Bundesliga

Eintracht gegen Stuttgart: in die Höhle des Löwen

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Muss improvisieren und die Eintracht trotzdem auf die zweitbeste Mannschaft der Liga vorbereiten: Dino Toppmöller.
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Die geschwächte Frankfurter Eintracht muss beim VfB Stuttgart deutlich stabiler auftreten.

Zur Aufhellung der mit schwermütig unzureichend umschriebenen Lage bei Eintracht Frankfurt hätte Dino Toppmöller, wie der frühere Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen gerne sagte, „ins Archiv hinabsteigen“ können. Was er da beim Stöbern in alten Statistiken über Spiele der Hessen in Cannstatt beim VfB Stuttgart hätte entdecken können, hätte bestimmt ein wenig Zuversicht ins Antlitz jedes geplagten Eintracht-Anhängers zaubern können: Die letzten fünf Auswärtsspiele im Schwabenland hatte die Eintracht allesamt nicht verloren, gar vier davon gewonnen, viermal erzielten sie da drei Tore, die letzte Niederlage (0:1) kassierten sie im Februar 2018, da standen Hradecky, Russ, Gacinovic, Haller und Rebic noch bei den Frankfurtern auf dem Rasen.

Zuletzt traf man im vergangenen Mai im Pokal-Halbfinale aufeinander, die Eintracht gewann 3:2 und der Trainer Oliver Glasner setzte zu einem nicht überall als angemessen empfundenen Diver an.

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Da war der Verein für Bewegungsspiele aber noch ein anderer VfB.

Einer, der gegen den Abstieg kämpfte, der zwei Relegationssiege (gegen den HSV) benötigte, um die erste Klasse zu halten. Das kann man, wenn man heute den so spektakulär auftrumpfenden VfB sieht, kaum glauben, das muss eine andere Epoche gewesen sein. „Der VfB“, hebt Trainer Toppmöller voller Respekt den Daumen, „ist momentan total im Flow“. Die letzten zehn Spiele haben die Schwaben nicht verloren, davon acht gewonnen, darunter 5:2 gegen RB Leipzig. Der Frankfurter Fußballlehrer hat bei seinem Kontrahenten einen „sehr guten Kader“ ausgemacht, er sieht „eine klare Idee“ und erstaunlich viel Qualität. Dazu kann Stuttgart auf eine beachtliche Heimstärke bauen, 33 Zähler (und zehn Siege, bei nur einer Niederlage) holten sie im heimischen Stadion, nur Bayer Leverkusen und der FC Bayern sind zu Hause noch eine Tick stärker. Die Stuttgarter, sagt er voller Hochachtung, „sind richtig, richtig gut unterwegs“.

Das kann man aktuell von seinem Team nicht direkt behaupten, vieles wirkt mühselig, beladen, so als trügen die Spieler einen mächtigen Rucksack auf dem Rücken. Was auf der einen Seite leicht und locker anmutet, kommt auf der anderen schwerfällig und bleiern daher.

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Natürlich ist das kein Grund für Toppmöller, Trübsal zu blasen. Neues Spiel, neues Glück, man freue sich auf dieses „Highlightspiel“ am Samstagabend (18.30 Uhr/live Sky), volles Haus mit 60 058 Zuschauenden, Flutlicht, dazu die Eröffnung der neuen Haupttribüne - was will man mehr als Fußballer? Und ein paar Ideen, wie man die Überflieger aus der schwäbischen Kapitale ärgern kann, hat er schon ausbaldowert. Trotz aller Qualität will der 43-Jährige „Schwachstellen“ beim VfB entdeckt haben, „in die wir reinstechen wollen“. Vor allem müsse man den Gegner „stressen“, vor Probleme stellen und keinesfalls vor Ehrfurcht erstarren. „Wir gehen mit Selbstvertrauen an die Sache heran.“ Denn man habe auch „Spieler mit guten Waffen“, etwa im Umschaltspiel.

Die gewisse Zuversicht speist sich unter anderem aus dem Hinspiel, bei dem man den Überfliegern lange Paroli bieten konnte, selbst wenn es ein 1:2 gegeben hatte, die einzige Niederlage im Stadtwald in dieser Saison bislang. Und Toppmöller weiß, dass sich seine Elf gegen Teams aus dem oberen Drittel deutlich leichter tut, „wenn wir nicht als Favorit“ ins Spiel gehen und selbiges nicht machen müssten. Gegen Mannschaften aus dem oberen Segment hat sich Eintracht Frankfurt in dieser Runde stets ganz manierlich aus der Affäre gezogen, ohnehin haben die Hessen nur sechs Partien verloren, so viel wie der VfB Stuttgart übrigens auch. Die Schwaben haben halt nur öfter gewonnen.

Dazu kommt: Die Eintracht ist trotz wenig beeindruckenden Vorstellungen in dieser Saison niemals hergespielt oder gar mit einer dicken Packung nach Hause geschickt worden. Die höchste Niederlage mussten die Frankfurter gegen den designierten Deutschen Meister Bayer Leverkusen hinnehmen, 0:3, am 15. Spieltag, durchaus moderat.

Personell muss Toppmöller ein bisschen improvisieren. Ellyes Skhiri wird wegen seiner Wadenblessur nicht zum Einsatz kommen, er wird für das für Europa ungleich wichtigere Spiel am nächsten Freitag zu Hause gegen den FC Augsburg dringender gebraucht. Auch Verteidiger Tuta (zwei Spiele Sperre) und Eric Junior Ebimbe (Gelbsperre) stehen nicht zur Verfügung. Das bringt Toppmöller, was die defensive Ausrichtung der Mannschaft angeht, in die Bredouille, Aurelio Buta, der zuletzt außer Form wirkte, in dieser Woche aber „sehr gut“ trainiert habe, oder der junge Nnamdi Collins sind erste Wahl für die Besetzung des rechten Glieds der Viererkette. Immerhin ist Hugo Larsson wieder fit, dessen „Unbekümmertheit und Frische“ Toppmöller mächtig imponiert. Sorgenkind Hugo Ekitiké hat gedämpft trainiert in diesen Tagen, er könnte es in den Kader schaffen.

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