VonJohannes Skibaschließen
Der vereinslose Trainer Julian Nagelsmann ist sowohl beim DFB als auch beim BVB im Gespräch. Für Hans-Joachim Watzke entsteht ein Interessenskonflikt.
Dortmund – Der DFB hat in den letzten Jahren viele falsche Entscheidungen getroffen. Der missglückte Neuaufbau nach dem blamablen WM-Aus in Katar wurde vor allem durch Gesichter geprägt, die seit Jahrzehnten im deutschen Fußball tätig sind. Rudi Völler und Hans-Joachim Watzke etwa haben zwar große Verdienste im Fußballgeschäft, stehen jedoch keinesfalls für Aufbruchstimmung und Erneuerung. Dazu war es nur eine Frage der Zeit, bis einer der Funktionäre der DFB-Task-Force, die bis auf Völler allesamt auch bei einem Bundesliga-Verein tätig sind, durch die Doppel-Verantwortlichkeit in einen Interessenskonflikt gerät. Das ist nun nach der Entlassung von Hansi Flick offenbar der Fall.
| DFB | |
|---|---|
| Gründung: | 28. Januar 1900 in Leipzig |
| Weltmeister: | 4x |
| Europameister: | 3x |
Nagelsmann Kandidat bei BVB und DFB?
Denn die Suche nach einem neuen Bundestrainer soll schnellstmöglich beendet werden. Ein Name, der immer wieder für die Rolle als Flicks Nachfolger beim DFB auftaucht, ist der von Ex-FCB-Coach Julian Nagelsmann. Der junge Trainer ist für viele Expertinnen und Experten einer der Favoriten auf das höchste deutsche Traineramt. Der DFB müsste sich mit dem FC Bayern jedoch auch finanziell arrangieren. Denn der 36-Jährige hat trotz seiner Freistellung beim deutschen Rekordmeister noch einen Vertrag in München. Eine Einigung scheint aber möglich.
Für Borussia Dortmunds Geschäftsführer und DFB-Vize-Präsident Hans-Joachim Watzke könnte die Situation besonders kompliziert werden, da Julian Nagelsmann immer wieder auch als Nachfolger für BVB-Trainer Edin Terzic ins Gespräch gebracht wird. Der Saisonstart des Vize-Meisters verlief durchwachsen. Terzic steht in der Kritik.
Interne Strukturen verbauen DFB erfolgreiche Zukunft
Ob Julian Nagelsmann tatsächlich ein potenzieller Kandidat bei Watzke und dem BVB ist, bleibt unklar. Dennoch offenbart die Personalwahl des DFB große Unzulänglichkeiten. Für die Funktionäre des DFB-Gremiums stehen die eigenen Vereine stets an erster Stelle. Interessenskonflikte bleiben nicht aus. Auch die Wahl von Rudi Völler als Sportdirektor sorgte Anfang des Jahres für Aufsehen, da diese Entscheidung offensichtlich aus einer Laune der Task Force heraus entsprungen ist und nicht durch nachvollziehbare und transparente Kriterien getroffen wurde. Watzke kommunizierte im Januar diese Entscheidung mit den Worten: „Rudi, das wäre doch etwas für dich!“
Der DFB kann sich nicht mit Figuren aus der Vergangenheit eine erfolgreiche Zukunft aufbauen. Darüber kann auch die Bezeichnung „Task Force“, die Modernität suggerieren soll, nichts ändern. Denn die inhaltlichen Entscheidungen und Diskussionen dieses Gremiums bleiben bis heute wirkungslos und bieder. Das hat auch Watzkes populistische Kritik am neuen DFB-Nachwuchskonzept von Hannes Wolf deutlich gemacht. Die Runderneuerung nach der WM 2022 in Katar hat nie stattgefunden. Hansi Flicks Entlassung war alternativlos. Die Suche nach einem neuen Bundestrainer wird durch die Entscheidungsträger erschwert. Eine Verpflichtung von Julian Nagelsmann, der rein fachlich ein geeigneter Nachfolger von Flick sein könnte, bietet durch die vom DFB geschaffenen Strukturen viel Konfliktpotenzial. (jsk)
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