Champions-League-Triumph von PSG war aus drei Gründen absehbar
VonFlorian Bajus
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PSG gewinnt erstmals in der Vereinshistorie die Champions League. Der 5:0-Erfolg gegen Inter Mailand war nahezu vorhersehbar.
München – Es wird sich angefühlt haben wie ein Traum. Wahrscheinlich war es sogar der beste Traum seit langem, den Nasser Al-Khelaifi, Vorstandsvorsitzender von Paris St. Germain, am Samstagabend beim Champions-League-Finale gegen Inter Mailand geträumt hat.
PSG gewinnt in München die Champions League
Gehofft wird der katarische Geschäftsmann haben, dass ihn niemand zwickt und aufweckt, ihn niemand rausholt aus diesem Traum. Spätestens am Sonntag weiß Al-Khelaifi allerdings: Das, was in der Münchner Allianz Arena passiert ist, ist wirklich passiert.
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PSG konnte gegen Inter nur gewinnen – dank Luis Enrique
Auf dem Weg ins Endspiel hatte PSG mit dem FC Liverpool, Aston Villa und dem FC Arsenal drei Premier-League-Vereine ausgeschaltet, Inter setzte sich gegen Feyenoord Rotterdam, den FC Bayern und den FC Barcelona durch. Dass die Mannschaft von Simone Inzaghi wie im Endspiel 2023 gegen Manchester City (0:1) als Verlierer vom Platz gehen würde, war vorprogrammiert, wie mancher vom Aberglauben eingenommener Fan sagen dürfte.
Die Gründe für den Pariser Champions-League-Sieg liegen auf der Hand. Zum zehnjährigen Jubiläum des Triples mit Barça spielte Luis Enrique ein Finale in Deutschland, diesmal allerdings in München. Der Gegner stammte erneut aus Italien, auch wenn er Inter statt Juventus hieß.
Ein weiteres Kuriosum: So wie Inter im Halbfinale Barcelona aus dem Turnier kegelte, schaltete Juventus im Halbfinale 2014/15 Real Madrid aus. Folglich hätte es ja gar nicht anders kommen können, als dass der Henkelpott in Frankreich landen wird.
Dort ist PSG der zweite Verein nach Olympique Marseille (1992/93), der die Champions League gewinnt. Luis Enrique avanciert indes zum zweiten Trainer nach Pep Guardiola, der mit zwei Vereinen das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Königsklasse erreicht.
Ist PSG ein sympathischer Champions-League-Sieger?
Allerdings hat jede Geschichte einen Haken, somit auch diese. In den sozialen Netzwerken erhält das „neue“ PSG überraschend viel Zuspruch, von Sympathie mit dieser Mannschaft ist plötzlich die Rede. Dabei verachten weite Teile deutscher Fußball-Fans nichts mehr als Investoren und Konsortien, die Vereine mit Geld vollpumpen und Transfers in schwindelerregender Höhe ermöglichen.
Doch auch diese Offensive kostet sehr viel Geld. Für Dembéle und Doué nahm PSG jeweils 50 Millionen Euro in die Hand, Barcola kostete 45 Millionen Euro. Das sind unter dem Strich Ablösesummen über 145 Millionen Euro. Klar, Neymar hat 222 Millionen Euro gekostet und Mbappé 180 Millionen, somit möge es sich um drei Spieler zum Preis von einem handeln. Allerdings waren Neymar und Mbappé auch die teuersten Transfers in der Geschichte des Fußballs.
PSG gibt noch immer unheimlich viel Geld aus
Darüber hinaus steht die Pariser Transferbilanz in der Saison 2024/25 bei -109,82 Millionen Euro, seit 2020/21 haben sich sogar -580,37 Millionen Euro angehäuft.
Vor Saisonbeginn kam João Neves für 59,92 Millionen Euro von Benfica, im Winter legte der Klub mit Khvicha Kvaratskhelia (kam für 70 Millionen Euro von der SSC Neapel, Anm. d. Red.) nach. Beide gehören zu den zehn teuersten Transfers der Vereinshistorie.
Die Moral ist somit zweierlei. Den PSG-Bossen ist nun endgültig klar, dass elf Welt-Stars keine gute Mannschaft formen. Die Mär, dass Geld keine Titel gewinnt, ist trotzdem widerlegt worden – denn wenn es vernünftig eingesetzt wird, ist Erfolg kalkulierbar.