Debüt am Wochenende

3 BVB-Stars, die von Neu-Trainer Niko Kovač profitieren

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Niko Kovač wird am Samstag sein erstes Spiel als BVB-Trainer bestreiten. Welche Stars könnten die Gewinner des Trainerwechsels sein?

Dortmund – „Es ist ein Neubeginn für uns alle“, erklärte Niko Kovač in seiner ersten Spieltagspressekonferenz vor dem Debüt als Trainer von Borussia Dortmund in der Bundesliga gegen den VfB Stuttgart. Der 53-Jährige reagierte dabei auf eine Frage zu Karim Adeyemi, dem Interimscoach Mike Tullberg beim Auswärtssieg gegen den 1. FC Heidenheim in der Vorwoche einen klassischen Denkzettel verpasst hatte.

Adeyemi wurde zur zweiten Hälfte eingewechselt, in der Schlussphase aber wieder vom Feld genommen. Der Außenstürmer hatte zuvor einen lustlosen Eindruck hinterlassen, sportliche Vorurteile gegen seine Person gewissermaßen bestätigt. „Er bekommt das Vertrauen, jeder Einzelne bekommt das Vertrauen“, versicherte Kovač nun.

Bei einigen BVB-Stars wird die Frage nach der Einstellung laut

Dennoch liegt auf der Hand, dass es Profis, an deren Einstellung bisweilen berechtigte Fragezeichen bestehen, unter dem neuen Chefcoach schwer haben könnten. In Anlehnung an Aussagen von Kovač-Kritiker Max Kruse ging zuletzt im BVB-Umfeld die Frage um, welchen Star der 53-Jährige als erstes ‚rasieren‘ könnte, um ein Zeichen zu setzen. Der Kroate ist dafür bekannt, von seinen Profis ein hohes Maß an Leidenschaft und Arbeitseifer einzufordern, hat in der Vergangenheit keine Scheu vor großen Namen gehabt.

Der Spieß lässt sich gewiss aber auch umdrehen: Bei einem Trainerwechsel gibt es immer auch Profiteure. fussball.news nennt drei Spieler, die unter Niko Kovač zu Gewinnern werden könnten.

Kovač schwärmte schon von BVB-Verteidiger Niklas Süle

Niklas Süle wurde beim BVB unter der Woche ins Mannschaftstraining ‚teilintegriert‘, wie es im modernen Fußball-Deutsch heißt. Nach seiner Syndesmoseverletzung von Anfang Dezember befindet sich der Verteidiger auf dem Weg zurück zur Spielfähigkeit. Im bisherigen Saisonverlauf war Süle meist nur Innenverteidiger Nummer drei beim BVB. Mit Kovač hat nun aber ein erklärter Fan des 29-Jährigen übernommen.

„Niklas war ein Fixpunkt bei mir zu seiner Zeit beim FC Bayern. Ich behaupte: Wenn Niklas Süle fit ist, dann ist er ein Spieler für die Weltmeisterschaft 2026“, erklärte der neue Cheftrainer anlässlich seiner BVB-Präsentation unter der Woche. In der Tat war Süle unter Kovač beim Rekordmeister gesetzt, ehe ihn kurz vor der Entlassung des Trainers im Herbst 2019 beim Spiel gegen den FC Augsburg ein Kreuzbandriss ereilte.

BVB-Verteidiger Niklas Süle war beim FC Bayern unter Niko Kovač gesetzt.

In der Double-Saison 2018/19 absolvierten bei Bayern nur Joshua Kimmich, Robert Lewandowski und David Alaba mehr Spielminuten als Süle, der sich somit in der statistischen Rangordnung etwa vor den Weltmeistern Jérôme Boateng und Mats Hummels einreihte. In Dortmund ist der Abwehrmann bis dato unter den Erwartungen geblieben, ein Abschied zum Vertragsende in eineinhalb Jahren gilt als vorgezeichnet.

Kommt unter Kovač die Wende zum Guten? Der Trainer wusste in München offensichtlich, welche Knöpfe bei Süle zu drücken sind, um ihn zu konstanten Leistungen zu bringen. Daran sind die BVB-Trainer Edin Terzić und Nuri Şahin beim Top-Verdiener gescheitert.

