Transferziel

So buhlt die Eintracht um Hugo Ekitiké

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Würde gerne zur Eintracht, aber ob es klappen wird? PSG-Angreifer Hugo Ekitiké (re.).
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Eintracht Frankfurt pokert mit Paris Saint-Germain weiter um den Stürmer, lässt sich aber auch andere Optionen offen.

Natürlich ließ sich Axel Hellmann nicht aus der Reserve locken, schon gar nicht vor laufenden Fernsehkameras. Generell, sagte der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt im TV-Talk „Sky90“, kommentiere der Verein keine an ihn herangetragenen Transferspekulationen in aller Öffentlichkeit. Über Ablösesummen, Gehälter oder mögliche Einigungen schwieg sich der 52-Jährige demnach beharrlich aus, aber immerhin bestätigte er erstmals ganz offiziell das Interesse an Hugo Ekitiké, den Stürmer von Paris Saint-Germain, der in französischen Hauptstadt so kolossal unglücklich ist. „Es ist ja bekannt, dass wir schon im Sommer interessiert waren“, hob Hellmann an. Und ja, man ist es auch jetzt im Winter wieder.

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Eintracht im Ekitiké-Poker

Das Problem an der Geschichte, wie sollte es anders sein: das liebe Geld. Da gibt es gleich zwei Hindernisse. Zum einen ist es der Verdienst des 21-Jährigen, der bei PSG mehr als sieben Millionen Euro per annum einsteckt. In Frankfurt müsste er ganz schöne Einbußen hinnehmen, rund die Hälfte des fürstlichen Salärs würde abschmelzen, womit sich der Bursche freilich immer noch täglich eine warme Mahlzeit leisten könnte. Dass Ekitiké abspecken müsste, bestätigte Axel Hellmann. „Das wird er müssen, das müssen alle, wenn sie von einem so großen Verein zu uns kommen.“ Denn: „Wir können diese Gehaltssummen nicht zahlen.“

Hugo Ekitiké: „Wir haben einen finanziellen Rahmen“

In Frankfurt führt an Kevin Trapp als Großverdiener kein Weg vorbei, der Torwart kommt auf gut 3,5 Millionen Euro – und kann diese Summe durch alle möglichen Boni wachsen lassen. Ist die Mannschaft äußerst erfolgreich, wie vor eineinhalb Jahren mit dem Europa-League-Triumph, so partizipieren die Spieler in erheblichem Maße. Leistung lohnt sich. Die richtige Maxime.

In die Trapp-Range müsste sich Ekitiké in etwa einreihen. „Wir haben einen finanziellen Rahmen, der eingehalten werden muss, und der besteht nicht nur aus der Transfersumme, sondern vor allem auch im Gehaltsgefüge“, führte der Eintracht-Boss aus. „Und das alles muss man bei einem Spieler, der bei PSG unter Vertrag ist, abwägen.“

Ekitiké: Eintracht will unter 20 Millionen bleiben

Schwierigkeiten bereiten aktuell offenbar die Verhandlungen mit PSG, das den einst als Sturmjuwel gefeierten Angreifer nicht unter Wert abgeben will, hat der Klub doch einst selbst mehr als 30 Millionen an Stade Reims bezahlt. Die Eintracht aber ist nicht gewillt, nur annähernd so viel zu berappen, will nach Möglichkeit unter 20 Millionen bleiben. Weshalb alle möglichen Winkelzüge geprüft werden, als da wären: Erfolgsabhängige Extrazahlungen, eine PSG-Partizipation bei einem etwaigen Weiterverkauf in der Zukunft und noch andere Klauseln. Vielleicht wird am Ende aber die persönliche Bindung helfen, denn die Beziehungen zwischen der Eintracht und der Pariser Führung um Nasser Al-Khelaifi sind nicht schlecht, obwohl es rund um den Kolo-Muani-Deal schon ganz schön knirschte. Und: Jetzt will die Eintracht einen Spieler von PSG – und nicht umgekehrt.

Und deshalb fahren die Frankfurter mehrgleisig, sie wollen sich keinesfalls in Abhängigkeit zu den Pariser Verantwortlichen begeben. Man verfolge noch weitere Spuren, betonte Axel Hellmann. Das könnte durchaus eine taktische Äußerung sein, muss es aber nicht. Denn klar gebietet es die Sorgfaltspflicht und eine gute Vorbereitung, auch einen Plan B oder C in der Tasche zu haben. Von den Launen des Paris Großklubs abhängig oder auf das Goodwill angewiesen zu sein, stärkt sicher nicht die eigene Verhandlungsposition. Und sorgt auch dafür, keine Mondpreise zahlen müssen. Frei nach dem Motto: „Klar würden wir Euren Spieler gerne holen, aber nicht um jeden Preis, wir haben noch andere heiße Eisen im Feuer.“ Wichtig in diesem Zusammenhang: Ekitiké würde gerne zur Eintracht kommen.

Genauso wie Arnaud Kalimuendo von Stade Rennes, 22 Jahre alt, fast 20 Millionen Euro schwer. Oder Jean-Matteo Bahoya vom französischen Zweitligisten Angers SCO. Die 18-jährige Offensivkraft soll zehn Millionen Euro kosten, könnte jetzt oder im Sommer kommen. Der U-19-Nationalspieler ist eher am Flügel oder hinter den Spitzen zu Hause.

Keine Soforthilfe

Verbrieft ist auch das Interesse der Eintracht am schwedischen Supertalent Lucas Bergvall, der als einer der spannendsten Spieler in ganz Europa gilt. Die Konkurrenz ist groß, auch der FC Barcelona, Borussia Dortmund und neuerdings Bayern München buhlen um den 17-Jährigen. Die Eintracht will mit weichen Faktoren und dem Frankfurter Weg punkten. „Wir müssen junge Kerle holen, die Potenzial haben und die auf unserer spannenden Plattform gut spielen, um dann den berühmten nächsten Schritt zu gehen“, umreißt Hellmann die Strategie der Eintracht, die erfolgreich ist, aber eine immer schnellere Fluktuation zur Folge hat.

Im Angriff bleibt Hugo Ekitiké das Ziel Nummer eins. Sportchef Markus Krösche ist zu 100 Prozent überzeugt von ihm. Auch Axel Hellmann glaubt, dass der schnelle Franzose gut reinpassen könnte, obwohl er in dieser Saison quasi ohne Spielpraxis ist, nur acht Minuten gespielt hat. Hellmann sieht in Ekitiké nicht unbedingt eine Soforthilfe. „Man kann auch hergehen und sagen: Wir geben ihm eine gewisse Zeit und nehmen ab Sommer die Qualität des Spielers mit.“

In jedem Fall habe der Spieler eine Stärke, die der Eintracht fehlt und die Hellmann so beschreibt: „Wir suchen nach Tempo in der Tiefe.“ Da könne Ekitiké eine prima Ergänzung zu Sasa Kalajdzic bilden. Der ist überraschenderweise ja nicht nur Mittelstürmer, sondern auch ein verkappter Spielmacher.

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