Eintracht-Ersatztorhüter Diant Ramaj zieht es offenbar zu Ajax Amsterdam und bringt dem Frankfurter Bundesligisten erstaunliche zehn Millionen Euro ein.
Frankfurt – Wochenlange Spekulationen, was nun wird aus dem Überflieger im Eintracht-Kosmos, Randal Kolo Muani. Bleibt er, geht er, wenn ja, für wie viel: 80, 90, 100 Millionen? Wahrscheinlich zu PSG? Oder doch nicht? Und wie sieht die Zukunft von Jesper Lindström aus? Und wann endlich wird Vollzug gemeldet bei den Abgängern Djibril Sow oder Rafael Borré? Und während also ganz Frankfurt Fragen wie diese diskutiert, Tag für Tag aufs Neue, arbeitet Sportvorstand Markus Krösche im Hintergrund an einem anderen Deal, der gewaltiges Überraschungspotenzial in sich trägt.
Diant Ramaj
Geboren am:
19. September 2001 (21 Jahre alt)
Bisherige Vereine:
1. FC Heidenheim, Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurts Ersatztorwart steht vor einem Wechsel in die Niederlande
Denn heimlich, still und leise ist ein Wechsel von Ersatztorwart Diant Ramaj auf den Weg gebracht worden, der Keeper wird sich aller Voraussicht nach dem niederländischen Topklub Ajax Amsterdam anschließen. Das alleine ist eine interessante Nachricht, doch keine riesige Schlagzeile wert. Wer sich aber die Kennzahlen des Transfers ansieht, dem könnte vor Erstaunen die Kinnlade nach unten klappen. Denn die Eintracht kassiert für den 21-Jährigen etwa zehn Millionen Euro. Unglaublich, irgendwie.
Der Sockelbetrag beträgt rund acht Millionen Euro, da können noch Boni in Höhe von rund zwei Millionen hinzukommen. Das ist ein unerwarteter Geldregen, der den wirtschaftlichen Spielraum deutlich erweitert und dem Klub noch mehr Ruhe auf dem Transfermarkt gibt. Ramaj wäre der teuerste deutsche Torwart seiner Altersklasse, würde noch mehr kosten als der bisherige Rekordhalter Bernd Leno, der vor mehr als zehn Jahren für 7,8 Millionen Euro von Stuttgart nach Leverkusen wechselte. Generell waren nur vier deutsche Schlussmänner in der Geschichte teurer. Bemerkenswert.
Geldregen für Eintracht Frankfurt trotz wenig Spielzeit
Das Besondere an dem bevorstehenden Ramaj-Transfer: Der Schlussmann ist der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Was Wunder, der Deutsche-Kosovare hat in seiner Karriere erst zwei Profispiele absolviert, eines in der abgelaufenen Saison beim 1:1 in Freiburg und eines in der vorangegangen Spielzeit beim 1:1 in Augsburg. Da ließ er sich bei einem Schuss ins kurze Ecke von Michael Gregoritsch überlisten. Passiert.
Dass ein Spitzenklub wie Ajax Amsterdam auf Ramaj aufmerksam wird und so viel Geld bietet, ist einerseits eine faustdicke Überraschung, zumal der Marktwert des früheren deutschen Jugendnationaltorwarts auf rund 750 000 Euro beziffert wird – angesichts seiner geringen Einsatzzeiten nicht weiter verwunderlich. Andererseits ist die Personalie zumindest für Transferinsider keine Sensation. Denn bei Ajax arbeitet inzwischen der frühere VfB-Manager Sven Mislintat als Sportchef, und der ist absolut überzeugt vom gebürtigen Stuttgarter Ramaj, sieht in ihm eine Investition in die Zukunft. Er soll den Druck auf Stammkraft Geronimo Rulli, 31, erhöhen.
