Superstar in der Kritik

Das Ronaldo-Dilemma, das DFB-Gegner Portugal plagt

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Im Halbfinale der Nations League trifft Deutschland auf Portugal und Cristiano Ronaldo – der wird trotz des Weiterkommens kritisiert.

Frankfurt – Der Halbfinal-Gegner des DFB-Teams in der Nations League steht fest: Es geht gegen Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo!

Während sich die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Italien durchsetzte, schalteten Ronaldo und seine Kollegen Dänemark aus.

Ronaldo vergibt Elfmeter und erzielt 2:1

Dabei mussten die Portugiesen im Hinspiel noch eine 0:1-Niederlage hinnehmen. Rasmus Højlund erzielte den Siegtreffer der Dänen – und jubelte im CR7-Style. Und Ronaldo? Der nahm die vermeintlich provokante Aktion gelassen: „Ich bin clever genug, um das zu verstehen. Für mich ist es eine Ehre. Ich hoffe, dass ich es morgen (Sonntag) vor ihm machen kann. Es wird gut. Ich bin froh, dass er meinen Jubel mag.“

Gesagt, getan. Ronaldo steuerte am Sonntag im Rückspiel das Tor zum zwischenzeitlichen 2:1 (5:2-Endstand) bei – und packte seinen „Siu“-Jubel vor Højlund aus. Dabei schien es zunächst nicht der Tag des Cristiano Ronaldo zu sein.

Portugals Presse kritisiert Cristiano Ronaldo

In der sechsten Minute scheiterte der 40 Jahre alte Kapitän der Portugiesen mit einem schwach geschossenen Elfmeter an Torhüter Kasper Schmeichel. Ronaldo hatte zu lange gezögert und den Ball letztlich mit wenig Effet und zu unplatziert in die rechte untere Ecke getreten.

Mit seinen 40 Jahren ist Cristiano Ronaldo immer noch der Fixpunkt bei Portugal.

„Der nicht wiederzuerkennende Ronaldo verschießt einen skandalösen Elfmeter“, kritisierte die portugiesische Sportzeitung A Bola. Eigentlich sei Ronaldo ein „tödlicher“ und „zuverlässiger“ Elfmeterschütze. „Der schwache und flache Schuss des Portugiesen war eine leichte Beute für Kasper Schmeichel, der den Ball sogar fing. Der Portugiese war nicht wiederzuerkennen und machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl“, hieß es weiter.

Es wurde sogar die Frage gestellt: „Warum spielt Ronaldo mit 40 Jahren noch in der Nationalmannschaft?“ Antworten lieferte A Bola direkt selbst: „Weil er es will, weil er es kann – und weil er es schon oft bewiesen hat. Aber diese Antworten führen auch zu weiteren Fragen: Wie sagt man dem GOAT, dass man ihn nicht mehr braucht?“

Trotz Elfmeter-Fehlschuss: Ronaldo mit Portugal weiter

Immerhin reichte es für Portugal am Ende fürs Weiterkommen in der Nations League – und Ronaldo konnte mit seinem Tor doch noch etwas dazu beitragen. Es war für ihn der 133. Sieg in einem Länderspiel, den Weltrekord hält er damit ohnehin schon.

Deutlich schlechter lief es im Hinspiel gegen Dänemark. Dabei brachte der fünffache Weltfußballer keinen einzigen Torschuss zustande, er verzeichnete lediglich 30 Ballkontakte – Negativrekord unter allen Feldspielern.

Die portugiesischen Reporter stellten infrage, ob Ronaldo überhaupt noch ein komplettes Spiel auf Top-Niveau abliefern könne. Ronaldo beklagte daraufhin Respektlosigkeit.

Bei der EM enttäuschte Ronaldo

Bereits nach dem Viertelfinal-Ausscheiden bei der Europameisterschaft im vergangenen Sommer gegen Frankreich wurde Ronaldo kritisiert. Die britische Zeitung Guardian schrieb: „Portugal gegen Frankreich: Ein galaktischer Kampf, der im schwarzen Loch des Egos eines Mannes verloren geht.“