Kovač kennt sich mit dem Spielertyp Carney Chukwuemeka aus

Zum Abschluss des Wintertransferfensters hat der BVB mit Daniel Svensson und Carney Chukwuemeka noch zwei Ergänzungen für den Kader geholt. Während der schwedische Außenverteidiger den Sprung von der dänischen Superliga auf das Champions-League-Niveau packen muss, hat das englische Mittelfeldtalent in der Premier League starke Ansätze gezeigt. Jedoch fehlt der Leihgabe vom FC Chelsea die Spielpraxis.

„Carney hat nicht viel gespielt, aber all das, was ich gesehen und gehört habe, man macht sich ja auch schlau – das ist ein Top-Spieler. Bei Chelsea sind gefühlt 50, 60 Profis zugange, ich selbst habe zwei ehemalige Spieler aus Monaco dort, die spielen oder nicht spielen, das ist schwierig“, sagte Kovač zu Chukwuemeka. Den 21-Jährigen will der BVB schrittweise heranführen, doch unüberwindbar sind die Hindernisse im Mittelfeld nicht.

Vizekapitän Julian Brandt und der Österreicher Marcel Sabitzer gelten als zwei Gesichter der BVB-Krise, Emre Can muss oft in der Abwehr aushelfen, Felix Nmecha ist noch einige Wochen verletzt. Nmecha hatte Kovač beim VfL Wolfsburg weiterentwickelt, durch starke Leistungen empfahl sich der Mittelfeldmann für das Debüt in der Nationalmannschaft und den teuren Transfer nach Dortmund.

Niko Kovač formte in Wolfsburg Felix Nmecha zum Nationalspieler.

Gewisse Parallelen zwischen Nmecha und Chukwuemeka drängen sich beim Blick aufs Spielerprofil auf, das im Falle des Engländers gegenüber fussball.news von einem Experten mit Weltmeister Paul Pogba verglichen wurde: Sie sind hochgewachsen, aber technisch äußerst beschlagen, fühlen sich zwischen den Strafräumen wohl, könnten langfristig aber auch in die neuralgische Position vor der Abwehr rücken.

Bei Nmecha hatte Şahin diesen Prozess in der laufenden Saison schon eingeleitet, beim riesigen Talent von Chukwuemeka reibt sich nun Kovač die Hände und freut sich auf die Herausforderung, einen Top-Spieler zu formen. Dass indes auch Nmecha selbst nach seiner Rückkehr eine wichtige Rolle unter dem neuen Trainer spielen wird, liegt auf der Hand.

Kovač wird die Intensität von Maximilian Beier zu schätzen wissen

Die Zwischenbilanz von Maximilian Beier beim BVB liest sich bestenfalls ordentlich: Sechs Scorerpunkte stehen nach 27 Einsätzen auf seinem Konto. Der EM-Teilnehmer pendelt allerdings auch zwischen Startelf und Ersatzbank, obendrein zwischen der rechten Außenbahn, dem Sturmzentrum und seiner eigentlichen Paraderolle als hängende Spitze.

Es gibt durchaus Grund zur Annahme, dass Kovač für Beier eine festere Rolle finden könnte. Denn der 30 Millionen Euro teure Neuzugang von der TSG Hoffenheim bringt genau die Intensität in der Arbeit gegen den Ball mit, die der neue BVB-Coach auch von seinen Offensivspielern uneingeschränkt einfordert. Nicht von ungefähr widmete unlängst das Fachmagazin kicker Beier eine Titelstory mit der Schlagzeile ‚Der Windhund‘.

In der Jugend von Energie Cottbus hatte Trainer Patrick Schrade Beier den Spitznamen ‚Schakal‘ verpasst – einem Oberbegriff für Windhunde, die ihre Beute mit großer Ausdauer jagen. Auf den Fußball übertragen passt die Beschreibung zu Beier, der als erster Pressingspieler fungiert, sich für keinen Zweikampf zu schade ist und viele Läufe in der Arbeit gegen den Ball macht.

Diese Intensität wird Kovač zu schätzen wissen. Gerade für den Fall einer System-Flexibilität des neuen Trainers, die er etwa bei seiner letzten Station in Wolfsburg zeigte, könnte Beier ein großer Gewinner werden.

Rubriklistenbild: © Jan Huebner/Voigt via www.imago-images.de

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