Sogar die Mutter war in der Leitung

Bayern-Scheitern bei Wirtz: Pikantes Telefongespräch enthüllt neue Details

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Der FC Bayern wollte Florian Wirtz unbedingt. Aber ein pikantes Telefongespräch enthüllt brisante Details. So scheiterte der Mega-Deal wohl wirklich.

München – Der FC Bayern München wollte Florian Wirtz unbedingt nach München holen. Doch der 22 Jahre alte Nationalspieler entschied sich für den FC Liverpool. Jetzt kommen pikante Details über die gescheiterten Bayern-Bemühungen ans Licht. Ein brisantes Telefongespräch zwischen Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen und Leverkusen-Geschäftsführer Fernando Carro offenbart die ganze Dramatik des Transfer-Pokers.

Der FC Bayern kassierte im Wirtz-Poker eine empfindliche Transfer-Schlappe.

Wie die Sport Bild berichtet, klingelte Dreesen Anfang Mai bei Carro durch, um den Wirtz-Transfer voranzutreiben. In dem Telefongespräch teilte der Bayern-Vorstandsboss dem Leverkusen-Chef mit, dass der FCB Wirtz verpflichten werde und bat um Ablöseverhandlungen. Doch Carro hatte eine pikante Überraschung parat: Der Leverkusen-Boss hatte angeblich zeitgleich Karin Wirtz, die Mutter des Spielmachers, auf der zweiten Leitung.

Wirtz-Mutter verneint Bayern-Einigung am Telefon

Die Reaktion des Bayer-Geschäftsführers war eindeutig. Carro stellte gegenüber Dreesen klar, dass er sich einen Transfer von Wirtz nach München nicht vorstellen könne, wie die Sport Bild enthüllt. Nach Beendigung des Telefonats mit dem Bayern-Boss führte Carro das Gespräch mit Mama Wirtz fort und sprach sie direkt darauf an, ob es tatsächlich eine Einigung mit Bayern gebe. Die Antwort der Wirtz-Mutter war ernüchternd für die Münchner: Sie verneinte eine solche Vereinbarung komplett.

Doch Dreesen gab nicht auf. Etwas später, Mitte Mai, suchte der Bayern-Vorstandsboss bei einer Tagung in Leverkusen erneut das Gespräch mit Carro. Wieder fragte er nach Verhandlungen über eine Wirtz-Ablöse, die er gemeinsam mit Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge führen wollte. Doch Carro, der um ein Treffen von Wirtz mit dem FC Liverpool drei Tage zuvor wusste, winkte wieder ab.