Fußball-Europameisterschaft 2024: Diese Promis saßen im Publikum

Oliver Pocher in der Stuttgart Arena beim Viertelfinale Spanien gegen Deutschland am 5. Juli 2024.
Oliver Pocher hat regelmäßig Spiele der Europameisterschaft vor Ort besucht. Auch für das Viertelfinalspiel Spanien gegen Deutschland besuchte er am 5. Juli 2024 die Stuttgart Arena und feuerte die deutsche Mannschaft an – leider vergebens.  © IMAGO / Revierfoto
„Wer wird Millionär?“-Moderator Günther Jauch in Stuttgart beim Match Deutschland gegen Ungarn.
„Wer wird Millionär?“-Showmaster Günther Jauch drückte Deutschland beim 2. Spieltag gegen Ungarn die Daumen. © IMAGO / Matthias Koch
Prinz William beim Viertelfinale der Engländer gegen die Schweiz am 6. Juli 2024 in der Düsseldorf Arena.
Auch der britische Thronfolger Prinz William war mehrmals für die Europameisterschaft in Deutschland und hat die Three Lions unterstützt. Am 6. Juli schaute er sich unter anderem das Viertelfinale von England gegen die Schweiz in Düsseldorf an. Beim Elfmeterschießen siegen die Engländer und zogen somit ins Halbfinale.  © IMAGO / Passion2Press
König Frederik X. mit Tochter Isabella beim EM-Spiel Dänemark gegen England am 20. Juni 2024 in Frankfurt am Main.
Neben Prinz William statteten noch andere Royals Deutschland zur Fußball-EM einen Besuch ab. König Frederik X. kam mit Tochter Isabella zum Spiel Dänemark gegen England. Platz genommen haben die dänischen Royals natürlich neben dem britischen Thronfolger.  © IMAGO / Jan Huebner
König Felipe von Spanien beim EM-Spiel Spanien gegen Italien am 20. Juni in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen.
König Felipe von Spanien hat sich auf Schalke das EM-Spiel Spanien gegen Italien angesehen.  © IMAGO / Steinbrenner
Jens Knossalla beim Fußball-Europameisterschaftsspiel Deutschland gegen Schottland am 14. Juni in München.
Bestens gelaunt besuchte „Supertalent“-Moderator und Streamer Jens Knossalla (auch bekannt als Knossi) das EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schottland.  © IMAGO / Jan Huebner
Tennislegende Boris Becker in der Stuttgart Arena beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn am 19. Juni.
Auch Tennislegende Boris Becker ließ sich die Fußball-EM nicht entgehen und besuchte das Match Deutschland gegen Ungarn. © IMAGO / Nordphoto
Thomas Hayo und Anika Bissel beim Fußballmatch Schweiz gegen Deutschland in Frankfurt am Main am 23. Juni.
Ex-GNTM-Juror Thomas Hayo mit Anika Bissel (der Frau von Manuel Neuer) auf der Tribüne des EM-Spiels Schweiz gegen Deutschland in Frankfurt.  © IMAGO / Matthias Koch
Moderator Klaas Heufer-Umlauf beim EM-Spiel Schweiz gegen Deutschland in Frankfurt am Main am 23. Juni.
Klaas Heufer-Umlauf hat sich das EM-Spiel Schweiz gegen Deutschland ebenfalls in Frankfurt am Main im Stadion angesehen. © IMAGO / Matthias Koch
Tom Kaulitz, Heidi Klum und Tochter Lou beim EM-Spiel Deutschland gegen Schottland in München.
Zusammen mit Ehemann Tom Kaulitz und Tochter Lou genoss Model Heidi Klum das Match Deutschland gegen Schottland am 14. Juni in München. Optisch haben sie sich ordentlich ins Zeug gelegt und ihre Gesichter komplett in den Farben der Deutschland-Flagge bemalt. © IMAGO / ActionPictures
Leni Klum und Freund Aris Rachevsky beim EM-Spiel Deutschland gegen Schottland in München.
Auch Heidis Tochter Leni Klum war zusammen mit ihrem Freund Aris Rachevsky beim EM-Spiel Deutschland gegen Schottland im Stadion. Wie ihre Modelmama, Tom Kaulitz und Schwester Lou hat sie sich das Gesicht in den Farben Schwarz, Rot, Gold geschminkt.  © IMAGO / ActionPictures
Hugh Jackman und Ryan Reynolds beim Viertelfinalspiel der Niederlande gegen die Türkei im Olympiastadion.
Hugh Jackman und Ryan Reynolds beim Viertelfinalspiel der Niederlande gegen die Türkei im Olympiastadion. Die US-Schauspieler waren wegen Promo-Zwecken zu ihrem neuen Film „Deadpool & Wolverine“ in der Hauptstadt.  © IMAGO / ANP
Ed Sheeran am 30. Juni in Gelsenkirchen beim Fußball-EM-Spiel England gegen die Slowakei.
Weltstar Ed Sheeran reiste für eine Partie der Three Lions nach Deutschland. In der Veltins-Arena in Gelsenkirchen fieberte er beim Spiel der Engländer gegen die Slowakei mit.  © IMAGO / Pro Sports Images

A Bola verteilte Ronaldo gegen Frankreich die schlechteste Note aller Akteure und urteilte: „Die Mannschaft verbesserte ihre Leistung im Vergleich zu den vorherigen Spielen. Für den Kapitän galt das jedoch nicht.“ Ronaldo sei „weder an seine Teamkollegen angebunden“ gewesen, „noch konnte er sich durchsetzen“.

