Zwei Charakterzüge machen ihn aus: Handball-Europameister schwärmt von Deutschland-Held Knorr
VonMelanie Gottschalk
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Das DHB-Team hat sich bereits für die Hauptrunde qualifiziert. Mit Frankreich wartet am Dienstag (16. Januar) aber der erste richtige Gradmesser.
Frankfurt – Das Minimalziel Hauptrunde ist erreicht! Beim deutlichen 34:25-Sieg des DHB-Teams gegen Nordmazedonien lieferten die Deutschen wieder eine gute Leistung ab. Diesmal kaum zu stoppen: Juri Knorr. Der 23-Jährige ist bereits bei der WM 2023 zum Spielmacher avanciert und zeigt auch bei der Heim-EM 2024, wie wichtig er für das Team um Bundestrainer Alfred Gislason ist. Aber auch die „jungen Wilden“ geben alles.
DHB-Team siegt souverän gegen Nordmazedonien: „Sehr gelungener Auftritt“
Der Meinung ist auch Jan Immel, Handball-Europameister von 2004. Er sagt: „Die Rollen im DHB-Team sind genau vergeben und das passt.“ Nach dem gelungenen Auftritt der Deutschen sprach der heute 47-Jährige mit IPPEN.MEDIA über...
… das Spiel gegen Nordmazedonien: „Ich habe ja vor Nordmazedonien gewarnt, weil es für sie mehr oder weniger die letzte Chance war. Sie sind ein unangenehmer Gegner und agieren viel mit dem siebten Feldspieler, was sie dann auch gegen Deutschland gemacht haben. Aber ich glaube, Deutschland ist richtig gut ins Spiel gekommen, auch ohne eine große Torwartleistung von Wolff. Die Abwehrleistung war gut und sie haben direkt die Fehler von Nordmazedonien ausgenutzt. Später war es dann ein relativ großes Schaulaufen und jeder durfte mal ran. Der Grundstein war die erste Halbzeit, obwohl die Deutschen da auch schon mit acht oder so hätten führen müssen. Alfred Gislason hat auch angesprochen, dass er da nicht ganz zufrieden war. Ich finde gut, dass jeder seine Chance bekommen hat, das macht Alfred super. Er wechselt immer wieder und gibt den Leuten Pausen. Natürlich ist es bei diesen Gegnern leichter, am Dienstag gegen Frankreich wird man sehen, was passiert. Alfred hat immer taktisch reagiert, wenn die Nordmazedonier in Gleichzahl waren, sind die Deutschen in der zweiten Hälfte sofort auf ein 3-2-1 gegangen, weil er diese zweite Abwehrvariante Turnierfest machen wollte. Den Torhüter hat er aus meiner Sicht aus den richtigen Gründen getauscht, Juri Knorr hat überragend gespielt und alles gut im Griff gehabt und auch sonst hat jeder seine Einsatzzeiten bekommen. Natürlich gibt es immer Licht und Schatten, aber wenn das Spiel am Ende so deutlich ist, wen interessiert es? Es war ein sehr gelungener Auftritt.”
DHB-Spielmacher „Man of the Match“: „Er ist unglaublich gereift“
… Juri Knorr und der Frage, ob er dem Druck standhalten kann: „Ich glaube schon. Er ist bei den Rhein-Neckar-Löwen unglaublich gereift und hat einen guten Schritt nach vorne gemacht. Er ist ein bisschen norddeutsch: unaufgeregt und niemand, der sich ins Rampenlicht stellt. Allgemein hat man den Eindruck, dass die Mischung stimmt in der deutschen Mannschaft. Die verstehen sich alle gut und unternehmen auch glaube ich abseits der Platte viel miteinander. Das merkt man. Da ist keiner, der sich als was Besseres sieht. Es gibt eine Hierarchie in der Mannschaft, da ist Golla weit vorne, Häfner, Knorr, Kastening und Wolff. Vielleicht noch Kohlbacher. Der Rest zieht mit. Die Rollen sind genau vergeben und das passt.”
Juri Knorr hatte nach dem Spiel gegen Nordmazedonien allen Grund zum Lachen. Der DHB-Star lieferte eine überragende Leistung ab und wurde zum „Spieler des Spiels“ gewählt.
… die „jungen Wilden”: „Natürlich tut es gut, dass diese vier Jungs im vergangenen Sommer die Weltmeisterschaft im eigenen Land vor großem Publikum gespielt haben. Sie sind jung und unbekümmert – und wahrscheinlich auch sehr dankbar, weil wahrscheinlich keiner damit gerechnet hat, dabei zu sein. Diese Art Dankbarkeit hilft ihnen und sie sagen sich: Ich gebe hier jetzt alles. Bei einem jungen Spieler, der schon zweimal dabei war, sieht das eventuell anders aus. Der hat vielleicht schon eigene Ansprüche, während die vier einfach froh sind, dabei zu sein. Für einen Sportler gibt es nichts Schöneres, als ein großes Turnier im eigenen Land. Vor allem, wenn es so aufgebaut ist, wie in Deutschland, mit dem Rekordspiel und den vollen Hallen. Deshalb sind sie einfach froh, dabei zu sein und werden einen Teufel tun und Ansprüche stellen. Sowas tut einer Mannschaft natürlich gut, wenn jeder seine Rolle erfüllt.”
DHB-Team vor erstem „richtigem Gradmesser“ gegen Frankreich
… die letzte Vorrunden-Partie gegen Frankreich: „Du willst die Punkte mit in die Hauptrunde nehmen, das ist schon sehr wichtig. Und vor allen Dingen: Wenn die Schweizer mit fünf oder sechs gewinnen und die Deutschen auch mit vier oder fünf gewinnen, dann ist der Vorsprung der Franzosen eventuell weg und es geht in den direkten Vergleich. Für die Deutschen wäre es aber am besten, wenn sie knapp gewinnen würden. Dann nimmt das DHB-Team die vollen Punkte mit und die Franzosen müssen dann in der Hauptrunde auch mal gegen einen Gegner gewinnen, der Punktemäßig oben ist – wie beispielsweise Kroatien oder Spanien. Das sind alles Mannschaften, bei denen du sagst: Wenn du die hinter dir lassen kannst, hast du Chancen aufs Halbfinale. Alfred wird da sicherlich genauso denken. Zusätzlich holst du dir natürlich Selbstvertrauen, wenn du gegen Frankreich gut spielst.“
Handball-EM 2024: Der deutsche Kader im Kurzporträt
Nächster DHB-Gegner Frankreich: „Sind in der Lage, sich zu berappen“
… das Unentschieden der Schweiz gegen Frankreich: „Die Schweizer haben fast die komplette Zeit mit einem siebten Feldspieler agiert, um die französische Deckung, die sonst eigentlich sehr massiv ist, aus dem Tritt zu bringen. Das haben sie sehr gut gelöst. Du hast mit André Schmid jemanden, der das gut umsetzen kann, das kann Juri Knorr aber auch. Gleichzeitig muss man aber sagen, dass die Franzosen immer wieder in der Lage sind, sich zu berappen. Es war die letzten Turniere eigentlich immer so, dass sie am Anfang ein bisschen geschwächelt haben. Und die Franzosen sind von der Besetzung echt brutal.” (msb)