VonIngo Durstewitzschließen
Sportchef Markus Krösche gilt als unerbittlicher Verhandler – die Transfer-Zwischenbilanz bei Eintracht Frankfurt kann sich sehen lassen.
Frankfurt – Acht Millionen Euro Sockelablöse für einen Ersatztorwart mit zwei Profieinsätzen; zwölf, 13 oder am Ende gar 15 Millionen für einen Mittelfeldspieler, der unbedingt weg will und in sein letztes Vertragsjahr gehen würde; acht Millionen plus üppiger Gehaltseinsparung für einen Stürmer, der keine Rolle mehr spielt, und immerhin noch zwei Millionen für einen anderen Angreifer, dem intern die Bundesligatauglichkeit abgesprochen wird.
Noch sind nicht alle Deals der Herren Ramaj, Sow, Borré und Ache in trockenen Tüchern. Doch letztlich werden die Transfers in etwa diesem Volumen über die Bühne gehen, was für die Eintracht einen Geldregen von, Pi mal Daumen, 30 Millionen Euro bedeutet – mit Spielern, die zur sportlichen Tragfähigkeit wenig beigesteuert hätten. Das ist nicht schlecht.
Transfer-Team bei der Eintracht: Krösche und Hardung leisten gute Arbeit
Und es spricht für Markus Krösche und Timmo Hardung, die Macher des Klubs. Sportboss Krösche kann ein zäher Verhandlungspartner sein, ein harter Knochen, der seine Vorstellungen durchdrücken will und nicht von ihnen abrückt. Zum Poker gehören Nerven und Überzeugungskraft. Die millionenschweren Abgänge geben der Eintracht Ruhe auf den Transfermarkt – auch was die großen Personalien angeht.
Der Klub ist nicht darauf angewiesen, Überschüsse zu erwirtschaften, er hat Spielerwerte von mehr als 300 Millionen am Start, sprich: Er muss keinen Spieler verkaufen, keinen Jesper Lindström für 35 Millionen und keinen Randal Kolo Muani für 100 Millionen. Natürlich würde Krösche seinen Starstürmer für eine solche astronomische Summe ziehen lassen, alles andere wäre wirtschaftlich unverantwortlich.
Aber bei 80, 85 Millionen eben nicht. Inzwischen kommt wieder Bewegung in die Personalie Kolo Muani, die Berateragentur bereitet das Feld für einen Wechsel nach Paris, macht im Hintergrund Druck. Doch nach wie vor gibt es keinen Kontakt zwischen PSG und der Eintracht. Könnte noch heiß werden die kommenden Wochen.
Clevere Deals bei Eintracht Frankfurt
Und auch auf der Zugangsseite hat die Sportführung bisher, bei aller Vorsicht, clevere Deals eingefädelt, dem Team Erfahrung und Robustheit zugefügt (Koch, Skhiri), Schnelligkeit und Dynamik (Ngankam, Marmoush), auf der anderen Seite Talente geholt, Transfers getätigt, in denen Fantasie und Zukunftsperspektiven stecken (Larsson, Aaronson, Pacho, jetzt noch Nnamdi Collins aus Dortmund). Das muss nicht immer gut gehen, und das Team Krösche lag mit den Verpflichtungen auch schon daneben (Lammers, Onguene, Pellegrini, Alario), das gehört zum Geschäft.
Noch weiß niemand, wie stark die Mannschaft sein wird, zumal Leistungsträger wie Kamada und Ndicka weg sind. Am Ende wird vieles doch davon abhängen, ob King Kolo bleibt oder nicht. Aber zumindest am Reißbrett wirkt die Planung durchdacht und vernünftig – Stand jetzt zumindest. (Ingo Durstewitz)
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