Nach der Pleite im Testspiel

Eintracht Frankfurt bastelt am Traumsturm

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Bundesligist will einen Topangreifer wie Elye Wahi holen – ungeachtet dessen, ob Randal Kolo Muani bleibt oder geht.

Frankfurt – Die erste Pleite schon im zweiten Testspiel, 1:2 gegen einen Viertligisten, mächtig viel Sand im Getriebe, vorne matt, hinten löchrig. Läuft nicht bei Eintracht Frankfurt. Na und, was soll’s? Das Geruckel und Gezuckel ist eingepreist, nervös wird deshalb niemand. Vorbereitung ist Vorbereitung. „Wir nehmen auch Niederlagen bewusst in Kauf“, sagt Trainer Dino Toppmöller, der seine Mannschaft mit reichlich Inhalt füttert. „Es ist relativ viel Input in relativ kurzer Zeit“, bekundet er. „Das geht nicht anders.“ Die Zeit drängt, in nicht mal vier Wochen startet die Bundesliga.

Eintracht Frankfurt
Gründung:8. März 1899
Präsident:Peter Fischer
Mitglieder: 130.000

Eintracht Frankfurt beschäftigt zu viele Spieler

Nun gilt es auch noch, die zurückgekehrten Nationalspieler in den Trainingsbetrieb zu integrieren. „Die Qualität steigt dadurch enorm“, findet Toppmöller, weiß aber auch: „Der Platz ist jetzt voll.“ Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Eintracht beschäftigt zu viele Spieler, mit einem XXL-Kader von fast 40 Mann wird der Fußballlehrer die übrige Vorbereitung nicht bestreiten. Nachwuchskräfte wie Dario Gebuhr oder Elias Baum werden zur U21 zurückkehren, Profispieler wie Jerome Onguene, Ragnar Ache oder Marcel Wenig sollten einen Vereinswechsel in Betracht ziehen. Für andere, wie Igor Matanovic, Faride Alidou oder Davis Bautista, wäre eine Leihe sinnvoll. Denn sie alle eint: Auf große Spielzeit werden sie in Frankfurt eher nicht kommen.

Das gilt auch für Christopher Lenz, zumindest dann, wenn auch noch der 22 Jahre alte Linksverteidiger Niels Nkounkou vom französischen Zweitligisten AS Saint-Etienne verpflichtet wird. Das sieht vielversprechend aus.

In den Fokus der Eintracht geraten: Elye Wahi, 19-facher Torschütze für Montpellier.

Eintracht Frankfurt arbeitet an einer großen Lösung im Sturm

Damit sind die Aktivitäten nicht abgeschlossen, die Eintracht arbeitet zudem an einer großen Lösung im Sturm – und zwar ungeachtet dessen, ob Überflieger Randal Kolo Muani in Frankfurt bleibt oder nicht. Die Verantwortlichen verfolgen das Ziel, einen weiteren Topstürmer zu verpflichten. So einen wie Elye Wahi, der für HSC Montpellier in der vergangenen Saison 19 Tore in der Ligue 1 machte. Der 20-Jährige gilt als heiße Nummer, hat einen Marktwert von 35 Millionen Euro. Die Eintracht ist stark interessiert, zwischen 25 und 30 Millionen müsste sie sicher investieren. Das wäre absoluter Rekord. Sie hat freilich große Konkurrenz bekommen, auch der potente FC Chelsea buhlt um den begehrten Stürmer. Wahi ist in Frankfurt einer von drei, vier Kandidaten, die zum engen Kreis zählen.

Die Strategie der Eintracht, auf jeden Fall noch einen hochkarätigen Angreifer zu holen, ist klug. Denn momentan ist der Markt ruhig, kein Dominostein gefallen, der eine Kettenreaktion in Gang setzen könnte. Das kann aber jederzeit passieren, zumal Berichte, wonach Paris Saint-Germain eine Verpflichtung von Kolo Muani mittlerweile ausschließt, eher mit Vorsicht zu genießen sind. Die Eintracht-Verantwortlichen haben andere Informationen. Die Gefahr besteht also bis Ende August, dass ein Großklub ernst macht, zwischen 85 und 100 Millionen Euro für den französischen Nationalspieler zahlt – und dieser dann mal weg ist.

