BVB-Sorgen bei Guirassy: Champions League oder Abschied?
VonLars Pollmann
schließen
Serhou Guirassy wird als „Lebensversicherung“ des BVB betrachtet. Seine Situation bereitet vielen Fans Kopfzerbrechen. Wohl nicht ganz ohne Grund.
Dortmund – Borussia Dortmund kann womöglich doch noch einen Titel in dieser Saison feiern. Gemeint ist nicht die FIFA Klub-WM in den USA im Sommer, bei der der BVB sicher nicht zu den allerersten Anwärtern zu zählen ist.
Vielmehr geht es um eine Auszeichnung für einen Spieler, die er sich allerdings teilen muss: Serhou Guirassy wird die Champions League aller Voraussicht nach zusammen mit dem Brasilianer Raphinha vom FC Barcelona als Toptorschütze beenden.
Es müsste schon ein reichlich verrücktes Finale zwischen Inter Mailand und Paris Saint-Germain geben, um das Duo noch von der Spitze zu verdrängen. Lautaro Martínez ist mit neun Treffern bester Schütze der Italiener, der Ex-Borusse Ousmane Dembélé liegt bei acht Toren für PSG. Guirassy und Raphinha konnten hingegen je 13 Tore bejubeln.
Dortmund kämpft noch um den Einzug in die Champions League
Umso beeindruckender sind die Zahlen beim BVB-Torjäger, wenn man bedenkt, dass er zuvor kaum Erfahrung in der Königsklasse hatte: Lediglich vier Spiele (und zwei Tore) bei Stade Rennes im Jahr 2020 standen für Guirassy zu Buche, ehe er im Sommer vom VfB Stuttgart nach Dortmund wechselte. Jetzt ist der 29 Jahre alte Nationalspieler von Guinea im wichtigsten Klubwettbewerb der Welt so richtig angekommen.
Daraus speisen sich dieser Tage allerdings auch Sorgen bei vielen BVB-Fans. Schließlich ist zwei Spieltage vor Ende der Bundesliga-Saison nicht gesichert, dass Dortmund in der kommenden Spielzeit in der Champions League dabei ist. Schwarzgelb braucht Schützenhilfe, der SC Freiburg muss bei Holstein Kiel oder gegen Eintracht Frankfurt mindestens einmal patzen.
Guirassy sieht sich jedenfalls mit völliger Berechtigung als Champions-League-Spieler. Seine Lust auf eine Saison, in der sein Arbeitgeber in der zweitklassigen Europa League, der drittklassigen Conference League oder sogar überhaupt nicht international dabei ist, ist wohl nicht sonderlich groß.
BVB glaubt an Verbleib von Guirassy
Dies habe die Berater-Agentur von Guirassy beim BVB hinterlegt, berichteten zuletzt die Ruhr Nachrichten. Der Stürmer selbst ließ am Samstag beim TV-Sender Sky nach dem 4:0-Sieg gegen Wolfsburg, zu dem er einmal mehr zwei Tore beigesteuert hatte, wissen, dass er die Qualifikation zur Königsklasse mit Borussia Dortmund grundsätzlich nicht als verhandelbar betrachtet.
Kein Geheimnis mehr ist indes auch, dass der BVB bei Guirassy von einer eigentlich eisernen Linie abgewichen ist und ihm eine Ausstiegsklausel gewährte, auch wenn sich Sportchef Lars Ricken einen Tag nach dem Sieg gegen Wolfsburg diesbezüglich in Schweigen hüllte. „Er wollte unbedingt nach Dortmund. Und nicht, um nach einem Jahr wieder abzuhauen“, sagte Ricken in der Talksendung Sky90.
Dies hat Guirassy laut Medienberichten intern verdeutlicht. Allerdings weiß jeder Fan, wie wenig angebliche Bekenntnisse wert sein können, wenn es auf dem Transfermarkt hart auf hart kommt.
70 Millionen Euro für BVB-Star Guirassy? Das wäre nicht verrückt
Die Klausel soll die Ablöse auf 70 Millionen Euro beziffern, dabei nur für eine bestimmte und überschaubare Gruppe von Vereinen gültig sein. Um welche Klubs es geht, ist bisher lediglich tröpfchenweise an die Öffentlichkeit durchgesickert. Es steht anzunehmen, dass der ein oder andere Champions-League-Teilnehmer die Chance haben würde, Guirassy aus Dortmund loszueisen.
Die hohe Ablöse für einen 29 Jahre alten Spieler, der den Ruf eines Spätzünders auf Topniveau hat, mag dabei auf den ersten Blick abschreckend wirken. Aber auf den zweiten? Da ist die Sache nicht mehr so eindeutig.
Romelu Lukaku war dem FC Chelsea im Alter von 28 Jahren 113 Millionen Euro Ablöse wert, obwohl der Belgier zuvor schonmal bei den Londonern gescheitert war. Harry Kane kostete den FC Bayern im Alter von 30 Jahren 95 Millionen Euro Ablöse. Für den damals 28-jährigen Gonzalo Higuaín blätterte Juventus 90 Millionen hin.
Die schönsten Momente in der Karriere von Mats Hummels
Natürlich kann man hin und her diskutieren, ob Guirassy nach erst zwei vollends überzeugenden Saisons auf Bundesliga-Niveau und seiner ersten überragenden Champions-League-Spielzeit in einem Atemzug mit diesen Namen fallen sollte. Sie sollen nur verdeutlichen, dass gewiss nicht ausgeschlossen ist, dass ein Klub im Sommer auf die Idee kommen könnte, 70 Millionen Euro für Guirassy seien gut angelegtes Geld.
Nach außen mag der BVB in Person des Sportchefs Ricken das nicht nach tragen. Rund um den Klub wird aber durchaus gemunkelt, dass bei Guirassy besser nichts ausgeschlossen werden sollte.
Bei den wenigen Klubs, die die Klausel beim Torjäger bedienen können, wird ganz genau auf die letzten 180 Minuten der Bundesliga-Saison geschaut.