Fulminanter Triumph

Champions-League-Triumph von PSG war aus drei Gründen absehbar

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PSG gewinnt erstmals in der Vereinshistorie die Champions League. Der 5:0-Erfolg gegen Inter Mailand war nahezu vorhersehbar.

München – Es wird sich angefühlt haben wie ein Traum. Wahrscheinlich war es sogar der beste Traum seit langem, den Nasser Al-Khelaifi, Vorstandsvorsitzender von Paris St. Germain, am Samstagabend beim Champions-League-Finale gegen Inter Mailand geträumt hat.

PSG gewinnt in München die Champions League

Gehofft wird der katarische Geschäftsmann haben, dass ihn niemand zwickt und aufweckt, ihn niemand rausholt aus diesem Traum. Spätestens am Sonntag weiß Al-Khelaifi allerdings: Das, was in der Münchner Allianz Arena passiert ist, ist wirklich passiert.

Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball

Manuel Neuer feiert die Meisterschaft des FC Bayern auf Krücken
Manuel Neuer ist schon mehrfach auf Krücken gelaufen. Der Kapitän des FC Bayern erlitt jüngst eine kuriose Verletzung – und ist damit im Profifußball nicht alleine ... © IMAGO / Revierfoto
Nathan Ngoumou wird vorerst nicht mehr für Borussia Mönchengladbach spielen
Nathan Ngoumou wurde nach dem Schlusspfiff des Auswärtsspiels von Borussia Mönchengladbach gegen den FC St. Pauli zum Auslaufen geschickt. Wenige Minuten später musste der Flügelspieler mit einer gerissenen Achillessehne in die Kabine getragen werden. © IMAGO/kolbert-press/Burghard Schreyer
Manuel Neuer wurde im Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern und Leverkusen ausgewechselt
Für Manuel Neuer hatte das Champions-League-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen im März 2025 bittere Konsequenzen. Der Torhüter des FC Bayern erlitt beim Torjubel einen Muskelfaserriss. © IMAGO/Philippe Ruiz
Xabi Alonso gewann 2010 mit Spanien die Weltmeisterschaft in Südafrika
Auf dem Platz konnte man Xabi Alonso wenig anhaben, dafür war die Dusche sein größter Feind. In der Vorbereitung auf das WM-Halbfinale 2010 erlitt Alonso eine tiefe Wunde im Knie, weil die Glasscheibe der Dusche plötzlich brach. Der Cut wurde in der Mannschaftskabine zugenäht, der Mittelfeldspieler stand gegen Deutschland daher auf dem Rasen. © IMAGO / Fotoarena
Charles Akonnor spielte von 1998 bis 2004 für den VfL Wolfsburg
Im Jahr 2001 rammte sich Charles Akonnor, damals für den VfL Wolfsburg tätig, versehentlich seine Auto-Antenne in die Nase. Weil das blutstillende Mittel auf der Dopingliste stand, wurde er für drei Spiele gesperrt.  © IMAGO / Contrast
Kevin Trapp spielt bis heute für Eintracht Frankfurt, war von 2015 bis 2018 aber für Paris St. Germain aktiv
Kevin Trapp galt noch als Talent, da hatte er 2013 beim Werbedreh der deutschen U21-Nationalmannschaft großes Pech. Trapp war ausgerutscht, weil er laut dem damaligen Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen mit Stollenschuhen auf einem glatten Steinboden unterwegs war. Später einigten sich die SGE und der DFB auf eine Entschädigungszahlung. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Santiago Cañizares vom FC Valencia diskutiert mit einem Verantwortlichen
Santiago Cañizares wollte sich im Mai 2002 für ein Abendessen mit der spanischen Nationalmannschaft frisch machen, als ihm das Parfüm im Badezimmer auf den Boden fiel und eine Sehne durchtrennte. Damit war die WM in Japan und Südkorea für den Torhüter gelaufen – und ein gewisser Iker Casillas rückte zwischen die Pfosten. © IMAGO / Claus Bergmann
Darren Barnard in einem Spiel der walisischen Nationalmannschaft
Der ehemalige walisische Nationalspieler Darren Barnard musste aufgrund einer Knieverletzung für fünf Monate pausieren, weil er in der Küche in einer Urinpfütze eines Hundewelpens ausrutschte. © IMAGO / Colorsport
Martin Palermo spielte in seiner Karriere auch für die Boca Juniors
Martín Palermo verletzte sich ausgerechnet nach dem größten Erfolg eines Stürmers. Als der Argentinier in Diensten des FC Villarreal ein Tor bejubelte, stürzte die Werbebande ein. Palermo erlitt einen Schien- und Wadenbeinbruch. © IMAGO / Gribaudi / ImagePhoto
Logan Bailly spielte zweieinhalb Jahre für Borussia Mönchengladbach
