- VonMax Nebelschließen
Keine Ruhe im Rechtevergabestreit. Nach der DAZN-Ankündigung, juristische Schritte zu gehen, reagiert die DFL prompt und gelassen.
Update: 26. April, 20.55 Uhr: Neue Wendung in der Auseinandersetzung zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und DAZN rund um die Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte. Laut einem Bericht Bild erhielten die 36 Fußball-Profiklubs der 1. und 2. Bundesliga am Freitagabend eine Mitteilung von der DFL. Diese beinhaltete aus Sicht der Vereine eine Hiobsbotschaft: Die nächste Ausschüttung der TV-Gelder im Juni soll demnach drastisch kürzer ausfallen – von geplanten 127 Millionen Euro auf nur noch 47 Millionen Euro.
Der Grund für die Kürzung: Streamingdienstanbieter DAZN soll dem Bericht zufolge mit Ratenzahlungen in Höhe von 50 Millionen Euro im Rückstand liegen. Die noch fehlenden Erlöse, schreibt die DFL demnach an die Klubs, sollen „erst zu einem späteren Zeitpunkt in diesem Jahr vereinnahmt werden können“.
Für die Ausschreibungen der TV-Rechte hatte die DFL, wohl mit Blick auf die Ausstände, dem Bericht zufolge eine Bankgarantie von DAZN gefordert. Diese vermochte der Streamingdienst aber nicht binnen 24 Stunden vorzulegen, sodass der Zuschlag letztendlich an Sky ging.
| DAZN | |
|---|---|
| Gründung: | 2007 |
| Hauptsitz: | London |
| Umsatz: | 208,1 Millionen Pfund (2013) |
TV-Streit zwischen DFL und Streaming-Anbieter eskaliert
Erstmeldung, 26. April: Frankfurt – Der Clinch um die Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte zwischen DAZN und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) dürfte schon bald in die nächste Runde gehen. Nun macht der Streamingdienst publik, dass auch juristische Optionen nicht mehr ausgeschlossen seien und warnte am Freitag (26. April) vor einem „jahrelangen“ Rechtsstreit.
Auf Anfrage erläuterte ein Sprecher des Streaming-Riesen: „Angesichts der mangelnden Reaktion der DFL auf unsere Beschwerde über die unrechtmäßige Vergabe von Rechtepaket B wird DAZN den Rechtsweg beschreiten, um die Vergabe des Pakets zu erreichen.“
DAZN droht DFL mit „jahrelangem“ Rechtsstreit
Wie der Informationsdienst SID schreibt, überlege DAZN ferner, sich aus dem Verfahren zurückzuziehen, sofern das von dem Unternehmen gewünschte Paket nicht enthalten sei oder der Prozess nicht komplett neu gestartet werden sollte.
Darüber hinaus schließt DAZN aber auch die juristische Auseinandersetzung – im Zweifel bis in die letzte Instanz – keineswegs aus. Besagter Sprecher betonte: „Der Rechtsweg kann sich über Jahre hinziehen, beginnend mit einer Klage vor einem Schiedsgericht und möglicherweise über mehrere Instanzen vor deutschen Zivilgerichten, ggf. unter Einbeziehung des Europäischen Gerichtshofs.“
DAZN-Drohung: DFL reagiert sofort
Die DFL reagierte prompt und veröffentlichte ihrerseits eine „Klarstellung“. Das gesamte Ausschreibungsverfahren, heißt es auf der DFL-Homepage, sei „in Einklang mit den gegenüber dem Bundeskartellamt abgegebenen Zusagen und den Regelungen der Ausschreibungsunterlagen transparent und diskriminierungsfrei durchgeführt“ worden. Man habe die Ausschreibung rechtmäßig an einen anderen Bieter vergeben.
Die Angebote von DAZN seien nicht ausschreibungskonform gewesen und deswegen nicht bei der Vergabe berücksichtigt worden. Man weise den Vorwurf von DAZN, nicht korrekt über die Vergabebedingungen informiert gewesen zu sein, „entschieden zurück“.
Stellungnahme der #DFL zur Auseinandersetzung mit #DAZN ➡️ https://t.co/zxh4sY3p28 pic.twitter.com/emfomKgoPO
— DFL Deutsche Fußball Liga (@DFL_Official) April 26, 2024
Frist am 30. April: Ruft DAZN Schiedsgericht an?
Hinsichtlich der Ankündigung des Streaming-Dienstleisters, der sich bei der Vergabe des sogenannten Pakets B benachteiligt fühlte, obwohl man das vermeintlich attraktivste finanzielle Angebot abgegeben habe – juristisch aktiv zu werden, äußerte sich die DFL gelassen: „Sollte DAZN die Schiedsklage einreichen, ist die DFL für ein solches Verfahren gut aufgestellt. Die DFL erwartet im Sinne zügiger Prozess- und Rechtssicherheit, die im allseitigen Interesse liegt, dass alle Beteiligten einen Schiedsspruch als endgültig und abschließend akzeptieren.“
DAZN kann nun ein externes Schiedsgericht anrufen, die Frist endet am Dienstag (30. April). Sollte das passieren, könnte sich der gesamte Prozess bis zum Sommer ziehen. Bis dahin würde auch die Auktion ausgesetzt bleiben.
DAZN bot wohl 400 Millionen Euro pro Saison
Das in der Auseinandersetzung relevante Rechtepaket B beinhaltet die Samstagspiele der Fußball-Bundesliga, die für 15:30 Uhr angesetzt sind, sowie die Einzelspiele am Freitagabend und die Relegation. Es ist entsprechend das teuerste Lizenzpaket, das die DFL zu vergeben hat und umfasst 196 Spiele pro Saison bei einer Gültigkeit von vier Jahren. Bislang zeigt DAZN nur 106 Partien.
DAZN soll nach Informationen der Bild rund 400 Millionen Euro pro Saison für das Paket geboten haben, die eingeholte Bankbürgschaft belaufe sich auf rund 200 Millionen Euro. Ansonsten galt vor allem Sky als Interessent für das Rechtepaket B. Momentan überträgt DAZN die Freitags- und Sonntagsspiele, Sky hält die Rechte für den Samstag. Derzeit prüft das eingeschaltete Bundeskartellamt den Streitfall. Allerdings ist nicht klar, ob und in welcher Form das Amt zuständig ist. (chnnn/dpa)
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