VonChristoph Klauckeschließen
Die IBU prüft eine neuartige Startregel, die in der Biathlon-Szene für Aufsehen sorgt. Etliche Spitzenathleten sind verärgert und fühlen sich übergangen.
Anif – Die Internationale Biathlon Union (IBU) hat eine Regeländerung angekündigt, die in der kommenden Weltcupsaison sowohl die Disziplinen Sprint als auch Einzel betrifft. Diese Änderung wird zunächst während der Weltcupwochen im November und Dezember auf Probe getestet. Ziel der neuen Regelung ist es, die Rennen bis zum Schluss spannend zu halten.
Regeländerung im Biathlon ab kommender Wintersport-Saison
Konkret bedeutet die Regeländerung, dass die besten 15 Athleten der Weltcup-Gesamtwertung künftig mit einer Startnummer zwischen 46 und 75 ins Rennen gehen. Bisher konnten die Topathleten ihre Startgruppe frei wählen und entschieden sich meist für eine niedrige Nummer, um von besseren Streckenbedingungen zu profitieren.
Die IBU hofft, dass durch die spätere Startzeit der Spitzenathleten das Rennen für die TV-Zuschauer bis zum Schluss offen bleibt. Die besten Athleten jedes Landes, die nicht zu den Top 30 im Weltcup gehören, sollen die Rennen eröffnen. Die Entscheidung sei in Abstimmung zwischen dem Technischen Komitee der IBU, der Athletenkommission sowie mehreren nationalen Verbänden gefallen. Zum ersten Mal wird das System Ende November beim Weltcup-Auftakt im finnischen Kontiolahti angewendet, dann werden die Startgruppen nach der Gesamtweltcup-Platzierung des Vorjahres zusammengestellt.
Überraschende Regeländerung im Biathlon-Weltcup – Top-Stars fassungslos
Die Reaktionen der Athleten auf die Regeländerung, die auf Widerstand bei der Biathlon-Elite stößt, sind überwiegend kritisch. Der Norweger Vetle Sjastad Christiansen äußerte: „Ich bin mit diesem Vorschlag nicht glücklich. Wenn die Besten im Weltcup unter den letzten Startern sind, werden sie schlechtere Bedingungen haben als die, die weniger stark sind.“ Auch die Schwedin Elvira Öberg zeigte sich gegenüber der Zeitung Expressen unzufrieden: „Ich bin kein Fan davon. Die Loipe verschlechtert sich oft und dann gibt es viele Nachteile für uns Athleten.“ Der Deutsche Philipp Nawrath ergänzte im Gespräch mit chiemgau24: „Ich halte das für keine gute Idee. Es ist meist ein Vorteil, in der ersten oder zweiten Gruppe starten zu dürfen und das erarbeitet man sich durch gute Leistungen.“
Auch der norwegische Biathlet Johannes Thingnes Bø äußerte Bedenken, dass die Regeländerung das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken könnte. „Wenn die Leute auf Biathlon umschalten und nichts von den Besten sehen, werden sie den Sender wechseln und man wird Zuschauer verlieren. Niemand will 40 Minuten vor dem Liegendschießen der Spitzenathleten zuschauen“, sagte Bø gegenbüer TV2.
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Kritik an Entscheidungsprozess der Regeländerung im Biathlon
Sturla Holm Lægreid, ebenfalls aus Norwegen, kritisierte den Mangel an Kommunikation und Einbeziehung der Athleten in den Entscheidungsprozess. „Es ist schade, dass wir nicht früher einbezogen wurden. Denn ich denke, wir haben auch eine Menge guter Ideen“, beklagte Lægreid bereits vor der Regeländerung bei TV2. Trotz der Kritik bleibt die IBU bei ihrem Plan, die Regeländerung zu testen.
Die IBU hat jedoch eine gewisse Flexibilität eingeräumt: Bei außergewöhnlichen Wettersituationen kann die Wettkampfjury entscheiden, dass die Topathleten zu Beginn des Wettkampfs starten, um ihnen keine Nachteile entstehen zu lassen. Die kommenden Tests der Regeländerung werden zeigen, ob die neue Regelung tatsächlich zu spannenderen Rennen führt oder ob Anpassungen nötig sind. (ck)
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