VonDaniel Michelschließen
Karl-Heinz Rummenigge kartet gegen Ex-Coach Thomas Tuchel nach. Was macht Vincent Kompany beim FC Bayern nun besser? Der Trainer-Vergleich.
München – Thomas Tuchel trainierte den FC Bayern zwischen Frühjahr 2023 und Sommer 2024. Einzig die Meisterschaft 2023 hat Tuchel in letzter Sekunde gesichert, ansonsten lassen die Verantwortlichen in München kein gutes Haar an der Zusammenarbeit mit dem eigenwilligen Coach. Karl-Heinz Rummenigge nutzte nun einen Auftritt bei der BR-Sendung Blickpunkt Sport, um gegen Tuchel nachzutreten.
„Der Teamspirit ist zurückgekehrt. Der ist bei Thomas Tuchel ein bisschen verloren gegangen“, sagte Rummenigge und legte nach: „Da ist, was Empathie betrifft, nicht sehr gut und ausreichend gearbeitet worden.“ Einige Monate zuvor hatte der 70-Jährige, der von 2002 bis 2021 Vorstandsvorsitzender des FC Bayern war, auch den Umgang von Tuchel mit Mittelfeld-Akteur Leon Goretzka kritisiert.
Der Teamgeist erreicht ein neues Level beim FC Bayern
Absolut Fussball, das Fußball-Portal vom Home of Sports, macht deshalb den Tuchel-Kompany-Vergleich. Haben die Münchner nach über einem Jahr nun endgültig alle Tuchel-Laster abgelegt? In Sachen Teamgeist hat Rummenigge mit seinem TV-Auftritt klargestellt, dass unter Tuchel die Menschenführung und der Teamspirit gelitten haben.
Trainer Vincent Kompany hat diese zwei Makel beseitigt. Alle Beteiligten schwärmen von der sozialen Kompetenz des belgischen Coaches und dem Teamspirit, der in der Mannschaft vorherrscht. Tatsächlich unternehmen auch viele Spieler privat etwas miteinander, zwei spontane Wiesn-Besuche sprechen für die gute Stimmung in München.
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Sportlich nahm Thomas Tuchel einst eine wesentliche Änderung im zentralen Mittelfeld vor. Für ihn war Joshua Kimmich kein idealer Sechser. Er versetzte ihn auf die rechte Abwehrseite. Kompany nahm diese Entscheidung zurück und ließ Kimmich im Mittelfeld spielen. Unter Experten bleibt umstritten, ob Kimmich ein Sechser auf Top-Niveau ist. Man denke an seinen „Schlafmützen-Moment“ gegen Inter.
Die Konsequenz in der Personalie Kimmich hatte zur Folge, dass Thomas Tuchel einen defensiver ausgerichteten Sechser verpflichten wollte. Der Transfer von João Palhinha platzte in letzter Sekunde. Der Portugiese wurde aber ausgerechnet im Sommer 2024 im zweiten Anlauf geholt, da war Tuchel allerdings schon entlassen.
Kompany konnte in der vergangenen Saison wenig mit dem Tuchel-Erbe eines defensiven Sechsers anfangen. Palhinha kam kaum zum Einsatz, mittlerweile er auf Leihbasis für Tottenham Hotspur und blüht auf. So gilt es als wahrscheinlich, dass die Londoner ihre Kaufoption wahrnehmen. Der FC Bayern wäre dann ein weiteres unpassendes Tuchel-Erbe los.
Auch taktisch geht Kompany die Spiele anders an, was teamintern gut ankommen soll. Kompany setzt in großen Teilen des Spiels auf hohes Pressing und einen offensiven Spielstil. Abzulesen ist dies zum Beispiel an der Laufleistung: Unter Kompany sind die Bayern eine der lauffreudigsten Mannschaften in Europa, unter Tuchel waren sie eine der lauffaulsten Teams in der Bundesliga.
Allerdings hat jede Ausrichtung ihre Berechtigung: Tuchel ging es es darum, die Defensive zu stabilisieren. Angesichts eines für seine Vorstellungen kleinen Kaders, wollte er zudem mit einer kontrollierten Spielweise Kräfte sparen. Festzuhalten ist: Kompany sorgt mit seiner Spielphilosophie für mehr Spektakel und hat die Spieler dafür hinter sich.
Zuletzt hat sich Kompany auch eine komplett andere PR- und Kommunikationsstrategie in der Öffentlichkeit zugelegt. Er kritisiert keine einzelnen Spieler, selbst wenn sie Fehler begehen. Er dreht nahezu jedes Thema ins Positive oder sagt eben nichts dazu, um keine Angriffsfläche zu bieten. Tuchel setzte dagegen auch mal darauf, mit einer „Stunk-PK“ Spieler zu reizen und zu besseren Leistungen zu motivieren.
Tuchel und Kompany tun sich schwer mit Talentförderung beim FC Bayern
Zuletzt geht es noch um die Talentförderung beim FC Bayern. Auf den ersten Blick ähneln sich beide Coaches in ihrem Vorgehen: Für den Erfolg lassen sie die besten Spieler auflaufen, rotieren und wechseln dafür einen Tick zu wenig, was zumindest als Mit-Ursache für jeweils einen schwachen Saisonendspurt mit verletzten und energielosen Spielern gelten kann.
Tuchel baute Talent Aleksandar Pavlović in die Mannschaft ein, was allerdings notgedrungen geschah, weil er zu viele verletzte Spieler zu beklagen hatte. Kompany hat in seiner ersten Saison gar keine Talente gefördert, wird aber nun intern und öffentlich massiv dazu gedrängt, weshalb in der zweiten Saison vor allem Talent Lennart Karl seine Spielzeiten erhält.
Fazit: Kompany macht in wesentlichen Bereichen vieles deutlich anders als sein Vorgänger Thomas Tuchel, der jetzt die englische Nationalmannschaft trainiert. Doch erst die für Trainer verfluchte zweite Bayern-Saison wird zeigen, ob die „Anti-Tuchel-Methoden“ von Kompany sportlich mehr Erfolg erbringen.
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