Can erinnert sich an Haller-Fehlschuss

BVB-Titel-Trauma: „Ich mach' ihn rein, Bro“ – Geheimnis aufgeklärt

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Es war der Moment, der dem BVB 2023 wohl die Meisterschaft kostete. Kapitän Emre Can erklärt nun die Absprache mit Sébastien Haller vor dem Elfmeter.

Dortmund – Borussia Dortmund bereitet sich auf eine neue Saison, in der sich der bislang letzte Titelgewinn bereits zum fünften Mal jähren wird, vor. Seit dem DFB-Pokalsieg 2021 wartet der Verein auf eine Trophäe. Es ist vor allem deshalb eine schmerzhafte Durststrecke, weil sich der BVB am 27. Mai 2023 die sprichwörtliche Butter vom Brot hat nehmen lassen.

Momente, die beim BVB über den Titel entschieden: Emre Can und Sébastien Haller im Elfmeter-Dialog.

Eine Szene jenes Tages hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt: der vergebene Strafstoß zum potenziellen 1:1-Ausgleich gegen den FSV Mainz 05. Geschossen von Sébastien Haller, der eigentlich gar nicht der etatmäßige Schütze war. Nun hat Kapitän Emre Can im Bundesliga-Sonderheft von 11 Freunde ausführliche Einblicke gegeben und die Anatomie einer fatalen Entscheidung offengelegt.

Warum Emre Can den Strafstoß gegen Mainz an Sébastien Haller abgab

Die Szenerie im Signal Iduna Park war an Dramatik kaum zu überbieten. Eine ganze Region sehnte die erste Meisterschaft seit 2012 herbei. Doch nach 15 Minuten lag der BVB durch einen Treffer von Andreas Hanche-Olsen bereits mit 0:1 zurück. Als Schiedsrichter Marco Fritz nur drei Minuten später auf den Elfmeterpunkt zeigte, schien der Moment der Erlösung gekommen. Emre Can, einer der sichersten Schützen der Bundesliga, sollte zur Tat schreiten. Doch dann entfaltete sich ein Dialog, der alles verändern sollte.

„Dann kam Seb auf mich zu und fragte: ‚Bro, kann ich schießen?‘“, erinnert sich Can. „Ich meinte: ‚Wenn du ihn reinmachst, kannst du schießen.‘“ Hallers Lächeln und sein Versprechen – „Klar, ich mach’ ihn rein, Bro“ – verlagerte die Verantwortung. Rein sportlich betrachtet war Cans Entscheidung in diesem Moment nachvollziehbar. Haller hatte das Momentum auf seiner Seite.

