FC Bayern-Fluch im zweiten Jahr: Bei Kompany müssen die Alarmglocken schrillen
VonDaniel Michel
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Der FC Bayern bereitet sich auf Saison 2025/26 vor: Kann Vincent Kompany den Fluch des zweiten Jahres brechen, der zahlreiche Vorgänger das Amt kostete?
München – Der FC Bayern bestreitet am Samstag gegen Olympique Lyon sein erstes Testspiel zur Vorbereitung auf die neue Saison 2025/26. Für Trainer Vincent Kompany beginnt eine besonders Saison, denn er muss wissen: Nahezu kein Trainer des FC Bayern übersteht die zweite Saison! Eine alarmierende Statistik, die beim 39-Jährigen die Alarmglocken schrillen lassen müssen.
Seit der Ära Pep Guardiola (2013 – 2016) ist kein Cheftrainer der Münchner zwei Jahre im Amt geblieben. Ein Überblick: Carlo Ancelotti wollte in seiner 2. Bayern-Saison 2017/18 einen Umbruch einleiten. Doch nach einer Klatsche bei Paris Saint-Germain rebellierten die Stars. Das war zu viel, um den Italiener, der heute mit der erfolgreichste Trainer der Welt ist, zu halten. Für Ancelotti sprang Legende Jupp Heynckes ein, der aber nur bis zum Sommer 2018 in München bleiben wollte.
Kovac musste zu Beginn der 2. Saison den FC Bayern verlassen
Eine neue Chance sollte dann 2018/19 der junge Trainer Niko Kovac erhalten. Er stand schon in der ersten Saison auf der Kippe. Alle Beteiligten rauften sich aber zusammen, weshalb das Double heraussprang. Doch schon im Herbst der nächsten Saison waren die Münchner nach einer Blamage bei Eintracht Frankfurt am Boden zerstört und nur noch punktgleich mit dem Tabellen-Fünften der Bundesliga. Kovac musste gehen.
Es übernahm Co-Trainer Hansi Flick, der unter den besonderen Umständen der Corona-Zeit den FC Bayern zum Sextuple führte. Doch Probleme vor allem mit Manager Hasan Salihamidzic entnervten Flick. Er gab im Juni 2021 sein Amt auf. Damit war auch er als Cheftrainer des FC Bayern (605 Tage) nicht über die Zwei-Jahres-Marke hinaus gekommen.
Spätstart, Fanliebling und Familiendrama – das Leben von Bayern-Königstransfer Luis Diaz
Auf Flick folgte 2021/22 der 33 Jahre alte Julian Nagelsmann, der beim FC Bayern mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet wurde. Dennoch feuerten die Münchner Nagelsmann schon während seiner zweiten Saison. Die Klub-Führung sah nach einem Formtief die sportlichen Ziele in Gefahr. Zudem gab es wohl atmosphärische Störungen mit Nagelsmann. Der heutige Bundestrainer sagte zuletzt, er sei 2021 zu früh von RB Leipzig zum FC Bayern gewechselt.
Mit dem Star-Trainer Thomas Tuchel wollte der FC Bayern dann jedenfalls alles richtig machen. 2023 wurde die Meisterschaft noch in letzter Sekunde gerettet, doch schon 2023/24 wurde Tuchel während der Saison der Laufpass gegeben. Allerdings durfte Tuchel bis zum Saisonende bleiben, auch wenn nach elf Jahren erstmals die Meisterschaft wieder an einen Konkurrenten ging (Bayer Leverkusen).
Tuchel-Nachfolger Vincent Kompany meisterte nun seine erste Saison 2024/25 beim FC Bayern gut. Kompany gelingt es, sich in der öffentlichen Kommunikation keine Fehltritte zu erlauben. Er ließ zudem in der Bundesliga nahezu immer die beste zur Verfügung stehende Mannschaft auflaufen, um die Meisterschale zurückzuerobern. Auch sorgte der Belgier intern für eine beruhigende, angenehme Stimmung.
Kritikpunkte an Vincent Kompany in seinem ersten FC-Bayern-Jahr
Kritikpunkte an Kompany sind dagegen: In den Pokal-Wettbewerben war relativ früh gegen Leverkusen (DFB-Pokal-Achtelfinale) und Inter Mailand (CL-Viertelfinale) Schluss. Zudem baute Kompany kaum Talente ins Team ein, wirkte bei Top-Spielen unerfahren und setzte zu sehr auf die Physis seiner Mannschaft, wodurch eine große Rotation ausblieb und im Frühjahr den Spielern die Fitness fehlte oder Verletzungen folgten.
Auf diese Faktoren wird es nun für Kompany ankommen. Im zweiten Jahr eines Bayern-Trainers müssen sich nicht nur die Spieler stets steigern und entwickeln, sondern auch der Trainer. Überraschenderweise verstehen diese Voraussetzung viele Bayern-Coaches nicht.
Julian Nagelsmann sagte zum Beispiel vor dem Start seiner zweiten Saison sinngemäß, dass er bei sich nicht viel ändern müsse. Eine brutale Fehleinschätzung. Auch sollte Kompany wissen, dass man sich im zweiten Jahr eher sportlich steigern muss beim FC Bayern, sonst entsteht Unruhe. Darüber hinaus haben ihm die Klub-Bosse deutlich zu verstehen gegeben, nun Bayern-Talenten Spielzeit zu geben.
Wird Kompany einer der wenigen Trainer im neuen Jahrtausend sein, die den FC Bayern auch noch in einem dritten Jahr coachen dürfen? Eine Prognose ist nur schwer abzugeben. Fest steht: Das zweite Jahre wird für einen Trainer beim deutschen Rekordmeister (fast) immer toxisch.