Großer Kovač-Gewinner

Der heimliche Unterschiedsspieler des BVB: Aufstieg nach bewährtem Muster

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Unter Niko Kovač zeigt ein Sommer-Neuzugang von Borussia Dortmund sein Potenzial. Den Vorwurf des „Fehleinkaufs“ müssen die Kritiker revidieren.

Dortmund – Maximilian Beier ist bei Borussia Dortmund der bisher wohl größte Gewinner des Trainerwechsels zu Niko Kovač. In elf Spielen unter dem Kroaten hat der 22-Jährige bereits mehr Scorerpunkte gesammelt als in 23 Einsätzen unter Ex-Coach Nuri Şahin.

Beier schoss den BVB zuletzt mit einem Traumtor gegen den OSC Lille ins Viertelfinale der Champions League, ließ am Sonntag einen entscheidenden Doppelpack beim 3:1-Heimsieg gegen den FSV Mainz 05 folgen, der die Hoffnungen auf ein Happyend in der so schweren Bundesliga-Saison nährt.

BVB-Sportdirektor Kehl: „Dieses Trikot kann richtig schwer sein“

Insgesamt steht der EM-Teilnehmer nun bei acht Treffern und vier Vorlagen in 38 Spielen beim BVB: Eine sicher ausbaufähige Quote für einen 30 Millionen Euro teuren Neuzugang, bei dem jedoch der Trend in die richtige Richtung zeigt. Die Entwicklung von Beier scheint einem in Dortmund wohlbekannten Muster zu folgen.

Dass Neuzugänge bisweilen eine längere Anlaufzeit benötigen, um sich beim BVB durchzusetzen, ist kein Geheimnis. „Es gibt bei keinem für uns machbaren Transfer eine 100-prozentige Garantie, dass ein neuer Spieler sofort voll einschlägt. Manchmal braucht es etwas Zeit, denn dieses Trikot kann richtig schwer sein“, erklärte Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl dieser Tage.

Maximilian Beier kommt beim BVB immer besser in Fahrt.

Es gibt prominente Beispiele, die es Beier vorgemacht haben.

Lewandowski wurde für Dortmunder Pokal-Blamage verantwortlich gemacht

Robert Lewandowski etwa kam 2010 als Talent aus Polen zum BVB, musste sich aber zunächst mit einer Jokerrolle hinter Stammstürmer Lucas Barrios arrangieren. Der spätere Superstar der Bundesliga konnte sein großes Potenzial immer wieder andeuten und erzielte auch einige Jokertore, verschoss aber bei einer Blamage im DFB-Pokal gegen die Kickers Offenbach bei einer seiner ersten Chancen in der Startelf im Elfmeterschießen entscheidend.

Prompt hatte der BVB eine Diskussion am Hals, immerhin waren viereinhalb Millionen Euro Ablöse damals viel Geld für den Verein. In der Rückrunde wurde Lewandowski aber zur wichtigen Stammkraft auf dem Weg zum Meistertitel. Nachdem sich Shinji Kagawa beim Asien-Cup den Fuß gebrochen hatte, spielte Lewandowski auf der Zehner-Position hinter Barrios.

Barrios stand beim BVB plötzlich als „Weltnixjäger“ da

Bei Barrios selbst lag der Fall etwas anders: Der Paraguayer war 2009 im Alter von 24 Jahren vom chilenischen Spitzenklub Colo-Colo gekommen, brachte die Empfehlung von 37 Saisontoren in 38 Ligaspielen mit. Barrios wurde sogar als „Welttorjäger“ gepriesen. Daraus machte die Boulevardpresse schon nach wenigen Wochen den „Weltnixjäger“, weil Barrios in der Bundesliga zum Start siebenmal in Folge torlos blieb.

Wie übertrieben diese Reaktion war, zeigt die Gesamtbilanz der Saison 2009/10: 23 Treffer in 36 Pflichtspielen waren letztlich eine Top-Quote.

Klopp strich Gündoğan sogar aus dem BVB-Kader

Den dramatischsten Turnaround in seiner ersten Saison legte aber wohl İlkay Gündoğan hin. Der spätere DFB-Kapitän kam 2011 vom 1. FC Nürnberg zum BVB, hatte gleich einen Stammplatz inne. Nach diskreten Vorstellungen im Herbst setzte Jürgen Klopp das damalige Mittelfeldjuwel aber erst auf die Bank und strich ihn dann phasenweise sogar aus dem Kader. Das Gerede um einen vermeintlichen Fehleinkauf war groß.

In der Rückrunde aber gewann Gündoğan an Bedeutung für das Team, das letztlich Double-Sieger wurde – nicht zuletzt, weil der Jungstar im Pokal-Halbfinale bei der SpVgg Greuther Fürth unmittelbar vor Ende der Verlängerung den Siegtreffer markierte.

