Beim FSV Mainz 05 ist die Vorfreude auf die neue Saison riesengroß - daran ändert auch eine Nullnummer gegen Racing Straßburg nichts.
Mainz – Dass um Mainz 05 herum eine für diesen Standort beispiellose Begeisterung ausgebrochen ist, daran kann es seit Samstag, 18 Uhr, keinen Zweifel mehr geben. Denn genau um diese Uhrzeit begann hinter der Haupttribüne der Arena die große Autogrammstunde der Profis. Und siehe da: Die Schlange, die sich bildete, war gewiss mehr als hundert Meter lang.
„Schöne Euphorie, die wir entfacht haben, jetzt wollen wir diese Welle weiterreiten“, sagte Torwart Robin Zentner. Der Fast-Zwei-Meter-Mann hatte seine Bude wunderbar sauber gehalten im Saisoneröffnungsspiel gegen Racing Straßburg.
Zentner: „Ich bin froh, dass ich ein paar Bälle halten konnte.“
Jedoch: Die wieselflinken Gäste, Siebte der ersten französischen Liga und allesamt kaum älter als 20, rannten immer mal wieder allein auf Zentner zu, der mehrfach in großer Not retten musste. „Ich bin froh, dass ich ein paar Bälle halten konnte. Aber klar sollte das nicht passieren. Wir haben die Gefahren manchmal zu spät erkannt.“
Gefahrenabwehr steht auch in den nächsten zwei für Stimmung und Sport sehr entscheidenden Wochen ganz weit oben auf der Agenda. Zunächst muss am kommenden Montag im DFB-Pokal die Gefahr Dynamo Dresden gebannt werden. Eine heikle Aufgabe gegen den angeschlagenen Zweitligaaufsteiger. Dann muss nur drei Tage später im Hinspiel der Conference League-Qualifikation die Gefahr Rosenborg Trondheim oder Hammarby IF (Stockholm) gebannt werden.
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In der Mainzer Führungsetage verraucht der Ärger darüber, dass das Pokalauswärtsspiel in Dresden und das Europapokal-Auswärtsspiel vor dem Bundesliga-Saisonauftakt in zwei Wochen daheim gegen den 1. FC Köln so eng getaktet wurden, nur mühsam.
Keeper Zentner sieht es dagegen in der ihm eigenen Nüchternheit pragmatisch: „Ich kann ja als Spieler auch nicht sagen, morgen ist schon um neun Training, mir wäre aber elf Uhr lieber. Ich habe das zur Kenntnis zu nehmen.“
Nebels ungewohnte Fehlpässe
Natürlich sollten die Rheinhessen dieses Programm unbedingt gut hinkriegen, andernfalls hätten sie sich mit dem Hintern all das wieder umgeworfen, was sie sich in der vergangenen Saison so mühsam aufgebaut haben. „Wir sind bereit für Dresden“, verspricht der notorisch gut gelaunte Trainer Bo Henriksen nicht nur einmal, sondern sicherheitshalber gleich zweimal und dreimal.
So ganz passgenau war das gegen die aufmüpfigen Straßburger allerdings nicht zu erkennen. Einer wie der zurecht hochgelobte Paul Nebel etwa spielte zwei hanebüchene Fehlpässe, die um ein Haar zu Gegentoren geführt hätten. Die laut Henriksen „schnelle Dreierkette“ wirkte gegen die noch viel schnelleren Franzosen etwas lahm in Kopf und Beinen.
Dauerkartenrekord beim FSV
Vorne mühte sich Zehn-Millionen-Euro-Neuzugang Benedict Hollerbach sichtlich, spielte jedoch mitunter arg kompliziert und verhedderte sich vor 11.500 Zuschauern deshalb bisweilen.
Die Stimmung drückt eine solche Nullnummer aber natürlich nicht, zumal die zweiten Garnituren beider Klubs sich schon am Morgen 2:1 aus Mainzer Sicht getrennt hatten. Und noch ein paar schöne Sachen gibt es von den Nullfünfern zu vermelden.
Dauerkartenrekord, weit mehr als 20 000 und somit 2500 mehr als vergangene Saison, schon 23 000 verkaufte Tickets für Rückspiel der Conference League am 28. August, sowie: Das erste Bundesliga-Heimspiel gegen Köln am 24. August war binnen zwei Tagen restlos ausverkauft. Und nach der Nullnummer gegen Straßburg hab es so fast viel Beifall vom dankbaren Publikum wie nach einem Kantersieg.