VonLars Pollmannschließen
Die Aufholjagd des BVB ist beendet: Dank des erstaunlichen Wandels unter Chefcoach Niko Kovač gelang doch noch die Qualifikation zur Champions League.
Dortmund – Ende gut, alles gut? Borussia Dortmund hat am Samstag zum ersten Mal seit dem 3. Spieltag einen Platz unter den Top vier der Bundesliga erklommen.
Durch das 3:0 gegen Holstein Kiel gelang auf den letzten Drücker doch noch die lange für geradezu unmöglich gehaltene Qualifikation zur Champions League. Die Aufholjagd des Teams unter Niko Kovač mündete mit einem souveränen Erfolg im Millionenspiel – in der Königsklasse hat der BVB diese Saison über 100 Millionen Euro eingenommen.
Dortmund hat den SC Freiburg abgefangen, der nach dem 26. Spieltag immerhin sieben Zähler Vorsprung hatte. Beim damaligen dritten FSV Mainz 05 waren es sogar zehn Punkte, die der BVB aufholen musste. „Das kannst du normal gar nicht schaffen“, sagte Klubchef Hans-Joachim Watzke kurz nach Abpfiff am Samstag beim TV-Sender Sky.
BVB-Sportchef Ricken geht in die Vollen
„Es hätte mich schon genervt, wenn wir ausgerechnet dieses Jahr nicht in die Champions League gekommen wären, da ich irgendwann im Herbst aufhöre“, schmunzelte der Multifunktionär. Die Trainerleistung von Kovač würdigte Watzke als „außergewöhnlich“. Lars Ricken ging da noch deutlich weiter.
„Ich bin schon sehr lange beim BVB und alle Trainer mögen es mir verzeihen, aber was Niko hier geleistet hat, ist eine der größten Trainerleistungen in der Geschichte des BVB“, erklärte der Sportchef.
Gehört Kovač auf den „Mount Rushmore“ der BVB-Trainer?
Gehört Kovač jetzt also neben Ottmar Hitzfeld, Jürgen Klopp oder Willi Multhaup auf den „Mount Rushmore“ der BVB-Trainer? Das wäre sicher zu viel gesagt, so eindrücklich der Zieleinlauf mit 22 von 24 möglichen Punkten in der Bundesliga auch gewesen sein mag.
Kovač selbst ging dieses Lob zu weit. „Ich glaube, da waren noch sehr viel mehr gute Leistungen“, reagierte der gebürtige Berliner, als er auf die Lobeshymne von Ricken angesprochen wurde. „Ich möchte das Kompliment gerne weitergeben an die Jungs. Was wir in den letzten Wochen gemacht haben, war sensationell. Die Jungs, nicht nur die Spieler, sondern auch alle im Staff, haben angepackt.“
Kovač: „Ich bin glücklich, aber wir müssen jetzt nicht feiern“
Mit einem Titel sei der Erfolg mit dem BVB jedoch nicht zu vergleichen, sagte Kovač, der als Trainer DFB-Pokalsieger und Deutscher Meister geworden ist. „Wir haben in den letzten acht Spielen sehr gut performt, es ist ein Erfolg. Aber ich will es nicht überbewerten. Ich bin glücklich, aber wir müssen jetzt nicht feiern. Wir sind vierter geworden, wir haben das Minimalziel erreicht.“
In der Tat muss der BVB aufpassen, in der Euphorie um das herausragende Finish nicht die ersten drei Viertel der Saison zu vergessen. Es bedarf der Aufarbeitung, wie Dortmund überhaupt in die Lage kommen konnte, der Rettung durch Kovač zu bedürfen.
„Gelbe Wand“ von Dortmund feiert den Chefcoach
Damit freilich musste nicht wenige Minuten nach dem emotionalen Höhepunkt einer so schweren Saison begonnen werden. Völlig zu Recht feierte da die „Gelbe Wand“ des BVB den Cheftrainer mit Sprechchören und wussten auch die Spieler, bei wem sie sich zu bedanken hatten.
„Niko ist jemand, der auf Kleinigkeiten achtet. Sei es beim Aufwärmen, sei es im Bus, dass jeder konzentriert und fokussiert ist. Das ist die alte Schule“, meinte etwa Emre Can. Der Kapitän konnte in den letzten Wochen wegen Adduktorenproblemen nur als Teilzeitkraft helfen, wurde von Julian Brandt vertreten.
BVB-Trainer Kovač hat seine Skeptiker verstummen lassen
Dessen positive Entwicklung ist eines der Verdienste von Kovač, der bei vielen Profis eine Rückkehr zur Form bewirken konnte. „Am Ende sind es die Kleinigkeiten, die Spiele entscheiden, aber auch über den vierten oder fünften Platz entscheiden. Wir haben einfach seriös gearbeitet. Bei ihm hast du gemerkt, dass er schon sehr viel erlebt hat, durch viele Unzeiten auch gegangen ist“, sagte Brandt zum Trainer.
Ob Kovač nun tatsächlich in die Geschichtsbücher des BVB eingeschrieben werden muss, sei dahingestellt. In jedem Fall hat er seine vielen Skeptiker verstummen lassen. Auch Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, muss Abbitte leisten. Mitte März lautete eine Überschrift: „Niko Kovač und der BVB müssen die Bundesliga-Saison abhaken“.
Die Redaktion sagt: Sorry, Niko!
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