VonDaniel Michelschließen
Harry Kane führt seine Strafstöße mit beeindruckender Sicherheit aus. Frühere Spieler wie Arjen Robben und Mehmet Scholl sorgten dagegen für Elfmeter-Fails.
München – Harry Kane gilt derzeit als der historisch beste Elfmeterschütze in der Geschichte des FC Bayern. Seine Strafstöße verwandelt der Engländer mit beeindruckender Sicherheit und großem Variantenreichtum.
Sein Anlaufstil wirkt natürlich und keineswegs unfair. So hat Kane in den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 alle 14 Elfmeter in der Bundesliga erfolgreich verwandelt. Insgesamt hat der 31-Jährige in allen Pflichtspielen zusammen 29 Elfmeter in Folge genutzt.
Gerd Müller verschoss zahlreiche Elfmeter
Dagegen hat Gerd Müller, der beste deutsche Torjäger aller Zeiten, beim Elfmeter gelegentlich Schwächen gezeigt. In der Bundesliga scheiterte er zwölfmal(!) beim Elfmeter. Nach einem Fehlschuss äußerte er einst selbstkritisch: „Ich hab‘ mich wie ein Depp angestellt!“
Auch Mehmet Scholl, einst Elfmeterschütze mit einer perfekten Quote von 100 Prozent, erlebte einen bitteren Moment, als er im Champions-League-Finale 2001 gegen den FC Valencia beim Stande von 0:1 einen bedeutenden Elfmeter vergab. Dennoch gewann der FC Bayern das Spiel im Elfmeterschießen, obwohl auch Paulo Sergio und Patrik Andersson vom Punkt aus scheiterten.
„Drama Dahoam“ mit Arjen Robben
Ein weiteres Elfmeterdrama erlebte der FC Bayern 2012 im „Finale Dahoam“. Arjen Robben scheiterte in der Verlängerung gegen Petr Cech, seinen ehemaligen Teamkollegen beim FC Chelsea.
Im Elfmeterschießen trauten sich dann Spieler wie Toni Kroos gar nicht mehr anzutreten. Das Endspiel ging bekanntlich verloren. Robben hatte übrigens wenige Wochen zuvor schon die Meisterschaft für den FC Bayern vergeigt, als er am 30. Spieltag bei Borussia Dortmund einen Elfmeter in der Schlussphase vergeben hatte.
Rückschlag für Thomas Müller
Ab 2013 brachte Thomas Müller zunächst Stabilität vom Elfmeterpunkt zurück, doch im Halbfinale der Champions League 2016 gegen Atlético Madrid wurde dann Müller zur tragischen Figur. Müller verschoss in der 34. Spielminute einen Elfmeter, Madrid zog ins Finale ein.
Der mehr und mehr verunsichert wirkende Müller gab dann seine Rolle als Elfmeterschütze des FC Bayern an Robert Lewandowski ab. Der Pole überzeugte mit seiner Treffsicherheit. Trotz gelegentlicher Kritik an seinem Anlaufstil, wirkte er souverän vom Punkt, auch wenn er drei für das Ergebnis eher unbedeutende Elfmeter in der Bundesliga vergab.
Robert Lewandowski patzte bei WM 2022
Überraschend vergab Lewandowski dann bei der WM 2022 gegen Mexiko einen Elfmeter und konnte danach beim FC Barcelona nicht mehr regelmäßig an seine starke Elfmeterquote in München anknüpfen.
Ex-Keeper Butt warnt Harry Kane
Harry Kanes Bilanz ist bislang makellos in München. Hans-Jörg Butt, ehemaliger Torhüter und Elfmeterschütze des FC Bayern, warnt aber Kane bereits vor möglichen Rückschlägen. „Die 29 verwandelten Elfmeter hintereinander sind auf jeden Fall eine eigene Liga, fast einmalig“, lobte Butt im Interview mit der tz, fügte jedoch hinzu: „88 Prozent als Quote zeigen auch, dass es 100 Prozent nicht geben wird – selbst nicht bei ihm. Auch er hat schon mal wichtige Elfmeter verschossen.“ Kane sei „auch nur ein Mensch“, betonte Butt und prophezeite: „Irgendwann wird halt mal einer daneben gehen.“
Druck für Kane nimmt zu
Der Druck auf Kane wächst, da er sich des Medieninteresses bewusst ist. Butt führte aus: „Harry Kane nimmt jetzt natürlich auch wahr, dass es um seinen Rekord geht, dass gezählt wird, wie viele er noch hintereinander verwandelt. Und auch er wird wissen: Irgendwann ist es halt mal so weit. Jeder wartet im Grunde darauf, dass er mal verschießt.“
Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Kane ist der wohl beste Elfmeterschütze in der Historie des FC Bayern. Doch um diesen Status zu bewahren, darf er sich auch künftig keine entscheidenden Fehlschüsse leisten. Die Beispiele von Mehmet Scholl und Thomas Müller zeigen, wie schnell sich das Blatt wenden kann.
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