Bayern-Tanz um VfB-Star Woltemade wirkt respektlos und verzweifelt
VonNiklas Noack
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Der FC Bayern München liebäugelt mit einer Verpflichtung von Nick Woltemade, der an den VfB Stuttgart fest gebunden ist. Etwas respektlos, wie Reporter Niklas Noack findet.
Stuttgart/München – Das Fußballgeschäft ist schmutzig, das wissen wir. Vieles davon passiert im Verborgenen, gerade, was Transfers angeht. Da werden gerne Gerüchte gestreut, um die jeweiligen Interessen zu verfolgen – ob von Spielerberatern oder Klubbossen.
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Immer wieder kochen Gerüchte um Nick Woltemade hoch
Öffentlich wiederum lassen die Beteiligten oft Vorsicht walten und flüchten sich in Floskeln oder äußern sich gar nicht. Werden Vereinsverantwortliche auf mögliche Neuzugänge angesprochen, heißt es dann häufig, man äußere sich nicht zu Profis, die bei anderen Klubs unter Vertrag stehen. Das sei schließlich respektlos.
VfB-Boss Wehrle: „Wir gehen mit Nick in die nächste Saison. Punkt!“
Spekulationen, die VfB-Boss Alexander Wehrle selbstbewusst und umgehend im Keim ersticken wollte. Die Bayern können demnach die Fühler „ausstrecken, wie sie wollen“, denn: „Nick ist unser Spieler und der wird auch nächste Saison mit uns Fußball spielen.“ Eine Basta-Ansage, die Wehrle, fast im Stile eines Uli Hoeneß, vor kurzem gegenüber der Stuttgarter Zeitung nochmal bekräftigte: „Wir gehen mit Nick in die nächste Saison. Punkt!“
Deutlicher, könnte man meinen, kann eine Absage gar nicht klingen. Vor allem, wenn das Stuttgarter Selbstbewusstsein darauf basiert, dass der VfB alles in der Hand hat, weil Woltemade bei den Schwaben einen Vertrag bis 2028 ohne Ausstiegsklausel unterschrieben hat. Doch in München scheint man diese Statements nicht ganz ernst zu nehmen. So sagte Sportdirektor Christoph Freund am Rande der Klub-WM: „Der Nick spielt richtig gut, ist sehr gut in Form. Ein deutscher Spieler, der sehr, sehr interessant ist.“
Klar, konkretes Bemühen um den DFB-Star der U21-EM bestätigt er damit nicht. Sparen kann man sich diese Aussage dennoch, um einem konkurrierenden Klub den nötigen Respekt entgegenzubringen. Man stelle sich vor, Real Madrid würde öffentlich mit einem Transfer von Bayerns Star Jamal Musiala kokettieren? Was wäre da nur los unterm Dach des Klubhauses an der Säbener Straße? Man benötigt nicht viel Vorstellungskraft, um einen wutentbrannten Uli Hoeneß vor Augen zu haben.
Apropos Musiala. Der ist übrigens mit Florian Wirtz befreundet. Nicht, dass Wirtz, um den die Bayern jüngst das zähe Transferringen gegen den FC Liverpool verloren haben, noch auf die Idee kommt, Musiala nach England lotsen zu wollen. Das würden die Bayern wohl nicht witzig finden. Dass FCB-Mittelfeldspieler Aleksandar Pavlovic sich aber öffentlich dazu äußert, seinen Kumpel Woltemade gerne im Bayerntrikot sehen zu wollen, dürfte die Münchner Chefetage dagegen nicht stören.
Deren Tanz um Woltemade herum ist derweil nicht nur bedingt despektierlich gegenüber dem VfB, sondern wirkt außerdem etwas verzweifelt. Gerade nach dem gescheiterten Wechsel von Wirtz, der die Premier League bevorzugte. Eine Absage, die das Ego der Bayernbosse durchaus ankratzte. Da kann man schon mal die ein oder andere Höflichkeitsformel vergessen.