Logan Bailly erlitt während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach einen Mittelfußbruch. Schuld war eine mobile Klimaanlage, die beim Transport aus seinen Händen glitt und auf seinen Fuß fiel. © IMAGO / Ulmer
Adam Nemec spielte 2011 auch für die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern
Als Adam Nemec dem 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2011 für drei Monate fehlte, war ausgerechnet sein Kirschbaum schuld. Der Stürmer kletterte auf diesen hoch, fiel runter – und brach sich sowohl zwei Brustwirbel als auch das Schlüsselbein. © IMAGO / Revierfoto
Robbie Keane spielte in seiner Karriere unter anderem für Aston Villa
In der Sturmspitze war Robbie Keane treffsicher, doch auf dem heimischen Sofa stellte er sich mit seinem Fuß ungeschickter an. Als er mit diesem die TV-Fernbedienung bedienen wollte, zog sich der Ire einen Bänderriss im Knie zu. © IMAGO / Colorsport
Markus Pröll hütete bis 2010 das Tor von Eintracht Frankfurt
Bei einem Testspiel mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2009 stolperte der damalige Torhüter Markus Pröll nicht über seine eigenen Füße, sondern über ein kleines Mädchen. Das Resultat: eine Schultereckgelenksprengung. © IMAGO / Jan Huebner
Bjarne Thoelke spielte 2011 sechsmal für die Profis des VfL Wolfsburg
Als seine Karriere beim VfL Wolfsburg Fahrt aufnehmen sollte, spielte ein Pferd dem damaligen Abwehrtalent Bjarne Thoelke einen Streich. Der heutige Innenverteidiger des 1. FC Saarbrücken erlitt einen Kahnbeinbruch, weil ein Pferd auf dem Bauernhof seiner Eltern während der Stallarbeit austrat. © IMAGO / Joachim Sielski
Elkin Soto spielte viele Jahre lang für Mainz 05
Im März 2013 musste Mainz-Trainer Thomas Tuchel für ein Spiel auf Elkin Soto verzichten, weil sich der Mittelfeldspieler bei „einer alltäglichen Bewegung“ einen Hexenschuss zuzog. Die Auflösung: Der Kolumbianer erlitt die starken Schmerzen, als er sich bückte, um seine Schuhe zu binden. © IMAGO / Martin Hoffmann
Leon Andreasen hat 2016 seine Karriere bei Hannover 96 beendet
Dass Messer gefährlich sind, lernte Leon Andreasen auf bittere Weise. Der Ex-Profi von Hannover 96 verletzte sich im November 2015 beim Öffnen eines Pakets an der Hand. Die Schnittwunde hatte eine Operation zur Folge. © IMAGO / Eibner
Daniel Bierofka wird von den Spielern von 1860 München gefeiert
Als Daniel Bierofka noch Spieler von 1860 München war, prallte er in einem Testspiel gegen den VfR Aalen mit Schiedsrichter Robert Hartmann zusammen. Die Diagnose: Nasenbeinbruch. © IMAGO / Sven Simon
Nicolai Müller erlitt am 1. Spieltag der Saison 2017/18 einen Kreuzbandriss
Nicolai Müller wollte in der Saison 2017/18 mit dem Hamburger SV angreifen. Am ersten Bundesliga-Spieltag erzielte er schon in der achten Minute den Siegtreffer gegen den FC Augsburg – und erlitt beim Jubel einen Kreuzbandriss. © IMAGO / Oliver Ruhnke
Éver Banega spielt bis heute Fußball und ist für die Newell‘s Old Boys aktiv
Beim FC Valencia fehlte Éver Banega in der Schlussphase der Saison 2011/12 wegen eines Knöchelbruchs. Schuld war das Auto des Argentiniers, das an der Tankstelle über seinen Fuß rollte – weil er die Handbremse nicht gezogen hatte. © IMAGO / ULMER
Stefan Kuntz ist 1991 mit Kaiserslautern deutscher Meister geworden
Als der 1. FC Kaiserslautern am 7. September 1991 gegen den FC Bayern spielte, fehlte Stefan Kuntz (l.) plötzlich. Der damalige Stürmer knickte beim Verlassen des Mannschaftsbusses um und erlitt einen dreifachen Bänderriss.  © IMAGO/ HORSTMUELLER GmbH
Marko Arnautovic geht heute für Inter Mailand auf Torejagd
Marko Arnautović hat bei Werder Bremen mehrfach für Aufruhr gesorgt. So auch im März 2012, als er wegen eines Innenbandrisses im Knie wochenlang fehlte – weil er mit seinem Hund spielte und im Rasen hängengeblieben war. © IMAGO / Marco Canoniero

PSG ist an der europäischen Spitze angekommen. Mit 5:0 fertigte der Klub aus der französischen Landeshauptstadt seinen Kontrahenten Inter Mailand ab, der höchste Sieg seit der Umbenennung des Wettbewerbs zur Saison 1992/93. Die Fans erlebten ein wahres Fußballfest, das die Mannschaft um Star-Trainer Luis Enrique zelebrierte.

