelfeld sind sie gut aufgestellt, in der Offensive sehe ich noch Bedarf. Du wirst alle drei Tage auf höchstem Niveau spielen – das sind keine Maschinen, sondern Menschen, die auch mal durchschnaufen müssen.
Dass es beim FC Bayern turbulent zugehen kann, haben Sie selbst hautnah erlebt. Sie haben 1996 eine legendäre Kabinen-Konfrontation mit Uli Hoeneß nach einer Niederlage in Bremen gehabt. Was ist damals genau passiert?
Das war ein Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen. Damals war Bremen der große Erzfeind – Willi Lemke gegen Uli Hoeneß, das waren Manager-Battles. Wir verloren 0:3, Andy Herzog erzielte einen Doppelpack, bei einem Gegentor sah ich nicht gut aus. Und nach dem Spiel war ich wegen des Adrenalins immer gefährlich. Dann kam Uli Hoeneß in die Kabine, echauffierte sich und sagte: „Markus, was machst du da für einen Scheiß?“
Da bin ich aufgestanden, habe ihn gepackt und war kurz davor, ihm eine zu verpassen. Eine Spielertraube und Betreuer gingen dazwischen. Wenn er noch einen Mucks gemacht hätte, hätte es gescheppert. Man muss wissen: Ich werde jetzt 53, habe in meinem Leben noch nie geschlägert. Aber nach dem Spiel stimmte etwas mit mir nicht. Das Schöne mit Uli: Er ist nicht nachtragend. Meine Entschuldigung zwei Tage später hat er akzeptiert.
Zurück zur Gegenwart: In unserem letzten Interview haben Sie Vincent Kompany für den Umgang mit dem Nachwuchs kritisiert. Rechnen Sie damit, dass mit der neuen Saison Besserung eintritt?
Ich verstehe total, dass er im ersten Jahr auf Bewährtes zurückgriff. Er kam von Burnley und hatte die Riesenchance, Bayern zu trainieren – da gingst du auf Nummer sicher. Was ich nicht verstanden habe: Bei der Klub-WM nahm er fünf, sechs Spieler aus der Akademie mit, traute sich aber nicht, sie zu bringen.
Wird sich jetzt etwas ändern? Die Transferziele Florian Wirtz und Nick Woltemade haben nicht geklappt, der Verein sagt: „Maximal Leihe“ – das ist eine Riesenchance für die Jungen. Ich bin kein Fan davon, ihnen was zu schenken, sie müssen sich das erarbeiten. Aber als Lennart Karl zuletzt gegen Leipzig reinkam, waren das richtig gute Szenen, womit er sich eine zweite Chance verdient hat.
Bleiben wir bei Woltemade: Klappt sein Wechsel zum FC Bayern 2026?
Wenn Nick so weitermacht wie das letzte halbe Jahr, wird Bayern wieder dran sein – aber auch andere Vereine. Er hat eine unfassbare Entwicklung genommen. Der VfB beißt sich heute noch in den Hintern, dass sie ihn nicht für die Champions League nominiert haben. Das ist mal wieder ein richtiger Typ – nicht dieses glattgeschleckte aus der dunklen Zeit à la „Hauptsache die Haare sind schön“. Er kann sich gut artikulieren, kommt aus einem tollen Elternhaus und geht mit Leistung voran. Ich will nicht, dass die halbe Nationalmannschaft in der Premier League rumläuft. Wir müssen unsere Top-Talente in der Bundesliga halten.
Ein Spieler, der von England nach Deutschland wechselte, ist Jobe Bellingham. Jüngst sorgte der Wirbel um den BVB-Neuzugang für Schlagzeilen: Sein Vater konfrontierte Sportdirektor Sebastian Kehl nach dem Remis gegen St. Pauli im Kabinentrakt, weil er mit der Behandlung seines Sohnes unzufrieden war. Wie bewerten Sie das?
Das geht überhaupt nicht. Was sich manche Eltern herausnehmen und wie wichtig sie sich nehmen, ist fast unerträglich. Was glauben die Väter, was sie geleistet haben? Sie haben gar nichts geleistet – nur die Söhne haben Gas gegeben. Das wirst du von Müttern sehr selten sehen, aber die Väter meinen oft, sie sind wichtiger als der Spieler selbst.
Bei allem Respekt und aller Freude, dass er sich für Borussia Dortmund entschieden hat: Der hat gefälligst alles so zu tun, dass der Verein keinen Schaden nimmt. Das war definitiv nicht gut für Dortmund. Ich hoffe, dass Sebastian Kehl dem Vater mal ganz klar die Leviten gelesen hat.
Zum Abschluss: Eintracht Frankfurt ist furios mit 4:1 gegen Werder Bremen in die neue Bundesliga-Saison gestartet. Werden die Frankfurter Bayern-Jäger Nummer eins?
Ich würde es ihnen wahnsinnig gönnen. Als ich vor 14 Jahren nach Hessen gezogen bin, haben die Leute hier gesagt: „Mehr als Platz zwölf, höchstens Platz zehn ist nicht drin.“ Sie haben zunächst über Fredi Bobic und jetzt mit Markus Krösche eine Wandlung hingelegt, die beeindruckend ist. Mit Axel Hellmann haben sie einen überragenden Mann an der Spitze, mit Krösche einen, der herausragend arbeitet. Der Verein wirkt unglaublich harmonisch. Ob sie Bayern-Jäger Nummer eins werden, müssen wir abwarten – aber die Entwicklung ist sensationell.

Interview: Adrian Kühnel

Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat in Kooperation mit casinozondervergunning.net mit Markus Babbel gesprochen

Das Interview mit Markus Babbel fand in Kooperation mit casinozondervergunning.net statt.

Markus Babbel, geboren in München, spielte für den FC Bayern, den Hamburger SV, den FC Liverpool, Blackburn und den VfB Stuttgart. Mit dem DFB-Team wurde er 1996 Europameister. Später war er Trainer in Stuttgart, bei Hertha BSC, der TSG Hoffenheim sowie dem FC Luzern und bei Western Sydney.

Rubriklistenbild: © IMAGO/DeFodi Images, Ulrich Wagner

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