VonLars Pollmannschließen
Borussia Dortmund kann diese Saison nur noch Schadensbegrenzung betreiben. Wie groß der Umbruch im Sommer ausfällt, haben die Stars in der Hand.
Dortmund – Borussia Dortmund bleiben acht Spiele, um eine Horror-Saison in der Bundesliga zu einem halbwegs versöhnlichen Ende zu führen.
Beginnend mit dem Heimspiel gegen den Überraschungsdritten Mainz 05 am Sonntag muss ein veritabler Endspurt hingelegt werden, um eine kommende Saison ohne jeden internationalen Wettbewerb noch abzuwenden.
Wie Sebastian Kehl nun erklärt, spielen manche Profis beim BVB auch um ihre Zukunft. Der Sportdirektor packt die Stars von Dortmund regelrecht bei der Ehre!
„Genau schauen, auf welche Spieler Borussia Dortmund in der Zukunft bauen kann“
„Jeder einzelne Spieler hat zu verinnerlichen, wo wir gerade stehen, und jeder Einzelne hat die absolute Pflicht, jetzt alles zu geben für Borussia Dortmund. Sofort, und zwar am absoluten Maximum, in jedem Spiel“, fordert Kehl im Interview mit den Ruhr Nachrichten.
Der Klub werde „in den nächsten Wochen genau schauen, auf welche Spieler Borussia Dortmund auch in der Zukunft bauen kann“, verspricht der Ex-Kapitän. „Wer nimmt diese Situation jetzt an? Wer stellt sich auch in den Wind und wer übernimmt jetzt Verantwortung? Es stehen nicht nur für den Klub wichtige Woche an, sondern auch für jeden einzelnen Spieler“, so Kehl.
Dass beim BVB ein Umbruch vonnöten ist, liegt auf der Hand. Im Saisonendspurt können die Spieler offenbar selbst den Ausschlag in der Frage geben, wie umfangreich der Umbruch ausfallen wird.
BVB-Boss definiert, welche Spieler „keine Perspektive in diesem Klub haben“
„Ich werde hier jetzt auch keinen Spieler öffentlich an den Pranger stellen. Doch am Ende muss jeder hier Gas geben und vollen Einsatz zeigen!“, betont der Sportdirektor. Seine Drohung fällt unmissverständlich aus: „Wer nicht die richtige Haltung an den Tag legt, vertritt nicht die Werte, für die wir stehen wollen und wird damit auch keine Perspektive in diesem Klub haben.“
Wie diese Haltung definiert ist, steht für Kehl auch fest: „Wir brauchen jetzt Männer, die Lust auf Herausforderungen haben, die angriffslustig sind und sich nicht verstecken. Das wollen die Fans sehen, das sind wir ihnen schuldig.“
Mit Blick auf die bisherige Saison ist die Liste der Spieler, die diese Vorgaben des Sportdirektors regelmäßig erfüllt haben, sehr kurz. Abwehrmann Nico Schlotterbeck und Torjäger Serhou Guirassy sind wohl die einzigen Kicker, bei denen Anspruch und Wirklichkeit in den vergangenen Monaten in einem gesunden Verhältnis standen.
Kehl scheint um eigene BVB-Zukunft nicht besorgt
Unweigerlich rückt damit auch die Arbeit von Kehl selbst in den Fokus, immerhin hat er bei der Kaderplanung als Sportdirektor den Hut auf. Die Mannschaft sei „für ganz andere Erwartungen und Ansprüche zusammengestellt“, räumt der frühere Nationalspieler ein. „Wir haben einen der teuersten Kader der Bundesliga, und dem werden wir nicht gerecht.“
Kein Wunder also, dass die Zukunft des 45-Jährigen öffentlich durchaus infrage gestellt wird. Dortmund soll sich mit Ralf Rangnick als potenziellem Nachfolger auf dem Posten des Sportdirektors befassen. Zur eigenen Situation gibt sich Kehl jedoch kämpferisch.
„Ich habe doch erst vor ein paar Wochen meinen Vertrag hier verlängert und habe genug Kraft, Ideen und Leidenschaft, um mich dieser Aufgabe zu stellen“, betont er. „Wenn wir keine Ideen hätten und keine Lösungen präsentieren könnten, wären wir fehl am Platz. Ansätze gibt es viele. Es kommt darauf an, welche letztendlich umsetzbar sind und welchen neuen Kurs wir einschlagen.“
Ob Kehl diesen neuen Kurs wirklich mitgestalten darf, bleibt abzuwarten. Sollte der BVB in der nächsten Saison europäisch überhaupt nicht vertreten sein, dürfte der Umbruch auch die Führungsetage von Dortmund betreffen.
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