BVB-Transfer von Stürmer Fábio Silva spaltet gehörig die Gemüter
VonLars Pollmann
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Der BVB macht einen Transfer-Dreierpack mit Fábio Silva perfekt. Der Portugiese wird von Fans mit Skepsis beäugt. In England scheiterte er grandios.
Update vom 29. August, 16.45 Uhr: Borussia Dortmund hat die Verpflichtung von Fábio Silva am Freitagnachmittag offiziell bekannt gegeben. „Es war unser Ziel, das Team auch im Sturmzentrum breiter aufzustellen, um möglichst unberechenbar und für alle Situationen in drei Wettbewerben bestmöglich gewappnet zu sein“, erklärt Sportchef Lars Ricken.
„Wir haben viel Geduld benötigt, um unsere Vorstellungen durchzusetzen und sind nun froh, in Fábio Silva einen Spieler mit großem Potenzial verpflichtet zu haben“, so Ricken weiter. Sportdirektor Sebastian Kehl nennt den Portugiesen einen „fußballerisch und menschlich gereiften und trotzdem immer noch jungen, entwicklungsfähigen Spieler“.
„Bei einem Verein wie Borussia Dortmund zu unterschreiben, ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagt Silva selbst. „Ich kenne den BVB als leidenschaftlichen Verein mit unglaublichen Fans. Jetzt selbst Teil davon zu sein, erfüllt mich mit Stolz und großer Vorfreude.“ Der Angreifer wird beim BVB die Rückennummer 21 tragen. Ob er schon am Sonntag gegen Union Berlin im Kader steht, bleibt zunächst unklar.
🇵🇹 Borussia Dortmund hat sich in der Offensive verstärkt und mit sofortiger Wirkung Stürmer Fabio Silva von den Wolverhampton Wanderers verpflichtet.
Erstmeldung: Dortmund – Der Name Fábio Silva lässt viele Anhänger von Borussia Dortmund die Stirn runzeln. Bis zu 26,5 Millionen Euro Ablöse für einen Stürmer, der in der Premier League grandios scheiterte? Während der BVB in anderen Bereichen dringend Verstärkung bräuchte, investiert der Verein eine beträchtliche Summe in einen 23-Jährigen mit einer bisher äußerst wechselhaften Karriere. Die Skepsis ist groß.
In sozialen Medien und Foren äußern sich BVB-Fans kritisch über die Prioritätensetzung. Andere Baustellen scheinen aktuell relevanter, als einen vierten Angreifer zu verpflichten. Dortmund verfügt aktuell zum Beispiel über nicht einen einzigen gestandenen Flügelspieler. Das Kreativloch im Mittelfeld mit dem verletzungsanfälligen Carney Chukwuemeka zu füllen, überzeugt auch nicht jeden Fan.
BVB-Transfer Silva: Vom Wunderkind zum Millionen-Grab
Fábio Silvas Geschichte beginnt dabei wie ein Märchen und entwickelt sich phasenweise zu einem Albtraum. Als 17-Jähriger brach er beim FC Porto einen Rekord nach dem anderen. Er wurde zum jüngsten Ligaspieler der Vereinsgeschichte, jüngsten Europacup-Debütanten und erzielte als jüngster Torschütze in der Klubhistorie seine ersten Treffer.
Diese Erfolge rechtfertigten scheinbar die 40 Millionen Euro, die Wolverhampton Wanderers 2020 für den Teenager auf den Tisch legten. Doch schon damals gab es Warnsignale. Silva fühlte sich zum Wechsel „gedrängt“ und wusste selbst, dass er für die Premier League noch nicht bereit war. Man habe ihm jedoch angedeutet, bei einer Absage nicht mehr für Portos erste Mannschaft spielen zu dürfen.
Unter diesen Voraussetzungen wurde der Portugiese zum Mega-Flop. In 72 Pflichtspielen für die Wolves gelangen Silva lediglich fünf Tore und sechs Vorlagen. Eine katastrophale Bilanz für einen Spieler, der als Rekordtransfer geholt wurde. Der junge Portugiese wirkte in der körperbetonten Premier League oft überfordert.
Nach dem Debakel in England begann Silvas Wanderschaft durch Europa. Vier Leihgeschäfte in vier verschiedenen Ländern sollten seine Karriere retten. In Belgien bei Anderlecht blühte er erstmals wieder auf: elf Tore in 32 Spielen gaben ihm das Selbstvertrauen zurück. Bei PSV Eindhoven sammelte er weitere Spielpraxis und gewann den niederländischen Pokal.
Die Zeit bei den Rangers in Glasgow wurde zur Charakterprüfung. Sechs Tore in 25 Spielen waren solide, aber nicht überragend. Wichtiger war die taktische Weiterentwicklung: Trainer Philippe Clement setzte ihn oft auf dem linken Flügel ein, was Silva später als prägend bezeichnete. Es habe ihn zu einem „kompletteren“ Spieler gemacht, der nun in allen Offensivpositionen agieren könne.
Den Durchbruch schaffte Silva schließlich in Spanien. Bei UD Las Palmas erzielte er zehn Tore und drei Vorlagen in 24 La-Liga-Spielen – eine beeindruckende Quote für einen Stürmer bei einem späteren Absteiger. Diese Leistung brachte ihm sogar die erste Berufung in Portugals A-Nationalmannschaft ein.
BVB setzt sich bei Silva gegen namhafte Transfer-Konkurrenz durch
Auf dem Markt ist im Anschluss an diese Saison in Spanien ein Wettkampf um Silva entstanden. RB Leipzig, die AS Rom und AC Mailand hatten den Stürmer neben weiteren Interessenten besonders auf dem Wunschzettel markiert. Den Zuschlag hat jetzt Dortmund erhalten. Die Freude hält sich bei den meisten Fans allerdings in engen Grenzen.
Mit Serhou Guirassy steht bereits ein etablierter Torjäger bereit, an dem kein Weg vorbei führt. Maximilian Beier und Karim Adeyemi können ebenfalls als Sturmspitzen agieren. Silva wird wohl als hochwertiger Backup für mehrere Offensiv-Positionen eingeplant – eine teure Lösung für die zweite Reihe, also?
Die Zweifel der Anhänger scheinen auf den ersten Blick berechtigt. Über 20 Millionen Euro Ablöse für einen ehemaligen Premier-League-Flop sind viel Geld, besonders bei den anderen Baustellen im Kader. Doch vielleicht ist genau das die richtige Wette: auf einen Spieler, der durch Rückschläge gereift und inzwischen für den nächsten Karriereschritt bereit ist.
Ob aus dem gescheiterten Wunderkind endlich der Stürmer wird, den die 40-Millionen-Ablöse vor fünf Jahren versprach, muss sich jetzt zeigen. Der BVB baut darauf – auch perspektivisch: Silva unterschreibt einen Vertrag bis 2030, könnte damit in die erste Reihe rücken, wenn Guirassy Dortmund verlassen sollte.
Der Guineer wird im Laufe der Saison 30 Jahre alt und wird mit einiger Wahrscheinlichkeit noch einen letzten großen Vertrag unterschreiben wollen, mutmaßlich in Saudi-Arabien oder England. Sollte Silva zum Sturmführer beim BVB werden, wäre auch seine Ablöse neu zu bewerten. Für einen Stammspieler im Angriff sind bis zu 26,5 Millionen Euro heutzutage eher Peanuts.