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Vor allem die Position von Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender steht beim FC Bayern auf der Kippe. Doch auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat Fehler gemacht.
München - Der Unmut der Fans war im Nah- und Fernverkehr rund um Mainz deutlich zu hören. Der Abpfiff des 1:3 des FC Bayern beim FSV hatte die Krise des Rekordmeisters dramatisiert, und während die Bosse nach Antworten suchten, hatten die mitgereisten Anhänger ihr Urteil schon gefällt. Es waren keine schönen Gesänge, die da laut durch die Tram- und Zugabteile tönten. Aber die Botschaft war simpel zu verstehen: Nicht nur CEO Oliver Kahn steht in der Gunst der Anhänger nicht allzu gut da – auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic wird mehr als kritisch hinterfragt.
Fußballfans stimmen bei Umfrage für Salihamidzic-Entlassung beim FC Bayern
Man hat auch im Vereinsumfeld in der vergangenen Woche, in der der Druck auf Kahn extern wie intern immer größer wurde, durchaus Fragen zur Personifizierung der Bayern-Krise vernehmen können. Warum steht Kahn derart im Fokus, während über Salihamidzic und sein Schaffen kaum diskutiert wird? Fallen die Versäumnisse, die dem Vereinsboss medial zur Last gelegt werden, nicht zum Großteil in den Verantwortungsbereich des Sportvorstands? Gestützt wurde die These von diversen Umfragen, in denen die Ergebnisse stets dieselben sind. Beispielhaft jene, die im Auftrag von RTL/ntv unter Fußballfans durchgeführt wurde: 66 Prozent sprechen sich für eine Entlassung von Salihamidzic aus, während nur 46 Kahns Abgang fordern. „Wir müssen analysieren – und schauen, wo wir ansetzen“, sagte Salihamidzic in Mainz.
Im Moment geht es um kurzfristige Lösungen, es ist aber kein Geheimnis, dass als Konsequenz der größten sportlichen Krise seit Langem auch er langfristig auf dem Prüfstand steht. Zwar verfolgt man – Stand gestern – intern den Plan, bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 22. Mai keine personellen Konsequenzen zu ziehen, spätestens dort aber soll sich jeder Verantwortliche erklären müssen. Bei Kahn wird es vor allem ums große Ganze gehen, während das Wirken von Salihamidzic deutlich begrenzter ist. Der Kader, der da aktuell den dritten Titel zu verspielen droht, ist hauptsächlich sein Werk. Dass alle Entscheidungen von Kahn abgenickt wurden – und das Wort von Brazzo-Befürworter und Kahn-Kritiker Uli Hoeneß im Aufsichtsrat mehr zählt als jedes andere –, sind wichtige Punkte für den 46-Jährigen.
Salihamidzic hat beim FC Bayern Fehler begangen
Wie eng Schwarz und Weiß in diesem Club und einem emotionalen Geschäft wie dem Fußball zusammenliegen, muss Salihamidzic gerade am eigenen Leib erfahren. Kein Dreivierteljahr ist es her, dass er für seine Transfers gefeiert wurde. Jetzt, wo es zählt, offenbart sich eine Mischung aus unsicheren, formschwachen und satten Stars. Das Versäumnis, die vakante Stelle im Sturm nachzubesetzen, tat Salihamidzic zwar zuletzt als Gemeinschaftsentscheidung mit Julian Nagelsmann ab. Er muss sich diese Lücke im Kader aber ebenso ankreiden lassen wie die Ansammlung an zu vielen ähnlichen Offensivspielern.
Auch die Unzufriedenheit von Profis wie Noussair Mazraoui war abzusehen. Es fehlen Leitwölfe. Ein Mix, den auch Thomas Tuchel nicht in den Griff bekommt – bei dessen Verpflichtung Salihamidzic die treibende Kraft war. Selbst, wenn man den monatelangen Zwist mit Hansi Flick und die langfristige Bindung von Nagelsmann als verjährt abtut, hat sich einiges angestaut. Es hätte alles gut gehen können, stattdessen ist man „am Tiefpunkt“, wie Salihamidzic in Mainz zugab. Sein Vertrag läuft bis 2026. Und es passt auch ganz gut, dass Hoeneß sich, so lehrt die Erfahrung, eher nicht von öffentlichen Strömungen beirren lässt. Fakt ist auch: Salihamidzic hat sich seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren durchaus entwickelt. Philipp Kessler, Hanna Raif
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