Der Gratwanderer im Trikot von Eintracht Frankfurt
VonChristopher Michel
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Wilde und geniale Aktionen geben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Eintracht Frankfurt muss daher genau überlegen, wie es plant.
Frankfurt/Louisville – In der 89. Minute im Testspiel zwischen Louisville und Eintracht Frankfurt wurde innerhalb von nur wenigen Sekunden deutlich, warum Niels Nkounkou ein Wanderer auf einem ganz schmalen Grat ist. Zunächst einmal wirkte die Kontersituation schon verspielt, sein angedachter Pass auf Jonathan Burkardt geriet schlampig. Der zweite Ball landete erneut bei Nkounkou. Und was machte der? Dribbelte einfach mal los in Richtung Strafraum, machte seinen Gegenspieler per Übersteiger nass und schob ins lange Eck ein.
Der erst zur zweiten Halbzeit eingewechselte und offensiv eingesetzte Franzose zeigte erneut, was für eine Power in ihm steckt. Nkounkou überrollte den amerikanischen Zweitligisten auf seiner linken Seite förmlich, am Ende standen zwei Tore und eine Vorlage. Zudem war es sein Lauf, der einen weiteren Treffer ermöglichte. Auf der anderen Seite gab es wieder Unkonzentriertheiten in dieser Vorbereitung. Im ersten Testspiel gegen Premier-League-Verein Aston Villa (2:2) verlor er etwas naiv den Zweikampf vor dem zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand.
Eintracht muss Nkounkou-Frage beantworten
Die Nkounkou-Frage ist insgesamt für die Eintracht nicht so einfach zu beantworten. Der 24-Jährige ist gut integriert, er identifiziert sich mit den Werten des Klubs und in ihm steckt enormes Potenzial. Als er 2023 für sieben Millionen Euro von AS Saint-Étienne kam, wurde er mit seinen jeweils drei Treffern und Vorlagen zum Garanten für den späteren Einzug in die Europa League. In der vergangenen Saison konnte er dann aber nur wenig zum Einzug in die Champions League beitragen. Nkounkou stand nur 946 Minuten in allen Wettbewerben auf dem Platz, er hatte nur zehn Startelfeinsätze.
90 Minuten stand der Linksfuß sogar nur zweimal auf dem Feld. Ein Problem dabei sind seine teilweise unnötigen Fouls, die ihm Gelbe Karten einbringen. Wenn Nkounkou dann einmal verwarnt ist, besteht die große Gefahr eines Platzverweises. Er agierte in der Vergangenheit nicht clever genug, um das Vertrauen von Trainer Dino Toppmöller zu gewinnen. Mit Nathaniel Brown und Arthur Theate, der problemlos als Linksverteidiger agieren kann, ist die Konkurrenz groß. Auch Rückkehrer Elias Baum ist eine Alternative auf dieser Position.
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Doch wie sieht es in Partien aus, wenn die Eintracht mit dem Rücken zur Wand steht und Toppmöller die Brechstange benötigt? Nkounkou hat häufiger gezeigt, in diesen Momenten aufdrehen zu können. Je wilder die Begegnung, desto mehr Spaß hat er offenbar an dem, was auf dem Platz passiert. Das beste Beispiel ereignete sich am 20. Dezember 2023: Eintracht lag 0:1 gegen massiv verteidigende Gladbacher hinten. Als Toppmöller in der Schlussphase „all-in“ ging, kam Nkounkou groß auf. Er legte die beiden späten Tore in der Nachspielzeit präzise auf und brachte das Stadion somit noch zum Beben. Dieser 2:1-Sieg bedeutete den Sprung auf Rang sechs. Diesen Platz gaben die Hessen nicht mehr her.
Wie geht es weiter mit Eintracht-Wundertüte Nkounkou?
Was also tun mit Wundertüte Nkounkou? Verkaufen für eine Summe zwischen drei und fünf Millionen Euro? Oder doch als Backup einplanen? Für die Rolle als Linksverteidiger fehlt die dafür benötigte Konstanz. Aber warum nicht als Flügelspieler, der mit Tempo, Dribblings und durchaus sehenswerten Flanken und Pässen ein „Gamechanger“ sein kann? Krösche und Toppmöller stehen bei der Bewertung von Nkounkou vor einer durchaus kniffligen Aufgabe. Sein Vertrag läuft noch bis 2028, er ist im Team durchaus beliebt. Es wird auch darauf ankommen, wo sich Nkounkou selbst sieht. Doch als Rotationsspieler und Joker für die besonderen Partien hätte er definitiv stets einen Platz verdient.