Trotz nur 381 Minuten – darum bleibt der BVB bei Chukwuemeka hartnäckig
VonLars Pollmann
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Trotz Absage des FC Chelsea bei Chukwuemeka gibt der BVB nicht auf. Die Verantwortlichen verfolgen ihre Bemühungen weiter – aus einem wichtigen Grund.
Dortmund – Die Nachricht trifft die ungeduldigen Fans von Borussia Dortmund hart: Wie unter anderem Transfer-Experte Fabrizio Romano berichtet, hat der FC Chelsea dem Wunsch des BVB, Carney Chukwuemeka für die neue Saison erneut mit Kaufoption auszuleihen, für den Moment eine klare Absage erteilt.
Der Poker um das Mittelfeld-Juwel droht zu platzen, bevor er richtig begonnen hat.
Für den BVB ist es die befürchtete Zuspitzung in einer ohnehin schon komplizierten Gemengelage. Die Absage aus London ist das Resultat einer strategischen Pattsituation: Chelsea will seinen XXL-Kader mit einem Verkauf von Chukwuemeka verschlanken, Dortmund kein zu großes finanzielles Risiko für einen bisher sehr verletzungsanfälligen Spieler eingehen.
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Auch wenn Chelsea die Tür für eine Leihe momentan womöglich zugeschlagen hat, ist das Interesse des BVB an Chukwuemeka ungebrochen. Der Grund dafür liegt in den wenigen, aber überzeugenden Auftritten der letzten Saison. Trainer Niko Kovač adelte ihn nach seiner Leistung gegen Borussia Mönchengladbach etwa als „Game-Changer“ und schwärmte von den „sensationell guten“ Attributen, die Chukwuemeka zweifelsohne mitbringt.
Diese Einschätzung teilen die BVB-Bosse. Sie sehen in ihm das Potenzial zu einem echten Unterschiedsspieler. Diese Überzeugung, gepaart mit dem Wissen, dass der Spieler selbst am liebsten in Dortmund bleiben würde, gibt dem BVB die Hoffnung, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Chukwuemekas Wunsch, im vergleichsweise ruhigen BVB-Umfeld zu bleiben, ist das größte Pfund, mit dem Sportdirektor Sebastian Kehl noch wuchern kann.
Chukwuemeka war in Dortmund nur Teilzeitkraft
Die klare Haltung des BVB, die von Chelsea geforderte Ablösesumme nach dem vergangenen Halbjahr nicht zu zahlen, ist jedoch wirtschaftlich alternativlos. Ein Blick auf die Zahlen der Leihe genügt: Über fünf Millionen Euro an Leihgebühr und Gehalt standen am Ende nur 381 Spielminuten gegenüber. Das entspricht Kosten von mindestens 14.000 Euro pro Minute.
Noch schwerer wiegt die katastrophale Verletzungshistorie. In seiner jungen Karriere verpasste Chukwuemeka bereits über 50 Spiele und war zusammengerechnet fast ein ganzes Jahr außer Gefecht gesetzt. Ein derart anfälliger Spieler ist nicht ohne Weiteres eine große Investition wert – ein Standpunkt, von dem der BVB aus Gründen der fiskalischen Vernunft nicht abweichen kann.
Die Absage von Chelsea ist dabei kein grundsätzliches Veto gegen den BVB, mit dem die Londoner exzellente Beziehungen pflegen, wie sich zuletzt bei erstaunlich vielen Deals gezeigt hat. Sondern es ist die Konsequenz aus der eigenen Finanzpolitik. Der neue Klub-Weltmeister steht unter massivem Druck, nach riesigen Investitionen Einnahmen zu generieren und den aufgeblähten Kader zu verkleinern. Eine Leihe hilft dabei nur anteilig. Deshalb steht für den Moment eine unnachgiebige Forderung: Verkauf oder nichts.
Der BVB hofft nun auf einen entscheidenden Faktor: den Markt. Aktuell gibt es keine Berichte über andere Vereine, die bereit wären, eine signifikante Ablöse für Chukwuemeka zu zahlen. Je länger dieser Zustand anhält, desto größer wird der finanzielle Druck auf Chelsea, den teuren Spieler von der Gehaltsliste zu bekommen. Die Aussicht, dass 2026 per Kaufoption des BVB eine nette Summe aufs Konto kommt, wird mit Fortschreiten der Transferzeit immer attraktiver.
Der BVB spielt mit der Zeit
Gleichwohl befindet sich der BVB unter Zugzwang. Das Warten auf ein mögliches Einlenken von Chelsea ist ein riskantes Spiel. Jeder Tag, der verstreicht, ist ein verlorener Tag bei der Suche nach Alternativen. Denn klar ist: Wenn Chukwuemeka nicht erneut verpflichtet werden kann, muss der schon jetzt auf Kante genähte BVB-Kader definitiv um einen anderen Profi erweitert werden.
Heißt also: Die Gefahr, am Ende mit leeren Händen dazustehen, weil man zu lange auf eine Wendung bei Chukwuemeka gehofft hat, ist real.
Die Frage, die sich nun stellt, ist drängender denn je: Wie lange kann und will Borussia Dortmund auf einen Spieler warten, für den man offenbar bereits eine Absage kassiert hat, während der Transfermarkt nicht stillsteht?