VonLars Pollmannschließen
Niklas Süle hat beim BVB momentan wenig Einfluss. Er ist vom DFB-Team weit entfernt. Im Sommer steht er vor einer grundlegenden Entscheidung.
Dortmund – Wenn sich Niklas Süle eine Konstellation mit zwei Trainern bei Borussia Dortmund und in der deutschen Nationalmannschaft hätte aussuchen dürfen, wäre er womöglich bei Niko Kovač und Julian Nagelsmann gelandet.
Kovač war beim FC Bayern der Übungsleiter, der am meisten auf Süle setzte und es offenbar verstand, beim Abwehrmann die richtigen Knöpfe zu drücken, um dessen beste Leistung hervorzubringen. Unter Nagelsmann indes war das damalige Toptalent bei der TSG Hoffenheim zum Stammspieler von gehobenem Bundesliga-Format gereift, empfahl sich so für das Debüt im DFB-Team und den Wechsel nach München.
Dass beide Übungsleiter grundsätzlich die Qualitäten des heute 29-Jährigen zu schätzen wissen und ihm auch persönlich wohlgesonnen sind, steht außer Frage. Trotzdem hat Kovač für Süle zuletzt kaum Verwendung gefunden. Von einer Nominierung durch Nagelsmann ist er so denkbar weit entfernt. Anstatt von zwei Förderern zu profitieren, befindet sich Süle in einem Dauertief. Ob er daraus noch einen Ausweg findet?
BVB feierte sich für Süle-Transfer vom FC Bayern
Als der BVB Süle im Frühjahr 2022 als ablösefreien Transfer für den folgenden Sommer ankündigte, war der Jubel in Dortmund groß. Die Verantwortlichen waren sich sicher, einen Topspieler an Land gezogen zu haben, der dem BVB ein gehöriges Maß an Siegermentalität einflößen würde. Dass ausgerechnet die Rivalen aus dem Süden geschwächt würden, war die Kirsche auf der Sahnetorte.
Inzwischen ist überaus offensichtlich geworden, was für eine Fehleinschätzung dem Deal zugrunde lag.
Süle war beim FC Bayern von den Kollegen mitgezogen worden, ein echter Leader ist der gebürtige Hesse nicht. Das ist in Dortmund endgültig zu Tage getreten, als der Verteidiger vor der laufenden Saison als Vizekapitän abgesetzt und aus dem Mannschaftsrat gestrichen wurde. Anstatt verärgert oder enttäuscht gewesen zu sein, soll Süle Erleichterung verspürt haben. Seine Reaktion sorgte bei den BVB-Bossen wohl nur noch für Kopfschütteln.
Mitläufer Süle kassiert beim BVB wie ein Megastar
Schlimm genug, dass ein 49-facher Nationalspieler im besten Fußballeralter offenbar kein Interesse daran hegt, beim BVB voranzugehen. Diesen Mitläufer bezahlt Dortmund obendrein noch wie einen absoluten Megastar!
Rund 14 Millionen Euro Gehalt kassiert Süle pro Jahr beim BVB. Kritiker werfen ihm daher vor, sich auf dem vielen Geld auszuruhen und die Karriere nebenbei im Sande verlaufen zu lassen. Ein großes Aufbäumen scheint jedenfalls nicht festzustellen. Sonst hätte Kovač sicher mehr Verwendung für den Verteidiger gefunden, als es bisher der Fall war.
Nach seinem völlig verkorksten Auftritt als Aushilfsrechtsverteidiger bei der peinlichen Niederlage im kleinen Revierderby beim VfL Bochum, bei dem Süle ein halbes Eigentor fabrizierte, kommt der 1,95-Meter-Koloss überhaupt nicht zur Geltung. Siebenmal in Folge saß der vermeintliche Führungsspieler über 90 Minuten auf der Bank.
Kovač wollte Süle in WM-Form bringen
Dabei hatte Kovač noch bei seiner Vorstellung in Dortmund klargemacht, wie viel er von seinem Schützling hält. „Wenn Niklas Süle fit ist, dann ist er ein Spieler für die Weltmeisterschaft 2026“, sagte Kovač Anfang Februar. Knapp sieben Wochen später scheint jeder Verweis auf das Turnier in Kanada, Mexiko und den USA völlig absurd.
Für Süle geht es nicht darum, es zurück zu Nagelsmann zu schaffen. Schon der Weg in die Startelf des BVB scheint derzeit unüberwindbar verbaut.
Längst stellt sich die Frage, ob Süle überhaupt noch den nötigen Biss aufbringen kann, um seine stagnierende Karriere wieder in Gang zu bringen. Dabei deutet sich ein wichtiger Lackmustest im Sommer an.
Dortmund erlebte im Sommer ein kurzes Süle-Zwischenhoch
Dass der BVB Süle noch ein Jahr zu aktuellen Gehaltskonditionen durchschleppen mag, ist ebenso schwer vorstellbar wie die Idee, dass ein anderer Klub auch nur im Ansatz die gleichen Konditionen bedienen würde. Heißt also: Süle müsste zu erheblichen Einbußen bereit sein, um wieder regelmäßig zu spielen.
Längst wird in Dortmund darüber getuschelt, dass sich der (Ex-)Nationalspieler lieber ein weiteres Jahr aushalten lasse, weil er in seiner Karriere ohnehin keine großen Schritte mehr erwarte. Jegliches Wohlwollen, mit dem Süle im Sommer betrachtet wurde, ist verflogen.
Vor der Saison hatte sich der Verteidiger körperlich in ungeahnt gutem Zustand präsentiert, hatte deutlich an Gewicht verloren und auch mit einem offenen Geständnis über die schwere Vorsaison beim BVB gepunktet: „Ich habe es mental einfach nicht geschafft, die richtigen Dinge zu tun. Ich habe es selbst nicht mehr hinbekommen, mich zu motivieren“, berichtete Süle.
BVB droht bei Süle wirtschaftlicher Totalschaden
Das Problem: Seit er nach ordentlichem Saisonstart durch zwei Sprunggelenksverletzungen ausgebremst wurde, spielt Süle keinerlei Rolle mehr. In Dortmund hegt kaum noch jemand die Fantasie, dass sich daran etwas ändern könnte.
Selbst ein Szenario, das einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommt, wird deshalb inzwischen offenbar als Gedankenspiel thematisiert: Darin würde der BVB mit Süle eine Vertragsauflösung vornehmen, wofür der Klub seinen Topverdiener abfinden müsste.
Die großen Frage kann nur Süle selbst beantworten: Was will er eigentlich in seiner Profikarriere noch leisten? Will er sich nochmal aufraffen und sein unbestrittenes Potenzial abrufen? Oder geht es darum, das Megagehalt beim BVB so lange wie möglich einzustreichen?
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