Ramaj findet bei Eintracht Frankfurt kein Vorbeikommen an Trapp
Ramaj, zweifelsfrei höchst talentiert, passt ins Anforderungsprofil des Spitzenvereins aus Amsterdam, der für mutigen, schnellen, offensiven Fußball steht. Attribute, die Ramaj absolut verkörpert. Er steht für ein extrem riskantes, wagemutiges Torwartspiel, Angst ist für ihn ein Fremdwort. Zuweilen schoss der Hitzeblitz im Kasten übers Ziel hinaus, so manch Kamikazeaktion ist in Erinnerung geblieben.
Auch im Eintracht-Führungszirkel glauben viele an eine große Zukunft des Goalies, nicht wenige sehen in ihm einen potenziellen deutschen Nationaltorwart – wenn er denn Spielpraxis sammeln und sein Potenzial entfalten kann. Bei der Eintracht ist die Position im Kasten aber auf Jahre blockiert, Nationaltorwart Kevin Trapp hat seinen Vertrag im Winter bis 2026 verlängert. An Trapp führt für die ungeduldige Nummer zwei kein Weg vorbei – weshalb er sich schon einige Zeit mit Wechselabsichten trug.
Torwarttrainer Zimmermann warb damals für eine Ramaj-Verpflichtung
Den anstehenden Transfer kann sich übrigens auch der anerkannte Torwarttrainer Jan Zimmermann ans Revers heften, der den früheren Heidenheimer bei seinem Ex-Klub entdeckte und die Verantwortlichen vor zwei Jahren von einer Verpflichtung (für 100 000 Euro) überzeugte. Alles richtig gemacht.
Die Eintracht wird auf der Torwartposition eher nicht mehr nachlegen, zumindest nicht kurzfristig und unter Hochdruck. Das liegt daran, dass Routinier Jens Grahl eine hervorragende Vorbereitung gespielt hat, der 34-Jährige ist topfit und hielt im Training sowie den Testspielen ansprechend. Intern ist er hoch angesehen, so etwas wie der Vater der Kompanie, ein Helfer und Kümmerer. Kein Zufall, dass der frühere Stuttgarter im Februar seinen Vertrag bis 2026 verlängern durfte. Er ist im Grunde die perfekte Nummer zwei. Einer, der seine Rolle zu 100 Prozent annimmt, aber einspringen kann, wenn die Stammkraft ausfällt.
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Grahl soll Trapp bei Eintracht Frankfurt den Rücken freihalten
Und einer, der Kevin Trapp nicht herausfordern wird. Das ist nicht ganz unwichtig, denn Trapp ist ein empfindsamer Bursche, der Konkurrenz nicht fürchtet, aber seine ganze Klasse entfaltet, wenn er Vertrauen, Anerkennung und Nestwärme spürt. Das ist in Frankfurt der Fall, der 33-Jährige ist Führungskraft und Gesicht des Vereins, der designierte Kapitän der Eintracht.
Die Binde trug auch Djibril Sow schon mal, doch nun steht der Wechsel des Schweizer Nationalspielers kurz bevor. Der FC Sevilla wird zwischen zwölf und 15 Millionen Euro zahlen. Für Rafael Borré, umworben von Olympiakos Piräus und etwas weniger heftig von Olympique Lyon sowie aus Südamerika, geht die Eintracht von einer Ablösesumme in Höhe von acht Millionen Euro aus. Bei beiden ist ein Transfer nur noch eine Frage der Zeit, beide spielen keine Rolle mehr, werden auch am Samstag beim letzten Härtetest gegen Nottingham Forest im eigenen Stadion beim Eröffnungsfest keine Einsatzzeit mehr bekommen – wenn sie dann überhaupt noch da sind. Ähnlich sieht es bei Jerome Onguene aus, der vor einer Leihe zu Servette Genf steht. Der Verteidiger hat noch nie ein Pflichtspiel für die Eintracht bestritten. Daran wird sich nichts mehr ändern. (Ingo Durstewitz)