Eintracht Frankfurt: Das sind die Rekord-Torschützen

Platz 10: Mit 60 Toren belegt Rüdiger Wenzel den zehnten Platz in der ewigen Torschützenliste von Eintracht Frankfurt.
Platz 10: Mit 60 Toren belegt Rüdiger Wenzel den zehnten Platz in der ewigen Torschützenliste von Eintracht Frankfurt.  © sportfotodienst/imago
Platz 8: Lothar Schämer erzielte 65 Tore für die Eintracht und teilt sich damit den achten Platz in der ewigen Torschützenliste mit...
Platz 8: Lothar Schämer erzielte 65 Tore für die Eintracht und teilt sich damit den achten Platz in der ewigen Torschützenliste mit... © sportfotodienst/imago
Platz 8: Erwin Stein, der ebenfalls 65-mal traf.
Platz 8: Erwin Stein, der ebenfalls 65-mal traf. © sportfotodienst/imago
Platz 7: Wolfgang Solz kommt auf 76 Tore im Eintracht-Trikot.
Platz 7: Wolfgang Solz kommt auf 76 Tore im Eintracht-Trikot. © sportfotodienst/imago
Platz 5: Wilhelm Huberts aus Österreich traf 89-mal. Genauso wie...
Platz 5: Wilhelm Huberts aus Österreich traf 89-mal. Genauso wie... © Roland Witschel/dpa
Platz 7: Anthony Yeboah kommt auf auch auf 89 Treffer
Platz 5: Anthony Yeboah kommt auf auch auf 89 Treffer © imago
Platz 4: Eintracht-Legende Jürgen Grabowski kommt auf 130 Tore für seinen Verein.
Platz 4: Eintracht-Legende Jürgen Grabowski kommt auf 130 Tore für seinen Verein. © dpa
Platz 3: Fußballgott Alex Meier knipste 137-mal.
Platz 3: Fußballgott Alex Meier knipste 137-mal. © Armin Weigel/dpa
Platz 2: Bernd Nickel erzielte 168 Tore.
Platz 2: Bernd Nickel erzielte 168 Tore. © Roland Witschel/dpa
Platz 1: Einsame Spitze ist Bernd Hölzenbein (Mitte) mit 202 Toren.
Platz 1: Einsame Spitze ist Bernd Hölzenbein (Mitte) mit 202 Toren. © Roland Witschel/dpa

Eintracht Frankfurt würde Risiko eingehen

Das hätte, je später der Deal über die Bühne gehen würde, für die Eintracht gravierende Nachteile auf dem Markt. Sie müsste, erstens, schnell reagieren und einen Ersatz ins Auge fassen. Und sie müsste, zweitens, damit rechnen, dass dieser Kandidat, quasi über Nacht, zehn bis 20 Millionen Euro teuerer wird, weil ja jeder wüsste, dass Kolo Muani die Frankfurter Schatulle randvoll gemacht hat. So läuft das Geschäft, das sind die Usancen der Branche.

Würde der Klub jetzt einen hochklassigen Angreifer holen, würde er diesen Fallstrick umdribbeln, allerdings finanziell erst einmal in Schieflage geraten. Doch dieses Risiko würde die Eintracht eingehen – und sie würde guten Gewissens mit einem Stürmer wie Wahi und Kolo Muani in die Saison starten, wenn der Shootingstar bliebe. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der 24-Jährige in einem Jahr und nach der EM für genauso viel oder nicht viel weniger Ablöse wechseln könnte, ist hoch. Und die Eintracht hätte für ein Jahr einen Traumsturm am Start.

Große Sicherheit durch Spielerwerte von mehr als 300 Millionen Euro

Auch wirtschaftlich könnte sie das stemmen, zum einen schließt sie das Geschäftsjahr mit einem Gewinn von rund 20 Millionen Euro ab, zum anderen hat sie eine enorme Sicherheit durch ihre Spielerwerte, die sich auf mehr als 300 Millionen Euro belaufen. Das ist Kapital, das nicht auf der Bank liegt, sondern auf dem Rasen läuft. Und ein großer Unterschied zu den vergangenen Jahren, als Akteure wie Dominik Kohr, Stefan Ilsanker, Steven Zuber oder Bas Dost zwar fürstliche Verträge mit hohem Grundgehalt erhielten, aber keine Wertsteigerung brachten. Eine Entwicklung der Werte erreicht man nur über die Entwicklung junger, spannender Spieler. Und das geht über einen Trainer, der diese Spieler entsprechend fördert.

Und: Die Sportliche Leitung geht nach wie vor davon aus, dass Jesper Lindström, Rafael Borré und Djibril Sow den Klub noch verlassen werden. An Lindström ist neben Juventus Turin auch der FC Arsenal und vor allem Newcastle United interessiert. Der schnelle Däne soll zwischen 30 und 35 Millionen Euro bringen. Stürmer Borré könnte sich dem brasilianischen Verein Vasco da Gama anschließen, hinter dem die Investmentfirma „777 Partners“ steht, die ja auch bei Hertha BSC eingestiegen ist. Borré könnte für fünf, sechs Millionen Euro gehen, wäre zudem von der Gehaltsliste verschwunden, der 27-Jährige gehört in Frankfurt zu den Topverdienern. Und Djibril Sow hat dem Verein bereits vor Wochen mitgeteilt, in Zukunft lieber in England spielen zu wollen. Alles in allem könnten diese Deals rund 40, 45 Millionen Euro bringen, weshalb der Klub auch eine Transferunterdeckung von 30 Millionen akzeptieren würde – und ihren teuersten und besten Spieler noch immer in ihren Reihen hätte. Klingt ganz plausibel. (Ingo Durstewitz)

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