Wer geht? Wer bleibt? – Die Vertragslaufzeiten der Stars von Borussia Dortmund

Gregor Kobel
Stammtorhüter Gregor Kobel hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und bleibt bis 2028 gesetzt. © IMAGO/Madeleine Fantini
Patrick Drewes
Patrick Drewes unterschrieb am 26. Juni 2025 seinen Vertrag beim BVB bis 2027 – als neue Nummer 3 hinter Gregor Kobel und Alexander Meyer. © IMAGO/RHR-FOTO
Silas Ostrzinski
Auch Silas Ostrzinski hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und ist als zukünftige Nummer eins bei der U23 fest eingeplant. Sein Vertrag läuft bis 2027. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Meusel
Alexander Meyer
Ersatztorwart Alexander Meyer steht seit 2022 beim BVB unter Vertrag. Sein Arbeitspapier läuft am 30.06.2027 aus.  © IMAGO/Jess Stiles
Yan Couto
Der Brasilianer Yan Couto kam zunächst als Leihe vom Manchester City, ehe Dortmund frühzeitig die Kaufpflicht zog – sein Vertrag läuft bis zum 30.06.2030. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Waldemar Anton
Waldemar Anton wechselte im Sommer 2024 von VfB Stuttgart zum BVB – Vertrag bis zum 30.06.2028. © IMAGO/Marco Bader
Nico Schlotterbeck
Abwehrchef Nico Schlotterbeck ist seit Sommer 2022 gesetzt in Dortmund – sein aktueller Vertrag läuft bis 2027, doch der BVB plant bereits eine vorzeitige Verlängerung bis 2030 inklusive einer Gehaltsverdopplung. © IMAGO/Revierfoto
Ramy Bensebaini
Der algerische Außenverteidiger Ramy Bensebaini kam 2023 ablösefrei und unterschrieb einen Vierjahresvertrag beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Niklas Süle
Niklas Süles Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026. Im März gab der Verein bekannt, dass sich die Wege im Sommer trennen werden.  © IMAGO/Marco Bader
Julian Ryerson
Der Norweger Julian Ryerson verlängerte ebenfalls vorzeitig seinen Vertrag bis 2028 und hat sich zu einem festen Bestandteil der Mannschaft etabliert. © IMAGO/Marco Bader
Almugera Kabar
Das BVB-Talent Almugera Kabar erhielt im Februar 2025 seinen ersten Profivertrag bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Filippo Mane
Der italienische Innenverteidiger Filippo Mane hat ebenfalls Anfang 2025, seinen ersten Profivertrag bis 2028 unterschrieben. © IMAGO/Katie Stratman
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat einen bis 2027 gültigen Kontrakt.
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat seinen bis 2027 gültigen Kontrakt langfristig verlängert. Über die genaue Laufzeit ist nichts bekannt. © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Daniel Svensson
Der zunächst ausgeliehene Daniel Svensson kam Anfang Februar 2025 vom FC Nordsjælland – Dortmund zog frühzeitig die Kaufoption, sein Vertrag läuft nun bis zum 30. Juni 2029. © IMAGO/Katie Stratman
Salih Özcan
Salih Özcan unterschrieb 2022 seinen Vierjahresvertrag bis 2026. Dieser wird nicht verlängert, sodass der türkische Nationalspieler den BVB im Sommer verlässt. © IMAGO/Hesham Elsherif
Felix Nmecha
Der Mittelfeldspieler Felix Nmecha kam 2023 für knapp 30 Mio.€ vom VfL Wolfsburg. Im März 2026 verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2030. ©  IMAGO / Nicolo Campo
Julian Brandt
Julian Brandts Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026 – dann endet nach sieben Jahren seine Zeit beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Carney Chukwuemeka
Der Engländer Carney Chukwuemeka unterschrieb nach seiner Leihe vom FC Chelsea fest beim BVB. Er ist noch bis 2030 gebunden. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Marcel Sabitzer
Marcel Sabitzer wechselte 2023 vom FC Bayern nach Dortmund – sein Vertrag läuft regulär bis 2027, der BVB hat wohl vorerst keine Vertragsverlängerung geplant. © IMAGO/Marco Bader
Emre Can
Der Vertrag des Kapitäns läuft nach der Saison 2025/26 aus. Berichten zufolge verlängert er nach seiner schweren Kreuzbandverletzung allerdings um ein weiteres Jahr.  © IMAGO/Madeleine Fantini
Kjell Wätjen
Das Dortmunder Talent unterschrieb 2024 seinen ersten Profivertrag – für die Saison 2025/2026 wird der 19-Jährige, für die Spielpraxis an den VfL Bochum ausgeliehen. Sein BVB-Kontrakt läuft noch bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Jobe Bellingham
Der 19-jährige Jobe Bellingham unterzeichnete im Juni 2025 einen Fünfjahresvertrag bis 2030 und bereitet sich momentan bei der Klub-WM auf die Bundesliga-Saison 2025/26 vor. © IMAGO / Nicolo Campo
Karim Adeyemi
Karim Adeyemi wechselte im Sommer 2022 von RB Salzburg zum BVB – sein Vertrag läuft noch bis 2027. Immer wieder rankten sich Abgangsgerüchte um den Flügelspieler. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Maximilian Beier
Der 21-jährige Maximilian Beier wechselte im August 2024 von Hoffenheim zum BVB, nachdem er dort mit 16 Bundesligatoren glänzte – sein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Marco Bader
Verlässt Serhou Guirassy den BVB?
Torjäger Serhou Guirassy kam im Juli 2024 vom VfB Stuttgart und lieferte seitdem bei den Borussen ab – sein Vertrag läuft noch bis 2028. ©  IMAGO / Gribaudi/ImagePhoto
Julien Duranville
Julien Duranville ist noch bis 2028 an Dortmund gebunden. In der Rückrunde der Saison 2025/26 spielt er auf Leihbasis beim FC Basel. © IMAGO/Madeleine Fantini
Cole Campbell
Cole Campbell unterschrieb 2024 einen Profivertrag in Dortmund – sein Vertrag läuft noch bis 2028. Auch er ist 2025/26 ausgeliehen und verbringt die Rückrunde bei der TSG Hoffenheim. © IMAGO/Katie Stratman
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030.
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030. © IMAGO/Jordi Mergen

Nach seiner überstandenen Krebserkrankung hatte Haller in der Rückrunde neun Tore erzielt, in den beiden Spielen vor dem Bundesliga-Finale jeweils einen Doppelpack geschnürt und in der Bundesliga ohnehin noch nie einen Elfmeter verschossen. Can wog ab: die etablierte Hierarchie gegen das Momentum und das schier grenzenlose Selbstvertrauen seines Stürmers.

Ob der BVB den Titel errungen hätte, wenn Can angetreten wäre, kann niemand sagen. „Zuerst hätte ich den Elfer auch noch machen müssen. Aber ich hätte ihn gemacht! Ja, ich hätte damals schießen sollen“, gibt Can im Rückblick zu. Zwingend gelernt hat er aus der Sache jedoch nicht. Den BVB ereilte in der vergangenen Rückrunde beim späten Sieg in Hoffenheim eine ähnliche Situation.

„Ich habe Serhou Guirassy einen Elfmeter überlassen. Baumann hielt ihn. Hinterher waren wir beide die Deppen und es hieß: Wieso schießt der Can nicht? Hätte Serhou ihn gemacht, wäre ich der ehrenwerte Kapitän gewesen, der seinem Stürmer den Torerfolg gönnt.“ Anders als am vermaledeiten 27. Mai 2023 ging die Sache für den BVB gut aus: Dank Waldemar Anton gelang der Sieg in Hoffenheim und letztlich die Qualifikation zur Champions League. Ende gut, alles gut.

Das war dem BVB gegen Mainz im Fernduell mit dem FC Bayern nicht vergönnt. Can ist kein Typ, der sich mit „was wäre, wenn ...“-Szenarien auseinandersetzen mag. „Ich bin sowieso jemand, der daran glaubt, dass jede Geschichte schon geschrieben ist. Und an diesem Tag sollte es einfach nicht sein. Wir sollten nicht Meister werden“, so der Nationalspieler. 

Für ihn mag dies ein Weg sein, Frieden mit dem Trauma zu schließen. Für den Verein und seine Fans, die sich nach einer unbedingten Siegermentalität sehnen, bleibt wohl für immer ein bitterer Beigeschmack. Die neue Saison steht vor der Tür, die Jagd nach Titeln beginnt von Neuem. Ob sich Can diesmal alle wichtigen Elfmeter schnappt?

Rubriklistenbild: © IMAGO/UWE KRAFT

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