Neuer Einzelkönner für Dortmund

BVB-Transfer für 25 Millionen Euro soll ein Kovač-Problem lösen

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Trainer Niko Kovač hat im BVB-Team eine entscheidende Schwachstelle erkannt. Die Lösung lässt sich Borussia Dortmund eine ordentliche Summe kosten.

Dortmund – Am Dienstag wurde es offiziell: Carney Chukwuemeka wechselt für bis zu 25 Millionen Euro Ablöse fest von Chelsea zum BVB. Angesichts der üppigen Besetzung im zentralen Mittelfeld wundert sich manch ein Fan über das Investment, während andere Baustellen offen bleiben. Welches BVB-Problem löst die Verpflichtung von Chukwuemeka?

BVB-Trainer Niko Kovač bemängelte zuletzt die Qualität seines Kaders.

Die Antwort auf die naheliegende Frage lieferte Trainer Niko Kovač bereits nach dem 3:3 auf St. Pauli zum Saisonstart in der Bundesliga. Der Trainer klagte beim TV-Sender Sky über einen Mangel an „Unterschiedsspielern“ beim BVB, die dem Spiel zur Not auch von der Bank aus eine neue Richtung geben können. Genau das soll Chukwuemeka ändern.

Welches BVB-Problem löst Carney Chukwuemeka?

Zahlenmäßig mag der BVB im Mittelfeld top besetzt sein, die Profile der Spieler überschneiden sich aber teils arg. Einen herausragenden Einzelkönner suchte man da bislang vergeblich. Was, wenn ein Gegner tief steht, die Passwege zustellt und Dortmund im tiefen Block empfängt? Dann braucht es einen Spieler, der sich durch Dribblings Räume erobert und Abwehrreihen aus dem Gleichgewicht bringen kann.

„Carney besitzt riesiges Potenzial, das er bei uns in der Rückrunde schon gezeigt hat. Er kann den Unterschied machen, indem er in engen Räumen immer wieder Lösungen findet, und verleiht uns im Mittelfeld ein zusätzliches fußballerisches Element, das uns sehr guttut“, erklärt Sportdirektor Sebastian Kehl die Verpflichtung.

Wer geht? Wer bleibt? – Die Vertragslaufzeiten der Stars von Borussia Dortmund

Gregor Kobel
Stammtorhüter Gregor Kobel hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und bleibt bis 2028 gesetzt. © IMAGO/Madeleine Fantini
Patrick Drewes
Patrick Drewes unterschrieb am 26. Juni 2025 seinen Vertrag beim BVB bis 2027 – als neue Nummer 3 hinter Gregor Kobel und Alexander Meyer. © IMAGO/RHR-FOTO
Silas Ostrzinski
Auch Silas Ostrzinski hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und ist als zukünftige Nummer eins bei der U23 fest eingeplant. Sein Vertrag läuft bis 2027. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Meusel
Alexander Meyer
Ersatztorwart Alexander Meyer steht seit 2022 beim BVB unter Vertrag. Sein Arbeitspapier läuft am 30.06.2027 aus.  © IMAGO/Jess Stiles
Yan Couto
Der Brasilianer Yan Couto kam zunächst als Leihe vom Manchester City, ehe Dortmund frühzeitig die Kaufpflicht zog – sein Vertrag läuft bis zum 30.06.2030. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Waldemar Anton
Waldemar Anton wechselte im Sommer 2024 von VfB Stuttgart zum BVB – Vertrag bis zum 30.06.2028. © IMAGO/Marco Bader
Nico Schlotterbeck
Abwehrchef Nico Schlotterbeck ist seit Sommer 2022 gesetzt in Dortmund – sein aktueller Vertrag läuft bis 2027, doch der BVB plant bereits eine vorzeitige Verlängerung bis 2030 inklusive einer Gehaltsverdopplung. © IMAGO/Revierfoto
Ramy Bensebaini
Der algerische Außenverteidiger Ramy Bensebaini kam 2023 ablösefrei und unterschrieb einen Vierjahresvertrag beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Niklas Süle
Niklas Süles Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026. Im März gab der Verein bekannt, dass sich die Wege im Sommer trennen werden.  © IMAGO/Marco Bader
Julian Ryerson
Der Norweger Julian Ryerson verlängerte ebenfalls vorzeitig seinen Vertrag bis 2028 und hat sich zu einem festen Bestandteil der Mannschaft etabliert. © IMAGO/Marco Bader
Almugera Kabar
Das BVB-Talent Almugera Kabar erhielt im Februar 2025 seinen ersten Profivertrag bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Filippo Mane
Der italienische Innenverteidiger Filippo Mane hat ebenfalls Anfang 2025, seinen ersten Profivertrag bis 2028 unterschrieben. © IMAGO/Katie Stratman
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat einen bis 2027 gültigen Kontrakt.
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat seinen bis 2027 gültigen Kontrakt langfristig verlängert. Über die genaue Laufzeit ist nichts bekannt. © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Daniel Svensson
Der zunächst ausgeliehene Daniel Svensson kam Anfang Februar 2025 vom FC Nordsjælland – Dortmund zog frühzeitig die Kaufoption, sein Vertrag läuft nun bis zum 30. Juni 2029. © IMAGO/Katie Stratman
Salih Özcan
Salih Özcan unterschrieb 2022 seinen Vierjahresvertrag bis 2026. Dieser wird nicht verlängert, sodass der türkische Nationalspieler den BVB im Sommer verlässt. © IMAGO/Hesham Elsherif
Felix Nmecha
Der Mittelfeldspieler Felix Nmecha kam 2023 für knapp 30 Mio.€ vom VfL Wolfsburg. Im März 2026 verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2030. ©  IMAGO / Nicolo Campo
Julian Brandt
Julian Brandts Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026 – dann endet nach sieben Jahren seine Zeit beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Carney Chukwuemeka
Der Engländer Carney Chukwuemeka unterschrieb nach seiner Leihe vom FC Chelsea fest beim BVB. Er ist noch bis 2030 gebunden. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Marcel Sabitzer
Marcel Sabitzer wechselte 2023 vom FC Bayern nach Dortmund – sein Vertrag läuft regulär bis 2027, der BVB hat wohl vorerst keine Vertragsverlängerung geplant. © IMAGO/Marco Bader
Emre Can
Der Vertrag des Kapitäns läuft nach der Saison 2025/26 aus. Berichten zufolge verlängert er nach seiner schweren Kreuzbandverletzung allerdings um ein weiteres Jahr.  © IMAGO/Madeleine Fantini
Kjell Wätjen
Das Dortmunder Talent unterschrieb 2024 seinen ersten Profivertrag – für die Saison 2025/2026 wird der 19-Jährige, für die Spielpraxis an den VfL Bochum ausgeliehen. Sein BVB-Kontrakt läuft noch bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Jobe Bellingham
Der 19-jährige Jobe Bellingham unterzeichnete im Juni 2025 einen Fünfjahresvertrag bis 2030 und bereitet sich momentan bei der Klub-WM auf die Bundesliga-Saison 2025/26 vor. © IMAGO / Nicolo Campo
Karim Adeyemi
Karim Adeyemi wechselte im Sommer 2022 von RB Salzburg zum BVB – sein Vertrag läuft noch bis 2027. Immer wieder rankten sich Abgangsgerüchte um den Flügelspieler. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Maximilian Beier
Der 21-jährige Maximilian Beier wechselte im August 2024 von Hoffenheim zum BVB, nachdem er dort mit 16 Bundesligatoren glänzte – sein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Marco Bader
Verlässt Serhou Guirassy den BVB?
Torjäger Serhou Guirassy kam im Juli 2024 vom VfB Stuttgart und lieferte seitdem bei den Borussen ab – sein Vertrag läuft noch bis 2028. ©  IMAGO / Gribaudi/ImagePhoto
Julien Duranville
Julien Duranville ist noch bis 2028 an Dortmund gebunden. In der Rückrunde der Saison 2025/26 spielt er auf Leihbasis beim FC Basel. © IMAGO/Madeleine Fantini
Cole Campbell
Cole Campbell unterschrieb 2024 einen Profivertrag in Dortmund – sein Vertrag läuft noch bis 2028. Auch er ist 2025/26 ausgeliehen und verbringt die Rückrunde bei der TSG Hoffenheim. © IMAGO/Katie Stratman
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030.
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030. © IMAGO/Jordi Mergen