Beier ist ein Spieler, wie ihn sich BVB-Trainer Kovač wünscht

Die Liste der Spieler, die beim BVB nach etwas Anlaufzeit gezündet haben, ließe sich beliebig verlängern. Es zeigt sich, dass die Öffentlichkeit die Profis in Dortmund nicht zu schnell abschreiben sollte. Das gilt auch für Beier, dessen Wert für das Team nicht nur an Toren und Vorlagen zu messen ist.

Es ist kein Wunder, dass Kovač großen Gefallen an Beier gefunden hat. Er bringt genau die Intensität in der Arbeit gegen den Ball mit, die der BVB-Coach auch von seinen Offensivspielern uneingeschränkt einfordert. Beier ist als erster Pressingspieler immer aktiv, sich für keinen Zweikampf zu schade und erledigt viel Drecksarbeit gegen den Ball.

Die wertvollsten deutschen Fußballer: Drei Bayern-Stars in Top 5 – und ein Null-Länderspiele-Mann auf Platz 12

DFB Mannschaftsfoto
Wie lautet die Top 25 der wertvollsten deutschen Fußballer? Klicken Sie sich hier durch das Ranking. Basis sind die Marktwerte von Transfermarkt.de mit Stand 21. Januar 2025 aller Spieler, bei denen das Portal Deutsch als erste Staatsbürgerschaft angibt. Wie die Marktwerte zustande kommen, ist eine Wissenschaft für sich. © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Geld
In einem langen Erklär-Posting des Admins im Transfermarkt-Forum heißt es: „Die Transfermarkt-Marktwerte entstehen unter Berücksichtigung verschiedener Preisfindungsmodelle sowie einem starken Einbezug der Transfermarkt-Community, die sich in detaillierten Diskussionen mit den Werten auseinandersetzt. Die Transfermarkt-Marktwerte sind nicht pauschal mit den tatsächlich gezahlten Ablösesummen gleichzusetzen.“ © IMAGO/Ulrich Roth
Manuel Neuer
Es spielen unter anderem Alter, Entwicklungspotenzial und Liga rein. So ist ein Spieler, der sich im Herbst seiner Karriere befindet wie Manuel Neuer (Foto) unabhängig von Bedeutsamkeit und aktuellem Leistungsvermögen mit nur 4 Mio. Marktwert nicht in der Liste zu finden. Die Details zu den Marktwerten würden den Rahmen dieser Fotostrecken sprengen. Lassen Sie uns daher lieber ins Ranking reinstarten. © IMAGO/Markus Ulmer
Platz 25 (geteilt): Malick Thiaw (AC Mailand), 20,00 Mio. €
Platz 25 (geteilt): Malick Thiaw (AC Mailand), 20,00 Mio. € © IMAGO/kolbert-press/Marc Niemeyer
Platz 25 (geteilt): Jamie Leweling (VfB Stuttgart), 20,00 Mio. €
Platz 25 (geteilt): Jamie Leweling (VfB Stuttgart), 20,00 Mio. € © IMAGO/Ulrich Hufnagel
Platz 25 (geteilt): Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart), 20,00 Mio. €
Platz 25 (geteilt): Maximilian Mittelstädt (VfB Stuttgart), 20,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 22 (geteilt): Kevin Schade (FC Brentford), 22,00 Mio. €
Platz 22 (geteilt): Kevin Schade (FC Brentford), 22,00 Mio. € © IMAGO/Ulrich Hufnagel
Platz 22 (geteilt): Vitaly Janelt (FC Brentford), 22,00 Mio. €
Platz 22 (geteilt): Vitaly Janelt (FC Brentford), 22,00 Mio. €. Er ist noch ohne A-Länderspiel – aber das kann sich ja noch ändern. © IMAGO/Izzy Poles/News Images
Platz 22 (geteilt): Leon Goretzka (FC Bayern München), 22,00 Mio. €
Platz 22 (geteilt): Leon Goretzka (FC Bayern München), 22,00 Mio. € © IMAGO/kolbert-press/Marc Niemeyer
Platz 20 (geteilt): Waldemar Anton (Borussia Dortmund), 24,00 Mio. €
Platz 20 (geteilt): Waldemar Anton (Borussia Dortmund), 24,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 20 (geteilt): Antonio Rüdiger (Real Madrid), 24,00 Mio. €
Platz 20 (geteilt): Antonio Rüdiger (Real Madrid), 24,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 17 (geteilt): Brajan Gruda (Brighton & Hove Albion), 25,00 Mio. €
Platz 17 (geteilt): Brajan Gruda (Brighton & Hove Albion), 25,00 Mio. €. Der Youngster zählt zu den wenigen Stars ohne A-Länderspiel in dieser Fotostrecke. © IMAGO/MI News
Platz 17 (geteilt): Jonathan Burkardt (FSV Mainz 05), 25,00 Mio. €
Platz 17 (geteilt): Jonathan Burkardt (FSV Mainz 05), 25,00 Mio. € © IMAGO/Ulrich Hufnagel