Bei seiner elften Welt- oder Europameisterschaft blieb Ronaldo zum ersten Mal ohne eigenen Torerfolg aus dem Spiel heraus – dabei gab er insgesamt 23 Abschlüsse ab.

Ronaldo als Reservist? Martínez vertraut seinem Kapitän

Nicht auf Ronaldo zu setzen, würde in Portugal jedoch einer Majestätsbeleidigung gleichen. Fernando Santos traute sich diese Entscheidung während der Weltmeisterschaft 2022 zu und setzte Ronaldo im Achtel- und Viertelfinale auf die Ersatzbank. Nach dem Ausscheiden gegen Marokko verlor Santos seinen Job als Nationaltrainer, der Spanier Roberto Martínez übernahm. Ronaldo als Reservist gab es seither nicht mehr.

Martínez gilt als großer Fan von CR7. In einem kürzlich erschienen Interview bei Coaches Voice erklärte Martínez, warum er immer noch auf Ronaldo setzt: „Seine Leidenschaft, Portugal zu repräsentieren, ist ansteckend und motiviert das gesamte Team. Er ist nicht in der Mannschaft für das, was er einmal war, sondern für das, was er weiterhin ist: Der Top-Scorer mit 17 Toren in den 21 Spielen, die wir in den vergangenen zwei Jahren bestritten haben.“

Tatsächlich kaschiert Ronaldos Statistik in der Nations League seine schwache Darbietung bei der EM. In sieben Einsätzen markierte er sechs Tore; gegen Kroatien und Schottland trugen seine Treffer entscheidend zu den Siegen bei, ohne sein Tor gegen Dänemark hätte es nicht für die Verlängerung und letztlich zum Weiterkommen gereicht.

Der Auftrag lautet, Ronaldo zu suchen und zu füttern

Cristiano Ronaldo in der portugiesischen Nationalmannschaft ist dennoch ein zweischneidiges Schwert. Martínez scheint allein schon deshalb nicht auf CR7 verzichten zu können, da die Unruhe durch Fans und Medien ansonsten zu groß wäre.

Portugals Problem: Es wirkt, als könnten sich die Mitspieler in Ronaldos Schatten nur selten frei entfalten, obwohl sie ebenfalls geniale Kicker sind. Ronaldo ist immer noch der Fixpunkt in der Nationalmannschaft, er bietet sich ständig an, fordert die Bälle – und bekommt sie auch. Der Auftrag lautet, Ronaldo zu suchen und zu füttern.

In der Nations League ging dieser Plan zuletzt das ein ums andere Mal wieder auf. Bei der EM hingegen nicht, dort wählte die spanische Sportzeitung Marca Ronaldo sogar in die Flop-11. Wie es wohl laufen wird, wenn am 4. Juni in München der Gegner Deutschland lautet?

Portugal steckt in einem Ronaldo-Dilemma

Jünger wird Ronaldo nicht. Damit steckt Portugal zugleich in einem Dilemma: Die größte Legende der Verbandsgeschichte tritt wohl erst dann ab, wenn er es entscheidet – und läuft damit Gefahr, den richtigen Zeitpunkt für diesen Schritt zu verpassen. Bis dahin wird Ronaldo vermutlich weiterhin Länderspiel für Länderspiel in der Startelf stehen.

Im vergangenen Herbst sagte Ronaldo selbst: „Was ich im Moment spüre – und das zeigen auch die Worte des Trainers: Dass ich weiterhin eine Bereicherung für die Mannschaft bin und der Erste sein werde, der das Kommando übernimmt. Bis zum Ende meiner Karriere werde ich immer denken, dass ich ein Starter sein werde.“

Vertraglich ist Ronaldo noch bis Ende Juni 2025 an Al-Nassr in Saudi-Arabien gebunden. Es gilt als realistisch, dass der Routinier noch ein Jahr dranhängt. Womöglich hat er sogar die WM 2026 im Visier. Fragt sich nur, ob das für Portugal dann nicht allmählich mehr Nach- als Vorteile bietet.

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