In 17 Pflichtspielen als Leihspieler war Chukwuemeka bereits wertvoll für den BVB – auch wenn die durchschnittliche Spielzeit von nur 22 Minuten pro Partie seine begrenzte Rolle verdeutlichte. Trotzdem hatte der Engländer seinen Einfluss bei der Aufholjagd des BVB auf die Champions-League-Plätze. Chukwuemeka überragte etwa gegen den SC Freiburg, den man am 34. Spieltag im Fernduell noch überholte.

Gegen Borussia Mönchengladbach war er nach Einwechslung an allen drei Toren beteiligt. Solche Momente rechtfertigen aus Sicht des BVB die hohe Investition. Kovač bezeichnete ihn damals als „Gamechanger“ – ein Prädikat, das in der aktuellen Kadersituation Gold wert ist, zumal mit Jamie Gittens der größte Individualist der Vorsaison den umgekehrten Weg zu Chelsea gegangen ist.

Allerdings geht der BVB mit der Verpflichtung ein beträchtliches Risiko ein. Chukwuemekas Verletzungshistorie ist nicht von der Hand zu weisen. Wiederkehrende kleinere Blessuren verhinderten in der Rückrunde, dass er konstanten Rhythmus fand. Bei einem 25-Millionen-Investment kann sich der Verein solche Ausfälle eigentlich nicht leisten.

Chukwuemeka wird für BVB-Trainer Kovač eine besondere Aufgabe

Andererseits verkompliziert sich die Marktlage für Vereine wie den BVB zusehends. Spieler mit Chukwuemekas Profil werden immer teurer. Dass Chelsea dem Vernehmen nach bei einem späteren Weiterverkauf kräftig mitverdienen würde, ärgert viele Fans. Trotzdem ist der BVB sicher, dass sich der Transfer auszahlen wird – auch weil man den 21-Jährigen nach der halbjährigen Leihe bereits kennt.

„Ich habe diesen Klub, den Trainer, meine Teamkollegen und die Fans kennengelernt und bin einfach nur froh, dass Borussia Dortmund jetzt meine neue fußballerische Heimat ist“, sagt Chukwuemeka selbst. Diese Vertrautheit minimiert das Risiko ein Stück weit. Der BVB weiß, wie Chukwuemeka in der Kabine funktioniert, wie er auf Druck reagiert und welche Rolle er im Mannschaftsgefüge einnehmen kann.

„Es war uns wichtig, im offensiven Mittelfeld noch einmal an Qualität und Kreativität zuzulegen“, begründet Geschäftsführer Lars Ricken die Entscheidung. Die Verpflichtung von Chukwuemeka ist ein kalkuliertes Wagnis – mit der Chance auf einen echten Unterschiedsspieler. Trainer Kovač dürfte es als Herausforderung betrachten, das riesige Potenzial des Neuzugangs dauerhaft abzurufen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Noah Wedel

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