Platz 17 (geteilt): David Raum (RB Leipzig), 25,00 Mio. €
Platz 17 (geteilt): David Raum (RB Leipzig), 25,00 Mio. € © IMAGO/CB
Platz 15 (geteilt): Felix Nmecha (Borussia Dortmund), 28,00 Mio. €
Platz 15 (geteilt): Felix Nmecha (Borussia Dortmund), 28,00 Mio. € © IMAGO/Sebastian Frej
Platz 15 (geteilt): Deniz Undav (VfB Stuttgart), 28,00 Mio. €
Platz 15 (geteilt): Deniz Undav (VfB Stuttgart), 28,00 Mio. € © IMAGO
Yann Bisseck
Platz 12 (geteilt): Yann Bisseck (Inter Mailand), 30,00 Mio. € – er ist der bestplatzierte Fußballer ohne A-Länderspiel. © IMAGO/Luigi Canu/IPA Sport / ipa-agency.net
Platz 12 (geteilt): Maximilian Beier (Borussia Dortmund), 30,00 Mio. €
Platz 12 (geteilt): Maximilian Beier (Borussia Dortmund), 30,00 Mio. € © IMAGO/Revierfoto
Platz 12 (geteilt): Jonathan Tah (Bayer Leverkusen), 30,00 Mio. €
Platz 12 (geteilt): Jonathan Tah (Bayer Leverkusen), 30,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 11: Angelo Stiller (VfB Stuttgart), 32,00 Mio. €
Platz 11: Angelo Stiller (VfB Stuttgart), 32,00 Mio. € © IMAGO/Avanti/Ralf Poller
Platz 8 (geteilt): Serge Gnabry (FC Bayern München), 35,00 Mio. €
Platz 8 (geteilt): Serge Gnabry (FC Bayern München), 35,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 8 (geteilt): Karim Adeyemi (Borussia Dortmund), 35,00 Mio. €
Platz 8 (geteilt): Karim Adeyemi (Borussia Dortmund), 35,00 Mio. € © IMAGO/Eibner-Pressefoto
Platz 8 (geteilt): Julian Brandt (Borussia Dortmund), 35,00 Mio. €
Platz 8 (geteilt): Julian Brandt (Borussia Dortmund), 35,00 Mio. €  © IMAGO/Sebastian Frej
Platz 7: Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), 40,00 Mio. €
Platz 7: Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund), 40,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 6: Leroy Sané (FC Bayern München), 45,00 Mio. €
Platz 6: Leroy Sané (FC Bayern München), 45,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 4 (geteilt): Aleksandar Pavlovic (FC Bayern München), 50,00 Mio. €
Platz 4 (geteilt): Aleksandar Pavlovic (FC Bayern München), 50,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 4 (geteilt): Joshua Kimmich (FC Bayern München), 50,00 Mio. €
Platz 4 (geteilt): Joshua Kimmich (FC Bayern München), 50,00 Mio. € © IMAGO/Sebastian Frej
Platz 3: Kai Havertz (FC Arsenal), 75,00 Mio. €
Platz 3: Kai Havertz (FC Arsenal), 75,00 Mio. € © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Platz 1 (geteilt): Florian Wirtz (Bayer Leverkusen), 140,00 Mio. €
Platz 1 (geteilt): Florian Wirtz (Bayer Leverkusen), 140,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Platz 1 (geteilt): Jamal Musiala (FC Bayern München), 140,00 Mio. €
Platz 1 (geteilt): Jamal Musiala (FC Bayern München), 140,00 Mio. € © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz

Nur die Chancenverwertung blieb zuletzt manchmal auf der Strecke – so etwa bei der Niederlage gegen Leipzig vor der Länderspielpause, die Beier im Alleingang hätte verhindern können.

Beier ist ein heimlicher Unterschiedsspieler in Dortmund

Die Zahlen sind trotzdem auffällig: Wenn Beier in dieser Saison auf dem Platz steht, erzielt der BVB in der Bundesliga pro 90 Minuten 2,0 Tore und kassiert 1,2 Gegentreffer. Ohne Beier gelingen Dortmund auf 90 Minuten gerechnet selbst nur 1,2 Tore, während die Gegentore auf 1,7 hochgehen. Der 22-Jährige kann also mit Fug und Recht als ein heimlicher Unterschiedsspieler bei Schwarzgelb bezeichnet werden.

Umso bemerkenswerter ist, wie negativ seine Rolle bisweilen bewertet wird. Beim Portal Transfermarkt.de gehörte Beier zuletzt beispielsweise zu den größten Marktwert-Verlierern der Bundesliga. Der Stempel „Fehleinkauf“ waberte bereits in Dortmund umher.

Dabei sollten gerade die Fans des BVB es besser wissen, als einen vielversprechenden Spieler früh abzuschreiben.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON

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