Bayern gegen Bayer – der neue Hass-Gipfel

 FC Bayern München feiert zum Saisonabschluss auf dem Münchener Marienplatz
Die Saison 1999/2000 hat sich sicherlich in das Gedächtnis der Leverkusener Fans eingeprägt. Damals verspielte Bayer die Meisterschaft am letzten Spieltag gegen Aufsteiger SpVgg Unterhaching (0:2), sodass die Münchener im Klassement doch noch vorbeiziehen konnten. © IMAGO/Ulmer
Christoph Daum und Roland Koch
Fassungslos beim Auswärtsspiel gegen Unterhaching am 20. Mai 2000: Bayer-Cheftrainer Christoph Daum (links) und Co-Trainer Roland Koch. Der Tag gilt als der Inbegriff für den lange gebräuchlichen Begriff „Vizekusen“. © IMAGO / Contrast
Stefan Beinlich (li.) tröstet Michael Ballack nach dessen Eigentor, im Hintergrund Torwart Matysek
Stefan Beinlich (links) tröstet den untröstlichen Michael Ballack nach dessen Eigentor für Bayer am letzten Spieltag gegen Unterhaching und der verspielten Bundesliga-Meisterschaft. © IMAGO/WEREK
Michael Ballack im Bayern-Trikokt
Von wegen Michael Ballack: Der gebürtige Görlitzer spielte erstmals von 1999 bis 2002 bei der Leverkusener Werkself (79 Spiele, 27 Tore), hier feierte er seinen großen Durchbruch, konnte mit dem Team aber lediglich zwei Vize-Meisterschaften gewinnen. Auch im Champions-League-Finale 2002 und im DFB-Pokal-Finale 2002 patzte Bayer. Anschließend wechselte Ballack zum Rivalen nach München (107 Spiele, 44 Tore) und gewann binnen vier Spielzeiten satte drei „Double“ mit dem Rekordmeister. Nach Leverkusen kehrte er nach seinem Aufenthalt in Chelsea 2010 zurück und blieb dort zwei Jahre. © IMAGO/Contrast
Uli Hoeneß und Rudi Völler
Zwei Männer, die symptomatisch als Lautsprecher für ihren Verein stehen: Uli Hoeneß (links), damaliger Bayern-Manager, und Leverkusens früherer Sportdirektor Rudi Völler im TV-Interview am Rande des DFB-Pokal-Viertelfinalspiels (2008/09) zwischen Bayer 04 und dem FC Bayern. Die Werkself gewann das Duell damals spektakulär mit 4:2, scheiterte am Ende im Finale aber gegen Bremen und wurde einmal mehr „nur“ Zweiter. © IMAGO/Ulmer
Manuel Neuer pariert Elfmeter
Auch er gehört zu den Protagonisten der jüngeren Geschichte des „Hass-Gipfels“ zwischen München und Leverkusen: Bayern-Keeper Manuel Neuer, der nicht selten die Träume der Werkself mit starken Leistungen zunichtemachte. So auch im März 2015, als er seinen Farben im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Bayer den Halbfinaleinzug im Elfmeterschießen sicherte. © IMAGO/Team 2
Lewandowski-Torjubel nach Tor gegen Leverkusen
Fakt ist: Spiele zwischen Bayern und Bayer leben nicht selten von einer besonderen Dramaturgie. So auch beispielsweise am 19. Dezember 2020, als Münchens Top-Goalgetter Robert Lewandowski den deutschen Rekordmeister auswärts zum 2:1-Sieg schoss – in der dritten Minute der Nachspielzeit. © IMAGO/Kirchner-Media
Jubel Jeremie FRIMPONG (LEV) nach seinem Tor zum 3:0.
In 45 Bundesliga-Jahren landete die Werkself in der Abschlusstabelle nur vier Mal vor dem FC Bayern. Letztmalig glückte ihr das in der Saison 2023/24, beim Gewinn der deutschen Meisterschaft. Das Rückspiel gegen die Münchener, nach einem 2:2-Remis im Hinspiel, gewann Bayer mit 3:0. Den finalen Treffer bejubelt Torschütze Jeremie Frimpong (Mitte) in dieser Szene. © IMAGO/Anke Waelischmiller/Sven Simon
Xabi Alonso
Nach der Leverkusener Erfolgssaison 2023/24 stand vor allem er im Fokus: Xabi Alonso. Auch der FC Bayern soll mehr als heiß auf den Bayer-Cheftrainer gewesen sein. Der ließ jedoch jegliche Anwerbeversuche abblitzen und blieb Leverkusen treu. © IMAGO/Hesham Elsherif
Jonathan Tah
Ein weiteres jüngeres Kapitel, das den „Hass-Gipfel“ mit Emotionen und Gesprächsstoff anreicherte: die anvisierte Verpflichtung von Nationalspieler Jonathan Tah durch den FC Bayern. Die Transferverhandlungen schienen schon recht weit fortgeschritten zu sein, Tah wollte angeblich weg von Leverkusen, letztendlich zeigten sich die Bayer-Verantwortlichen mit dem Gebot des Rekordmeisters nicht einverstanden und der Wechsel platzte. Nun will Tah Leverkusen spätestens im Sommer verlassen. Ob zu den Bayern oder zu einem anderen Verein? Man wird es sehen. © IMAGO/Kolvenbach
Carro und Eberl
Leverkusen-Boss Fernando Carro und Bayern-Sportvorstand Max Eberl gerieten nach dem Bayer-Titel im Jahr 2024 aneinander. Oder besser gesagt: Der Bayer-Verantwortliche teilte gen München aus. Bei einer internen Fan-Veranstaltung in Leverkusen bekundete er: „Ich halte von Max Eberl nichts, absolut nichts. Ich würde nicht mit ihm verhandeln.“ Blöd nur: intern blieb diese Aussage natürlich nicht, sondern sorgte beim Rekordmeister für Kopfschütteln. Später kam allerdings auch raus: Die Beziehung beider „Macher“ ist offenbar vorbelastet, was mit dem einstigen Wechsel von Starspieler Florian Wirtz von der Jugend des 1. FC Köln zu Bayer zusammenhängt, wie etwa die Bild berichtete. Eberl, damals in Mönchengladbach tätig, äußerte sich kritisch über den Wechsel, da es eine informelle Vereinbarung zwischen einigen West-Vereinen gab, keine Jugendspieler abzuwerben. Carro hingegen sah Eberls Kommentare als problematisch an, besonders weil Gladbach und auch Bayern Interesse an Wirtz gezeigt hatten. © IMAGO/Julian Meusel / SVEN SIMON
Florian Wirtz
Von wegen Florian Wirtz: Der deutsche Nationalspieler gilt spätestens nach Bayers Erfolgssaison als höchst begehrt. Zu den Interessenten, na klar, sollen auch die Münchener zählen. B04-Boss Fernando Carro will aber freilich nichts verschenken und fordert rund 150 Millionen Euro Ablöse. Einfach will es die Werkself dem Rekordmeister nicht machen, ihren Leistungsträger loszueisen. © IMAGO/pepphoto / Sascha Weiz

