Pascal Groß

Poker um Pascal Groß: Eintracht braucht Plan B

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Lässt das Bällchen wahrscheinlich bald in Dortmund tanzen: Nationalspieler Pascal Groß.
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Eintracht Frankfurt hat den wohl zum BVB tendierenden Pascal Groß nicht abgeschrieben, orientiert sich auf dem Transfermarkt aber um.

Als vor einigen Tagen schon einmal Spekulationen aufkamen, wonach der BVB seine Fühler ausstrecken würde nach dem deutschen Nationalspieler Pascal Groß, zuckten einige im Eintracht-Zirkel verschreckt auf. Denn der 33 Jahre alte Groß gilt als Transferziel Nummer eins bei dem Bundesligisten aus dem Hessischen. Er soll die Vakanz füllen, die der Abgang von Kapitän Sebastian Rode hinterlassen hat. Und die Gespräche mit dem Spieler sowieso der Berateragentur seien konstruktiv und positiv verlaufen. So weit, so gut.

Am Sonntag platzte dann die Meldung hinein in die von der EM überlagerten Fußballwelt, dass aus den Dortmund-Spekulationen belastbare Fakten geworden sind. Sky meldet den Deal zwischen dem BVB und dem Mittelfeldakteur als quasi perfekt, die Vertragslaufzeit sei noch auszuhandeln, bis 2026 oder 2027, und mit dem abgebenden Verein, Brighton & Hove Albion, sei noch eine Übereinkunft über die Ablösesumme zu erzielen. Zwischen sieben und zehn Millionen Euro soll diese liegen für den gebürtigen Mannheimer, der beim englischen Premier-League-Klub noch einen Kontrakt bis 2025 besitzt.

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Bei der Eintracht wissen sie von den neusten Entwicklungen offiziell nichts. Das heißt, den Verantwortlichen liegen keine Informationen aus erster oder zweiter Hand vor, eine Absage des Spielers an die Eintracht hat es nicht gegeben. Etwas überrascht sind sie im Führungszirkel dennoch, weil sie sich in den Verhandlungen mit Groß auf einem guten Weg wähnten, dem bodenständigen Profifußballer wurde eine klare persönliche Perspektive dargelegt: leitender Angestellter – bis zum Karriereende, wenn man so will. Groß sei zugeneigt gewesen, hätte sich gerne als Leitwolf des Eintracht-Rudels in der Bundesliga gesehen. Die Wertschätzung seiner Person und die Positionierung weit oben in der Hierarchie schmeichelten ihm.

Bei der Eintracht stutzen sie ob der aktuellen Entwicklung auch deshalb, weil Groß nicht so wirklich ins Beuteschema des BVB passt. Eigentlich wollte die Borussia offenbar den dänischen EM-Star Pierre-Emile Hojbjerg von Tottenham Hotspur verpflichten. Der 28-Jährige hätte aufgrund seines Alters eine andere Perspektive als der fünf Jahre ältere Groß – das wirtschaftliche Paket wäre aber deutlich schwerer zu stemmen. Und womöglich hat sich auch der neue Trainer Nuri Sahin gegen den Dänen und für den Deutschen ausgesprochen.

Eintracht kann bei Wettbieten mit BVB nicht mithalten

Die Eintracht hat die Hoffnung auf Groß dennoch nicht gänzlich aufgegeben, aber sie weiß nur zu gut: Wenn die Westfalen ernst machen, werden die Frankfurter den Kürzeren ziehen. Der BVB spielt nicht nur in der Champions League (und nicht „nur“ in der Europa League), sondern finanziell in einer ganz anderen Liga, gibt für seine Fußballmannschaft pro Jahr 100 Millionen mehr aus als die Eintracht. Und im Endeffekt macht es für einen Spieler dann halt auch einen Unterschied, ob er drei, dreieinhalb Millionen Euro per annum einstreichen kann. Oder eben das Doppelte. Da können sich die Prioritäten schnell mal verschieben. Zumal es der letzte große Vertrag des Pascal Groß sein wird.

Für die Eintracht wäre eine Absage des Wunschspielers ein Schlag ins Kontor, keine Frage. Denn die Krux an der Geschichte mit den gestandenen Mittelfeldspielern, die Führungsqualitäten mitbringen sollen, nicht bei jedem Windzug umfallen und andere mitreißen können, zudem noch gute Fußballer und möglichst deutschsprachig sind: Es gibt momentan verdammt wenige auf dem Markt, die die Kriterien erfüllen und erschwinglich sind. Sie sind äußerst rar gesät – und werden nicht nur von der Eintracht dringend gesucht.

Also wird Sportvorstand Markus Krösche, der betont, auf alle Situationen vorbereitet zu sein, Plan B oder C aus der Schublade holen müssen. Es ist an der Zeit, andere Spuren zu verfolgen. Am Anforderungsprofil wird sich jedoch nichts ändern. Ein Akteur wie der jüngst gehandelte Marokkaner Khalil Fayad, 20, von Montpellier HSC ist sicherlich ein interessanter Spieler, auch für die Eintracht, doch bestimmt nicht das, was sie jetzt auf dieser Position sucht. Da soll es mehr Erfahrung und Widerstandskraft sein.

Vielleicht geht aber auch erst nach der EM noch die eine oder andere Tür auf, wenn die Großklubs investieren und Bewegung in den Markt kommt, womöglich Spieler verfügbar sind, die zuvor als nicht verkäuflich galten.

Bis heute kein Kostic

Das gilt auch für die eigenen Profis. Bei Omar Marmoush dürften Interessenten erst spät im August den Köder auswerfen – und Verteidiger Willian Pacho hat jetzt bei der Copa America mit Ecuador gegen Venezuela (1:2) einen desolaten Auftritt hingelegt, in beiden Gegentoren hatte er seine Aktien – und das unter dem Brennglas internationaler Scouts. Ein Verkauf wird so eher unwahrscheinlich.

Sportchef Markus Krösche wird mit seinem Team ein gutes Gespür und den richtigen Riecher haben müssen. Es geht um eine neuralgische Position, einen Achsenspieler. Dass das nicht immer alles so einfach ist, ist bekannt. Nur zwei Beispiele: Ein Ersatzmann für Stürmer Randal Kolo Muani kam – auch durch die besonderen Umstände – erst ein halbes Jahr später nach Frankfurt. Und ein adäquater und würdiger Nachfolger für den vor zwei Jahren gewechselten Filip Kostic ist bis heute nicht gefunden.

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