PSG konnte gegen Inter nur gewinnen – dank Luis Enrique

Auf dem Weg ins Endspiel hatte PSG mit dem FC Liverpool, Aston Villa und dem FC Arsenal drei Premier-League-Vereine ausgeschaltet, Inter setzte sich gegen Feyenoord Rotterdam, den FC Bayern und den FC Barcelona durch. Dass die Mannschaft von Simone Inzaghi wie im Endspiel 2023 gegen Manchester City (0:1) als Verlierer vom Platz gehen würde, war vorprogrammiert, wie mancher vom Aberglauben eingenommener Fan sagen dürfte.

Das hängt maßgeblich mit PSG-Coach Luis Enrique zusammen, für den alle Sterne in einer Reihe standen. Zur Erinnerung: Der Spanier gewann 2014/15 mit dem FC Barcelona die Champions League im Berliner Olympiastadion gegen Juventus Turin.

Die Gründe für den Pariser Champions-League-Sieg liegen auf der Hand. Zum zehnjährigen Jubiläum des Triples mit Barça spielte Luis Enrique ein Finale in Deutschland, diesmal allerdings in München. Der Gegner stammte erneut aus Italien, auch wenn er Inter statt Juventus hieß.

Luis Enrique hat mit Paris St. Germain im Finale gegen Inter Mailand die Champions League gewonnen.

Ein weiteres Kuriosum: So wie Inter im Halbfinale Barcelona aus dem Turnier kegelte, schaltete Juventus im Halbfinale 2014/15 Real Madrid aus. Folglich hätte es ja gar nicht anders kommen können, als dass der Henkelpott in Frankreich landen wird.

Dort ist PSG der zweite Verein nach Olympique Marseille (1992/93), der die Champions League gewinnt. Luis Enrique avanciert indes zum zweiten Trainer nach Pep Guardiola, der mit zwei Vereinen das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Königsklasse erreicht.

Ist PSG ein sympathischer Champions-League-Sieger?

Allerdings hat jede Geschichte einen Haken, somit auch diese. In den sozialen Netzwerken erhält das „neue“ PSG überraschend viel Zuspruch, von Sympathie mit dieser Mannschaft ist plötzlich die Rede. Dabei verachten weite Teile deutscher Fußball-Fans nichts mehr als Investoren und Konsortien, die Vereine mit Geld vollpumpen und Transfers in schwindelerregender Höhe ermöglichen.

Als Argument wird angeführt, dass auf dem Rasen eben nicht mehr die sündhaft teuren und egoistischen Superstars Kylian Mbappé und Neymar stehen, die von 2021 bis 2023 sogar mit Lionel Messi zusammengespielt haben. Stattdessen erlebt Ousmane Dembélé einen neuen Aufschwung, begleitet wird der Ex-Dortmunder von jungen Talenten wie Bradley Barcola oder Désiré Doué. 

Doch auch diese Offensive kostet sehr viel Geld. Für Dembéle und Doué nahm PSG jeweils 50 Millionen Euro in die Hand, Barcola kostete 45 Millionen Euro. Das sind unter dem Strich Ablösesummen über 145 Millionen Euro. Klar, Neymar hat 222 Millionen Euro gekostet und Mbappé 180 Millionen, somit möge es sich um drei Spieler zum Preis von einem handeln. Allerdings waren Neymar und Mbappé auch die teuersten Transfers in der Geschichte des Fußballs.

PSG gibt noch immer unheimlich viel Geld aus

Darüber hinaus steht die Pariser Transferbilanz in der Saison 2024/25 bei -109,82 Millionen Euro, seit 2020/21 haben sich sogar -580,37 Millionen Euro angehäuft.

Vor Saisonbeginn kam João Neves für 59,92 Millionen Euro von Benfica, im Winter legte der Klub mit Khvicha Kvaratskhelia (kam für 70 Millionen Euro von der SSC Neapel, Anm. d. Red.) nach. Beide gehören zu den zehn teuersten Transfers der Vereinshistorie.

Die Moral ist somit zweierlei. Den PSG-Bossen ist nun endgültig klar, dass elf Welt-Stars keine gute Mannschaft formen. Die Mär, dass Geld keine Titel gewinnt, ist trotzdem widerlegt worden – denn wenn es vernünftig eingesetzt wird, ist Erfolg kalkulierbar. 

Rubriklistenbild: © IMAGO/Isabella Bonotto

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