Der Leverkusen-Boss machte Dreesen wenig Hoffnung. Er gehe nicht davon aus, dass der deutsche Nationalspieler zum FCB wechselt, ließ er den Bayern-Vorstandschef wissen. Die Situation wurde für Bayern immer aussichtsloser. Obwohl Carro letztlich dann doch Verhandlungen zustimmte, nachdem Wirtz auch den Bayern einen persönlichen Besuch abgestattet hatte, war es für den deutschen Rekordmeister bereits zu spät.

Zu den Gesprächen mit Leverkusen kam es nämlich gar nicht mehr. Grund: Wirtz und sein Vater Hans informierten sowohl den FCB als auch Bayer am 23. Mai darüber, sich für Liverpool entschieden zu haben, wie die Sport Bild enthüllt. Tags darauf teilte Bayerns Präsident Herbert Hainer dann öffentlich mit, dass Wirtz zu einem Wechsel an die Anfield Road tendiere.

Der Transfer wurde schließlich im Juni offiziell. Liverpool zahlte für Wirtz 125 Millionen Euro Sockelablöse an Bayer, die mit Bonuszahlungen noch auf bis zu 150 Millionen Euro ansteigen kann. Beim englischen Meister hat der 22-Jährige bis 2030 unterschrieben und konnte bei seinen ersten Testspielauftritten für den neuen Verein bereits überzeugen.

FC Bayern kassiert im Wirtz-Poker schmerzhafte Transfer-Pleite

Für die Bayern bleibt die bittere Erkenntnis, dass sie trotz intensiver Bemühungen und direkter Kontakte zur Leverkusen-Führung den Kampf um Deutschlands größtes Talent verloren haben. Die pikanten Details des Telefon-Hin-und-Hers zwischen Dreesen und Carro zeigen, wie verzweifelt Bayern um Wirtz kämpfte und wie früh Liverpool bereits die besseren Karten hatte. Während die Münchner noch auf Verhandlungen hofften, war Wirtz längst auf dem Weg nach England.

Ein Transfer-Poker, der für Bayern mit einer der schmerzhaftesten Niederlagen der jüngeren Vereinsgeschichte endete. Die brisanten Telefongespräche offenbaren, wie nah die Bayern dem Deal waren und doch so fern. Am Ende siegte Liverpool in einem der spektakulärsten Transfer-Duelle der vergangenen Jahre. Neuerdings sorgt der FC Bayern für Erstaunen mit einem überraschenden Transfervorhaben. (ck)

Rubriklistenbild: © Sportimage/Lackovic/Imago

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