VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt geht den Talente-Weg konsequent weiter: Der erst 18-jährige Franzose Jean-Matteo Bahoya wird für zehn Millionen vom Zweitligisten SCO Angers kommen.
Es ist jetzt nicht so, dass der FSV Mainz 05 bisher durch die Bundesliga schweben würde. Natürlich nicht. Wer auf Rang 16 parkt, punktgleich mit dem Letzten aus Darmstadt, kümmerliche elf Zähler und nur einen Sieg eingefahren hat in 17 Anläufen, der hat nicht viel richtig gemacht. Nicht unter dem alten Trainer, dem hochangesehen Bo Svensson, und nicht unter dem neuen Coach Jan Siewert, der sich sein Standing noch erarbeiten muss, dem aber immerhin der einzige Dreier gelang, kurz nachdem er das Ruder übernommen hatte, 2:0 gegen RB Leipzig. Ist aber schon wieder eine Weile her.
Auch gegen den Gegner am Freitag, den Rivalen aus Frankfurt, sah es in den letzten Duellen nicht so prall aus, die Eintracht verlor keines der letzten sieben Spiele, gewann davon drei. Und: Die Mainzer warten auswärts seit nunmehr 13 Partien auf einen Sieg. Das ist die längste Negativserie aller Bundesligaklubs. Puh.
Das alles ist natürlich nur statistisches Beiwerk, doch die Rollen im Stadtwald am Freitagabend (20.30 Uhr/Dazn) sind klar verteilt. Die Eintracht ist der Favorit, was aber auch nichts zu sagen hat.
Eintracht: Spiel mit gewisser Wut im Bauch
Die Frankfurter werden die Partie mit einer gewissen Wut im Bauch angehen, nachdem sie am vergangenen Samstag beim 2:2 in Darmstadt zwei Punkte achtlos wegwarfen. Das sollte ihnen besser nicht mehr passieren in dieser leichtfertigen Art, zumindest dann nicht, wenn sie den eigenen Ambitionen gerecht werden wollen.
Die internationalen Startplätze sollen es nach 34 Spieltagen sein, das formulieren die Spieler (und manchmal der Trainer) offensiver als die Verantwortlichen wie Sportchef Markus Krösche oder Vorstandssprecher Axel Hellmann. Der sieht die Eintracht, so ganz generell, hinter der Spitzengruppe mit den Klubs, „die ganz andere Summen in den Kader investieren“, und vor dem grauen Mittelfeld. „Unser Platz ist genau dazwischen.“ Also irgendwo zwischen fünf und acht.
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In der vergangenen Spielzeit war es Rang sieben, mit Ach und Krach. Die erschreckend schwache Rückrunde hatte eine bessere Platzierung vermasselt. Mal wieder. Und dieses Mal? Intern ist das Ziel Europa klar hinterlegt, das ist nachvollziehbar. Spieler wie Sasa Kalajdzic oder Donny van de Beek, beide aus der finanzkräftigen Premier League, lockt man nicht mit der Aussicht auf Platz neun.
Seriös ist jetzt, nach 18 Partien, aber nicht abzuschätzen, ob ein internationaler Startplatz realistisch ist. Zu schwankend sind die Leistungen des Teams. Mal gibt es eine 5:1-Gala wie gegen die Bayern, dann blamable Auftritte wie beim Pokal-Aus in Saarbrücken (0:2) oder im Europapokal in Aberdeen (0:2). Oder, tja, Darmstadt. Dieses eine Spiel, das so ein bisschen die gesamte Saison widerspiegelt: kein glanzvoller, aber ein ordentlicher Auftritt beim Schlusslicht, 2:0-Führung nach 50 Minuten – und dann der komplette Systemausfall samt Ausgleichstreffer zum 2:2 in der fünften Minute der Nachspielzeit. Riesenfrust.
Afrika-Cup ist für Chaibi bereits vorbei
Wahrscheinlich ist das alles normal, gehört zum Entwicklungsprozess der Mannschaft dazu, denn da sind schon einige juvenile Kerle dabei, die sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden müssen, die Zeit brauchen. Wellentäler sind bei jungen Menschen normal: Hugo Larsson ist 19, Niels Nkounkou 23, Eric Dina Ebimbe 23, Ansgar Knauff 22 – und Fares Chaibi 21. Der Mittelfeldmann wird Coach Dino Toppmöller übrigens theoretisch schon am Freitag wieder zur Verfügung stehen, der Afrika-Cup ist für Chaibi und Algerien bereits beendet, nach dem 0:1 gegen den Fußballzwerg Mauretanien steht das Aus nach der Vorrunde. Chaibi, Stammspieler in Frankfurt, schmorte 90 Minuten auf der Bank. Muss man nicht verstehen. Auch raus, übrigens: Tunesien mit Ellyes Skhiri. Auch er wird schneller in Frankfurt zurück sein als gedacht.
Zehn Millionen für Jean-Matteo Bahoya
Die Eintracht geht den Weg mit den jungen Burschen konsequent weiter, investiert viel Geld in Talente, in Spieler wie Jean-Matteo Bahoya vom französischen Zweitligisten SCO Angers. Zehn Millionen Euro werden die Frankfurter für den 18-Jährigen bezahlen, der im offensiven Mittelfeld beheimatet ist, aber auch über den linken Flügel kommen oder in der Spitze auflaufen kann. Der U-19-Nationalspieler, fünf Tore in 19 Partien für Angers, aber nur sechs Startelfeinsätze, soll sofort an den Main wechseln. Der nicht eben günstige Techniker gilt als hochveranlagt. Die Sportliche Leitung schwört auf Talente aus Frankreich. Nicht ohne Grund: Das Reservoir an Hochbegabten ist dort riesig, die Fußballer sind von Kindesbeinen an top ausgebildet.
Die bevorstehende Verpflichtung Bahoyas, der vor einem Jahr in der ersten französischen Liga debütierte, ist als Vorgriff auf die neue Saison zu sehen, das halbe Jahr jetzt dient zur Akklimatisation. Und wenn es schneller geht, siehe Hugo Larsson, hat bei der Eintracht auch niemand etwas dagegen.
