Bundesliga-Sonderheft 2025/26 jetzt im Handel: Relikt von früher oder immer noch Kult?
VonDaniel Michel
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Die großen Verlage veröffentlichen wieder ihre Bundesliga-Sonderhefte. Lohnt es sich noch, sie zu kaufen? Michels Meinung.
Nürnberg – Sie sind wieder auf dem Markt, die Sonderhefte zur Bundesliga. Alles begann 1963 mit der Premieren-Saison im deutschen Oberhaus (BL-Spielplan FC Bayern 2025/26). Das kicker-Sportmagazin wollte seinen Lesern einen umfassenden Überblick bieten, welche Teams und Spieler um die begehrte Meisterschale kämpfen. Der Kaufpreis damals lautete 1 D-Mark. Im Laufe der Jahre wurden die Sonderhefte immer umfangreicher und waren bald ein Muss für jeden Fußball-Fan. Denn bis in die 1990er-Jahre hinein gab es im TV keine regelmäßigen und schon gar nicht täglichen Fußball-Sendungen, die schon mal Vorfreude auf eine neue Spielzeit weckten. Auch das Internet hatte noch kaum etwas zu bieten.
Das kicker-Sonderheft wurde folglich zum Kassenschlager, weshalb andere Verlage ebenfalls begannen, ein Sonderheft auf den Markt zu bringen. In den vergangenen Jahren verschwanden allerdings auch wieder Marken in diesem Genre, zum Beispiel stellte Sport1 seine Ausgabe ein. Von den großen Marken sind jetzt noch der kicker und die Sport-Bild sehr präsent. Die 11Freunde bringen ebenfalls ein Sonderheft heraus, aber natürlich in ihrem typisch lockeren Stil.
Können Experten jetzt schon eine Prognose zur neuen Bundesliga-Saison abgeben?
Die Frage, die sich immer mehr Fans stellen, ist, ob es das Sonderheft noch in dieser Form braucht? Denn in fast jedem Sommer kommt das Sonderheft nun heraus, wenn die Mannschaften gefühlt noch ein Viertel ihrer Spieler verkaufen und ein Viertel ihrer Spieler verpflichten. Wie soll man da ein umfassendes Bild der Teams erhalten? Wie soll man ihre Stärken einschätzen? Wie soll man eine vernünftige Prognose zur Bundesliga-Saison abgeben? Und kann man überhaupt den Interview-Partnern gute Frage stellen, wenn viele Themen noch unklar sind?
Zudem sind die Sonderhefte immer teurer geworden, jene Ausgabe vom kicker liegt nun bei 6,90 Euro. Sport-Bild verlangt ebenfalls 6,90 Euro. Ist das Sonderheft also nur ein Relikt von früher? Kauft man es nur aus Gewohnheit, hat aber eigentlich keinen Nutzen mehr davon? Oder ist das Sonderheft doch Kult? Führt man die Tradition sogar fort und schenkt es auch seinen Kindern oder Enkeln? Die enthaltene Steck-Tabelle bringt die ganze Saison über Spaß.
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Natürlich haben die Macher der Sonderhefte einen schwierigen Job. Die Transferfenster ziehen sich in den Bundesliga-Start hinein. „Eine Redaktion wünscht sich immer den spätestmöglichen Andruck – und ein Vertrieb immer den frühestmöglichen. Dass das Transferfenster bis weit nach dem Saisonstart geöffnet ist, nervt natürlich schon“, sagte der ehemalige kicker-Chefredakteur Jörg Jakob im Jahr 2022 gegenüber sportjournalist.de.
Auch wurde vor dreißig Jahren nur selten eine Mannschaft runderneuert, es ging im Schnitt vielleicht um drei neue Stars pro Team. Alles ist darüber hinaus schnelllebiger geworden, viele Informationen und Daten zu Spielern sind in Internet-Datenbanken in fünf Sekunden zu finden. Jakob sagte dennoch: „Zeitgemäß ist das Sonderheft allein deshalb, weil es Hunderttausende Menschen gibt, die das Sonderheft kaufen.“ So verriet er: „Die Druckauflage beträgt 700.000 Exemplare. Die mir bekannten Verkaufszahlen liegen bei über 400.000 Heften.“ Sprich: Das Sonderheft ist immer noch lukrativ für den Verlag und setzt mehrere Millionen Euro um.
Eine gute Tradition zum Start der Bundesliga bewahren?
Michels Meinung lautet: Das Bundesliga-Sonderheft hat selbst für den gewöhnlichen Fußball-Interessierten nur noch teilweise Informatives zu bieten. Das ist der modernen Fußball-Zeit geschuldet. Aber wer Tradition liebt oder jemanden eine Freude machen will, der soll doch trotzdem beim Sonderheft zugreifen.