Kader

Was bringen Eintracht Frankfurt die Leihgeschäfte?

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Wird sich nun in Hannover beweisen müssen: Eintracht-Stürmer Jessic Ngankam, hier im Mainzer Trikot.
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Eintracht Frankfurt gibt Spieler wie Paxton Aaronson oder Jessic Ngankam temporär ab – doch die meisten Akteure zünden auch nach ihrer Rückkehr nicht. Es gibt freilich prominente Ausnahmen.

In diesen Tagen hat der Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt ein paar Deals in die Pipeline gegeben, um seinen opulenten Kader ein wenig zu begradigen. Allesamt Geschäfte auf Leihbasis. Als da wären: Nachwuchsmann Elias Baum, 18, nach Elversberg – inklusive Vertragsverlängerung bis 2028. Perspektivspieler Paxten Aaronson, 20, nach Utrecht – ebenfalls inkludiert eine Ausdehnung der Festanstellung in Frankfurt bis 2028. Und: Glücklosstürmer Jessic Ngankam nach Hannover. Alle drei sind mit warmen Worten und guten Wünschen für ein Jahr verabschiedet worden.

Gerade bei Elias Baum und Paxten Aaronson hofft die Eintracht darauf, dass ihnen der Tapetenwechsel guttun wird. Natürlich ist das auch bei Jessic Ngankam so, doch bei dem Angreifer, der auf ein völlig vermurkstes Halbjahr in Mainz zurückblickt, sind intern die Zweifel gewachsen, dass der 23-Jährige das Rüstzeug mitbringt, um der Eintracht dauerhaft zu helfen.

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Offiziell kommentiert Sportdirektor Timmo Hardung den Wechsel an die Leine so: „Wir glauben weiterhin an sein großes Potenzial und trauen ihm eine gute Weiterentwicklung zu, für die er reichlich Spielpraxis benötigt.“ Eine Überraschung wäre es freilich nicht, wenn Ngankam sein Glück auch dauerhaft woanders versuchen müsste. Er steht beim Zweitligisten Hannover 96 nun erst einmal im Schaufenster, was er daraus macht und wie es dann mit ihm weitergeht, hängt in erster Linie von dem Spieler selbst ab. Ngankam ist bislang nicht durch Arbeitsethos und Bescheidenheit im Übermaß auffällig geworden. Dafür durch einen permanent ausbaufähigen Fitnesszustand. Ob das noch mal was wird mit dem Berliner Jungen? Nun ja.

Bei Baum und Aaronson hat der Klub indes die Hoffnung, dass ihnen die Spielpraxis in der zweiten Liga in Elversberg und der ersten niederländischen Spielklasse in Utrecht helfen wird, um den nächsten Schritt der Entwicklung zu gehen. Verteidiger Baum hat da einen längeren Weg vor sich als Techniker Aaronson.

Pax soll bei Eintracht Frankfurt den Götze geben

Der gebürtige Frankfurter Baum wird erstmals eine ganze Saison im Profisektor bestreiten, bisher half er sporadisch und für wenige Minuten bei den Profis aus und spielte ansonsten in der U21 in der Regionalliga – interessant zu sehen, wie er sich schlägt und ob er sich durchbeißen kann. Kein unwichtiges Jahr für das Eintracht-Eigengewächs. Er muss jetzt flügge werden.

Paxten Aaronson indes hat schon mit der Eintracht und im vergangenen halben Jahr auf Leihbasis in den Niederlanden bei Vitesse Arnheim höherklassig spielen dürfen. Der Amerikaner, der sein Heimatland bei den Olympischen Spielen in Paris vertreten wird, ist aber sicherlich noch nicht so weit, um einem ambitionierten Klub wie der Eintracht aktuell helfen zu können. Trainer Dino Toppmöller wähnte den Kreativspieler zu Beginn der vergangenen Saison schon weiter, musste dann aber erkennen, dass dieser die Ansprüche noch nicht erfüllen kann.

Auch jetzt ist Aaronson noch nicht widerstandsfähig, in seiner Spielweise nicht robust und klar genug – auch wenn er durch seine Zeit bei Vitesse auf einem guten Weg ist. Er wird zudem dosiert Muskelmasse auf seinen schmächtigen Körper packen müssen.

„Er hat schon bei uns vielversprechende Ansätze gezeigt und angedeutet, welches Potenzial in ihm steckt“, sagte Sportdirektor Hardung. „Für ihn ist es wichtig, dass er jetzt weiterhin dranbleibt und Einsatzzeiten bekommt. In Utrecht hat er einen guten Klub, wo er die nächste Entwicklungsstufe nehmen kann. Wir sind von Paxten total überzeugt und sind uns sicher, dass er nach seiner Zeit in Utrecht mit uns in der Bundesliga seinen Weg gehen wird.“ Was zu beweisen wäre.

Die Eintracht sieht in „Pax“ so ein bisschen den Nachfolger von Mario Götze – also im Idealfall. Und natürlich nicht eins zu eins gesehen. Götze ist auch mit 32 noch ein sehr guter Spieler, zu seiner besten Zeit war er brillant und mit einem Talent gesegnet, das nur die wenigsten in die Wiege gelegt bekommen. Da wäre es nicht fair, Aaronson diese Last aufzubürden. Fakt ist: Der Dribbler hat Talent, muss aber noch einen weiten Weg zurücklegen.

Gleichwohl ist es richtig, dass die Sportliche Leitung versucht, Spieler an anderen Standorten durch stetigen Wettkampf besser zu machen, Spieler, die noch nicht so weit sind, aber es vielleicht eines Tages sein werden.

Hütter hält Kamada

Da steckt immer viel Fantasie und Wundertütenpotenzial drin. Auch bei dem zuletzt zum Karlsruher SC ausgeliehenen Igor Matanovic ist nicht gesagt, dass er trotz einer bockstarken Saison bei den Badenern bei der Eintracht zünden wird. Aber zumindest sind die Voraussetzungen gegeben.

Zur Wahrheit gehört auch, dass nur die wenigsten verliehenen Spieler nach ihrer Rückkehr durchstarten. Die meisten verlassen den Verein über kurz oder lang. Aber klar gibt es Gegenbeispiele, zwei prominente gar: Daichi Kamada und Tuta. Der brasilianische Verteidiger reifte während seiner Zeit in Belgien bei KV Kortrijk – und trat dann in die großen Fußstapfen des abgewanderten Kapitäns David Abraham. Die konnte er nicht immer ausfüllen, Stammspieler ist er aber bis heute.

Und dann ist da noch Daichi Kamada, der ebenfalls in Belgien auftrumpfte, nach seiner Rückkehr 2019 dennoch fast verkauft worden wäre – ehe Adi Hütter in letzter Sekunde sein Veto einlegte. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Daichi Kamada wurde nicht nur zu „Euro-Daichi“, sondern zu einem der prägendsten Offensivspieler der vergangenen Jahre, ehe er im Sommer 2023 das Weite suchte. Zur neuen Saison spielt er bei Oliver Glasner mit Crystal Palace in der Premier League.

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